Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1904)
- Date
- 1904-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2119 zwangen, daß alle behaupteten Thatsachen ohne eine Ausnahme falsch sind. ... Da hat nun ein Offizier ein Jahr lang unter bestimmten Anklagen gestanden und er brauchte ein anderes Jahr, um förmlich wieder in den Stand der Ehre eingesetzt zu werden. In Lc Manwird Leutnant Gluck, den man in Verdacht hat. Jude zu sein, bei seiner Ankunft im Regiment vollständig geschnitten. Seine Kameraden sprechen nur dienstlich mit ihm. In der Offizierspension ist eine Waffentrophäe mit einer preußischen Pickelhaube als Mitielsiück. An den Tagen, wo Leutnant Gluck Urlaub hat, verschwindet dieser Helm, und man verbreitet^ er nehme ihn mit. Gluck stellt den Tischältesten zur Rede.. Er gibt ausweichende Antworten. Gluck fordert ihn. Da greift der Oberst ein und verbietet den Zweikampf. Der Vater des jungen Mannes beschwert sich über die Behandlung, die sein Sohn erleidet: Der Oberst erwidert, Zuneigung lasse sich nicht befehlen. Einige Kameraden möchten die Zurückhaltung aufgeben; man bedeutet ihnen, in diesem Talle würde man sie selbst ächten. Ein einziger Offizier wagt es. sich von dieser Verabredung loszusagen; sofort wird auch er in Verruf erklärt. Ich habe mich gezwungen gesehen, Leutnant Gluck zu versetzen, und es wird mir nichts übrig bleiben, als seinen Freund ebenfalls aus dem Regiment von Le Mans zu entfernen." Damit aber unsere deutschen Antisemiten nicht allzusehr frohlocken, wollen wir auch für sie eine kleine Bliithe aus dem Strauß der Erzählungen des französischen Kriegsministers pflücken. „Ein katholischer Leutnant heirathet eine Protestantin in deren Kirche. Man ächtet ihn und der Oberst läßt ihn wissen, daß inan ihn als mit einem Weib in einem unerlaubten Verhältniß lebend ansehen werde, so lange er sich nicht auch in der katholischen Kirche trauen lasse." Diese Zustände muß man kennen, um zu begreifen, daß die geächteten Offiziere sich schließlich zusammenthaten, um an ihren Verfolgern Rache zu nehmen und Vergeltung zu üben. Die kleinen jüd. Gemeinden in Frankreich. Ter Eombes'sche Gesetzentwurf über die Trennung der Kirche vom Staate in Frankreich macht nun doch den Juden daselbst viel Sorge. Der Großrabbiner von Frankreich, Zadok Kahn, hat an die Redaktion des „Signal" ein Schreiben gerichtet, worin er seine Ansichten über die Frage, soweit sie den jüdischen Kultus berührt, ausspricht. Er sagt darin, er wäre förmlich erschrocken, als er den Artikel 8 des Gesetzentwurfes gelesen hätte. Denn die kleinen Gemeinden, die sich nicht selbst erhalten könnten, wurden darin ihren Untergang besiegelt sehen. In Frankreich sei der jüdische Kultus vornehmlich in Paris konzentrirt und vertheile sich ans einige Hauptgemeinden wie Nancy, Lyon. Marseille, Bordeaux etc. Aber wie viele Departements gebe es in Frankreich, wo nur eine oder zwei ganz kleine Gemeinden existiren, welche entweder, um ihr Budget bestreiten zu können, von den reicheren Geirclnben oder gar direkt vom großen Konsistorium unterstützt werden müssen. Diese waren dann genothigt, ihre bescheidenen Synagogen und Bethauser zu schließen. Der Privatsekrelar des Di;«körrigS von Indien. London. Dieser Tage ist Mr. Robert Nathan zum Privatsekretär des Vizekönigs von Indien ernannt worden. Er ist der vierte von vier Brüdern, die in verhältnißmäßig jungen Jahren zu hohen englischen Aemtern gekommen sind. Der bekannteste ist Sir Matthew Nathan, der mit 42 Jahren Gouverneur in Hongkong wurde. Nachdem er i. I. 1880 die Militär-Akademie von Woolwich absolviert hatte, diente er als Offizier im Ingenieur-Korps. Mit diesem Regiment hat er zwei Feldzüge milgemacht: i. 1.1885 bei der Nilarmee zur Befreiung Gordon's, und vier Jahre später bei der Luschai-Expedition. 1895 wurde er zum Sekretär der Kolonialvertheidigungs-Kommiffion erwählt und erhielt als Anerkennung seiner Th'atigkeit in diesem Amte den Michael-Georgsorden. 1889 war er Gouverneur von Sierra Leone, später einige Jahre lang der der Goldküste, deren mörderisches Klima ihm verhältnißmätzig gut bekommen ist. Er war der erste Jude, der im Kolonialdienst die Gouverneur-Stellungerreicht hat. Sein Bruder, Major F. L. Nathan, hat ebenfalls eine akademisch-militärische Vorbildung in der Hochschule von Saudhurst genossen. Er trat 1879 in die Dienste der königlichen Artillerie und wurde 1886, nach Absolvirung der Endprüfung. Jnsiruktions-Hauptmaiin in der königlichen Militärwerkstat*. Er beschäftigte sich besonders mit Geschühbau und wurde, nach einigen Zwischenchargen, mit dem schwierigen Amt eines Offiziers bei den Pulver-Magazinen in Waltham Abbau betraut. Acht Jahre später erhielt er den Posten des Direktors dieses Instituts. Der älteste der Brüder, ein Jurist, bat in Westindien gelebt und wurde 1888 Richter. 1891 Richter des Oberiribunals in .Kingston, der Hauptstadt von Jamaika, 1898 Senior des Appellations-Gerichts in Trinidad. 1898 Generalsftaatsanwali von Trinidad und Tobago, und 1904 wurde er in den Ritterstand erhoben. Auch der vierte Prüder machte seine Kariere in den Kolonien. Nach seinen Universitäts-Studien widmete er sich dem Zivildienst in Bengalen, wurde, nachdem er bei der dortigen Steuer-Verwaltung fungirt hatte. Unterstaatssekretar für Indien im Finanz- und Handels- Departement. 1897 in das Ministerium des Innern befördert und 1900 Direktor der Steuer-Verwaltung. Zwei Jahre darauf gab man ihm noch das Amt des Sekretärs der indischen Universitäts-Kommission, und