Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1904)
- Date
- 1904-09-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1698 erste und wohlfeilste Ausrede, aber auch die hinfälligste, ist der Kostenpunkt. Man kann sich keine N2io bauen, weil sie zu theuer kommt. Als ob man bei den Depensen für das licbe Ich während des ganzen Jahres auch so skrupelös wäre! Welche Weitherzigkeit wird da oft an den Tag gelegt! Und wie engherzig, wo es sich um eine große Mizwah, wie roiö m*a handelt! Eine Vergnügungsreise, eine Badekur, die Anschaffung eines feknen „Blüthner". wo es in die Hunderte geht, leistet man sich viel leichter, als di; Aufstellung, einer bescheidenen „Hütte". Und verschlingt die Tyrannin „Mode", besonders bei der Damenwelt, nicht oft zehnmal mehr, als eine N2'o kosten würde, welch letztere überdies ja für Jahrzehnte benützt werden kann, denn sie — kommt nicht leicht aus der Model Wir sollen Gott mit „dem ganzen Vermögen" lieben, wie wir dies täglich zweimal in: wv uns zu Herzen fiihren. und wir wollten nicht einmal ein kleines Theilchen unseres Besitzes heiligen Zwecken opfern? Gerade anläßlich des Hüttenfestes sollten wir der Lehre unserer Weisen s. A. uns erinnern.. In Anlehnung an den Bibelvers n, inuw „dies ist mein Gott und ich will ihn verherrlichen" (eigentlich verschönend, lehren sie uns. niunn M nwd, zeige dich „schön" vor Ihm in den Mizlvaus, baue dir eine schöne N2D, kaufe dir ein schönes 2did, erwirb einen schönen wdv. Führe die Mizwaus nicht nur in nothdürftig genügender Form aus, sei nicht knickerig und halte auch auf mso die Schönheit, welche uns ausdrücklich für die Laubhütte und die aws *n des Feststraußes empfohlen wird. Wie soll man aber dazu gelangen, wenn man die Mizwa überhaupt zu erfüllen unterläßt? Nein, der Kostenpunkt kann und darf die Errichtung einer Laubhütte nicht vereiteln. Die Sukko soll ihrem Wesen und ihrer Bestimmung nach ja kein Palast sein, sondern 'uirm, eine provisorische Wohnung, und die leichte Konstruktion derselben dürfte gar häufig — wie uns bedünkt — weniger finanziellen Aufwand erfordern, als der obligate-Simchasthoraball! In großen Städten spielt die Platzfrage allerdings eine Rolle. Die Wohnungsverhältnisse dort gestatten oft dem Strenggläubigen nicht, eine Sukko zu bauen. Doch wo ein Wille ist. da zeigt sich auch ein Weg. Und die Erfahrung beweist, daß der Weg beschritten werden kann. Allerdings sind es nur Wenige, dir ernstlich q-ni sind. Große Gemeinden mit Hunderten von Familien errichten ex officio eine einzige Sukko für den Rabbiner oder Kantor, die anderen — haben keinen Raum. d. h. sie bemühen sich nicht nach dieser Richtung. Auf kleineren Plätzen, wo die Wohnungs- und Raumverhältniffe in genannter Hinsicht ganz andere, günstigere sind, sollte man ebenso viele Sukkotb als jüdische Haushaltungen zählen. Doch auch hier feiert man jetzt allzuhäufig Sukkaus ohne Sukko. Hat der Großvater die Mizwa in schönster Art einst ausgeübt. so begnügt sich der Sohn damit, frenndnachbarlich die Sukka eines anderen aufzusuchen, um sie mitzubenuhen. Der Enkel unterläßt selbst dieses. Ihm ist'nur noch in Erinnerung, daß der selige Großvater da oder dort eine Laubhütte besaß, die ihrer herrlichen Ausstattung halber von aller Welt bewundert ward. Er erzählt das kalt, und kühl, nach der Art eines Berichterstatters, dem es genügt, den objektiven Thatbestand zu melden, ohne innere Theilnahme. Längst ging der Großvater zur Ruhe ein, ein anderes Geschlecht ist herangeblüht, die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen — das Gesetz, man hält Sukkaus ohne — Sukko! Schließlich wollen wir nicht versäumen, auf die erziehliche Wirkung für die Jugend hinzuwcisen, wenn wir vom Bau einer Sukko sprechen. Ist diese vorbildliche Handlung an und für sich gleich jeder anderen zu. bewerthen, so tritt doch noch der Umstand hinzu, daß die Kleinen gerade hier so recht ihr kindliches Interesse zeigen. Wo eine Sukko errichtet wird, da strömen sie herbei, jeder möchte helfen, alle wollen ihren Thatendrang befriedigen: sie tragen Blumen. Obst. Hagebutten. Zierrath. Laub u. s. w. herbei, sie geben jubelnd ihre innere Theilnahme kund, loben und tadeln, machen Vorschläge und Pläne, freuen sich auf das eigentliche Laubhllttenfest. an dem sie sich fleißig als Besucher einstellen werden, hoffen und beten aus gutes Festwetter, und — plagen auch die Eltern, im eigenen Heim eine Sukko zu bauen, die alle andern an Pracht übertreffen soll! In der That dürste es kaum eine Mizwa geben, die durch ihre ästhetische Form einen solchen Reiz, eine solche Wirkung auf des Kindes Gemüth ausübt. als Mizwo Sukko. Sollte man da noch säumen, dem jugendlichen Thatendrang eine höchst lobenswerthe Gelegenheit zu bieten, sich in den Dienst einer guten Sache zu stellen? Gibt es ein dankbareres Feld, zur religiösen Lebensweise anzueisern. als die Religionspraxis? Klingen nicht die lauten Frcudenbezeugnngen der Kleinen wie eine ebenso laute Anklage gegen die. welche Mizwo Sukko vernachlässigen? Und wer die herrlichen Betrachtungen, welche unsere Festgebete über die Sukko anstellen, im Gotteshause liest, aber keine Laubhütte errichtete, hat er nicht eine Selbstanklage ausge- - sprochen? Drum auf. ihr Säumigen, bedenkt den I hohen Zweck und Gehalt der herrlichen Mizwa, erfüll:? sie nicht nur mechanisch und äußerlich, sondern mit wahrer rrom bs> nnrw, bis einst Gott die Friedenshütte baut, unter deren Dache vereint Israel und die Gesammtmenschheit einzieht. ZeiLurrnSnaHriHten und Csrresponderrze«. Berlin. Wehmuth ergreift das Herz, wenn Man J als Jude, der ein offenes Auge für die Gebrechen feiner Zeit hat. sehen muß, wie die Cntjudnng der deutschen S Juden schon so weit ist, daß sie bald an der äußerste»»»