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Der Israelit · 1904-12-12 · Heft 98 (12.12.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 98 (12.12.1904)
Date
1904-12-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2118 Hauswirtschaft, Handwerk und Bodenkultur auf sozialem Gebiete besonders verdient macht, ist eine unbestrittene Thatsache. Die G ä r tn e r e i hatte sehr dekorativ wirkende Blumenkörbe und gärtnerische Zeichnungen ausgestellt; die Schuhmacherei, elegante Stiefel für Damen und Herrn (auch ein Paar Brautschuhe); die Bäckerei. Weiß- und Schwarzbrot», Kuchen und Torten, die sogleich ihre Käufer fanden. Die Kinder betheiligten stch an der Ausstellung durch kunstvoll ausgeführte Holz- und Papparbeiten, die allgemeine Bewunderung erregten. Nachdem die Vorstellungen beendet, die Lichter entzündet und das Chanuka-Lied vom gemeinsamen Chor abgesungen worden, fand der wohlgelungene Abend seinen Abschluß in der Vescheerung von etlva 140 Zöglingen, die von dem Damenkomitee, unter Vorsitz der Frau Senator F i s ch e r, in wochenlangcr Arbeit vorbereitet worden war. Wir hoffen, daß der kürzlich in Angriff genommene Erweiterungsbau des Knabenhauses, dessen Kosten von etwa OO—70,000 Mark allerdings erst ungefähr zur Hälfte gedeckt sind, es der Anstalt im nächsten Jahre ermöglichen wird, das Fest in eigenen Räumen zu feiern und dadurch noch schöner zu gestalten. Jsr. Vertretung im^galiz. LandeSfchulrath. Lemberg. In der Nachtsitzung des Landtags verlas Abg. Dr. Löwenstein in der Spezialdebatte über den Budgettitel „Unterricht" eine Erklärung der jüdischen Landtagsabgeordneten mit dem Ausdrucke des Dankes für die den Juden in dem jüngst beschlossenen Gesetz zugestandene Berufung eines Vertreters ihres Glaubens in den galizischen Landesschulrath, durch welche die der Judenschaft staatsgrundgesehlich zugesicherten Rechte verwirklicht erscheinen und der jüd. Bevölkerung ein neues Gebiet der Mitarbeit für das Wohl des Landes eröffnet werde. Die vom Episkopat geäußerten Bedenken hinsichtlich der Gefahren des betreffenden Gesetzes über die neue Organisation des Landesschulrathes seien, wenn sie etwa durch die Berufung eines Repräsentanten der Judenschaft hervorgerufen würden, unbegründet, da es den Juden, bezw. ihren Vertretern, ganz ferne liege, sich in die Angelegenheiten anderer Religionsgenossenschaften einzumengen. Berichterstatter Abg. Dr. Kozlowski verwies sodann mit Befriedigung auf den maßvollen Ton der jüdischen Landtagsabgeordneten und betonte, daß die Deklaration der Bischöfe den Andersgläubigen keinen Anlaß zu Befürchtungen habe geben können, da diese Deklaration sich nur dagegen verwahrte, daß die anderen Konfessionen in den Wirkungskreis der katholischen Kirche eindringen, im klebrigen aber das Gebiet der Glaubensfreiheit gar nicht tangirt hatte. Die inneren Zustände des franzSstsche« Heeres. Paris. Es ist unzweifelhaft mehr als geschichtliches Interesse, die inneren Zustände des französischen Heeres nach der antisemitischen Richtung von dessen Oberhaupte, dem früheren Kriegsminister, geschnürt zu seheg. Es seien deshalb hier einzelne Angaben, die General Andr6 in der berichteten Freitagssitzung über die Gesinnungen des Offizierskorps machte, im Wortlaut angeführt. General Andr6 erzählte u. a.: „In manchen Regimentern fragt man die Offiziere nach ihrer Religion. Einer trägt einen jüdisch klingenden Rainen. Man ächtet ihn, so lange er nicht durch Vorzeigung seines- Taufscheins beweist, daß er kein Jude ist. Ein Offizier erklärt, er wolle in der Unteroffizierschule keinen Juden dulden. Ich versetze ihn strafweise. Der Schulkommandant lehnt 'sich gegen meine Maßregel auf und verlangt seines Amtes enthoben zu werden. In einer Ofsizierschule ertheili ein Prüfer einem jüdischen Mitbewerber die Zensur 14. Der Vorsitzende Oberst erklärt: „Ich will keinen Juden zulassen, ich ertheile ihm die Zensur 2." Ein Leutnant rechnet es seinem Kameraden als Schuld an, daß er im Leichenzug der Gattin eines Präfekten mitgegangen ist. . . . In Orleans begegnet der jüdische General stabshauptmann Picard einem Kameraden und grüßt ihn. Der Gegrüßte erwidert den Gruß nicht. Hauptmann Picard stellt ihn zur Rede. Der Kamerad antwortet: „Ich grüße keinen Juden." Hauvtmann Picard schickt ihm seine Kartellträger. Er erwidert: »Ich schlage mich nicht mit einem Juden." Hauptmann Picard erstattet nunmehr beim Oberst Anzeige, der ihn beschwört, keine Geschichten zu machen, und die Sache vertuscht. Hauptmann Picard wird in einen Jnfanteriedivisionsstab versetzt. Das Offizierkorps ächtet ihn. Der Divisionsgeneral erstattet einen vom Korpsführer an den Kriegsminister weitergeleiteten Bericht, wonach über diesen Offizier die ehrenrührigsten Gerüchte umlaufen, sein Charakter verdächtig sei und man ibm keine militärischen Geheimnisse anvertrauen könne. Es wird hinzugefügt, Hauptmann Picard habe sich geweigert, sich mit einem Kameraden zu schlagen, der ihn beleidigt habe! Der Bericht verlangt die Versetzung Picards. General de Gallifet antwortet, man muffe diesen Offizier einer strengen Untersuchung unterziehen, deren Ergebniß ihm mitzutbeilen sei. Ein Jahr vergeht. ohn; daß man dem Kriegsminister antwortet. Inzwischen aber bleibt Hauptmann Picard fortwährend geachtet. Er hat keine Ahnung von den Beschuldigungen, tue auf ihm lasten. Ich erhalte von dieser Sachlage auf nichtamtlichem Wege Kenntniß. Ich fordere da? Ergebniß der von meinem Vorgänger ein Jahr vorher angeordneten Untersuchung ein. Nun antwortet man mir. man habe die Thatsachen übertrieben. Ich befehle dem Divisionsgeneral, bestimmte Angaben zu machen. Er ist zum Gestandniß ge-

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