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Der Israelit · 1904-12-12 · Heft 98 (12.12.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 98 (12.12.1904)
Date
1904-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2117 -ramm, ist vielleicht noch nie zuvor in einen Wahlkampf eingetreten, wie diesmal durch den „Centralverein" geschehen. Schon der Name war ein Widerspruch zur Wirklichkeit. Weder war hier eine Central!- s a t i o n aller conservativen und zielbewußten Juden zu bemerken, noch lveniger ein Zusammenschluß, der den Namen Verein verdient hätte. Und genau wie die ganze Vereinigung ein Conglomerat aller religiösen Elemente, in denen möglicher Weise auch streng religiöse Männer die Candidatenliste vervollständigten,' so war auch das Programm, der Wahlaufruf, alles andere eher, als konservativ — nicht Fisch noch Fleisch. Und unter conservativ kann man in Berlin gar vieles sein, als echter Jebudi braucht man kaum etwas zu sein. - Figurirt doch als Vorstand eines conservativen Synagogenvereins im Südwesten Berlins ein Mann, der seine Freunde nur in christlichen Hotels zu Banketten früher einlud, weder einen rituellen Haushalt führt, noch Schabbos hält. Wenn den „Liberalen" der Sieg in der Gemeindeverwaltung zugefallen, so ist dem orthodoxen Judenthum Berlins, das auch ohne den ' „conservativen" Centralverein bestehen wird, kein Schaden daraus erwachsen; — möglicher Weise wird es jetzt gewinnen. Zeigt schon die.durchgefallene Candidatenliste der letzten Wahl, was alles gegenwärtig in Berlin und noch sehr weit davon entfernt ui di et ordi sich mit conserdativen Farben zu schmücken vermag, so zeigen uns andere Vorkommnisse, was in unserem modernen Judenthum alles möglich ist, ohne daß sich die öffentliche Meinung darüber besonders erregt. Lebte da in einer Universitätsstadt, die sich als Zierde des Judenthums bisher nicht sonderlich hervorgethan hat, ein junger Gelehrter, der um der Silberlinge einer Professorenstelle, sein Judenthum am Taufbecken abwusch. Nun ward er nach Leipzig berufen, als Professor ordinarius, ohne daß das eine oder andere seine jüdischen Beziehungen verschlechtert hätte. Der getaufte Professor hätte sich seine Umgangskreise unter den Juden ganz nach Geschmack und Wunsch wählen können — wenn er gewollt hätte, denn die Gemeinheit seiner Handlung hatte ihm in den Augen seiner ehemaligen „Killegenossen" nichts geschadet. Ist doch der jüdische Charakter in zahlreichen Kreisen bereits so demoralisirt, daß das Taufen gar nicht mehr als Affront empfunden wird. Unsere Geschichte geht aber noch ein Endchen weiter. In besagter Universitätsstadt, in der der ehemalige Privatdozent als Jude lebte, ist auch eine Loge, die auch für die geistigen Genüsse und sittliche Erziehung der Gemeindeangehörigen mit regem Eifer und — wie die Thatsache lehrt — großem Ungeschick sorgt. Diese ' Loge lud nun den getauften Professor und ehemaligen Mitbürger, zu dessen eignem Erstaunen, zu einem Vortrag ein. Trotz seines großen Erstaunens, nahm der Täufling mit dem Professorentitel, diese Einladung att. Warum denn auch nicht?Xon ölet, dachte der gelehrte Geschäftsmann und bewies, daß er kein Rosche ist und > steckte das Koscher-Geld in seine trefene Tasche. Bei ( dem schönen Vortrag des Herrn Professor, der einen l frenetischen Beifall erntete — es soll gestopft voll int Saal gewesen sein — soll er auch Lichtbilder zum Besten gegeben haben. Das schönste Lichtbild brauchte er nicht zu zeigen, nämlich den Vorstand der besagten Loge, denn sie selbst hat sich in das schönste Licht gestellt. Was wird die Großloge zu dieser Großthat sagen? Kann und darf sie zugeben, ohne dem Orden ein ungeheures Armuthszeugniß auszustellen, daß die! Logen getaufte Juden als Vortragende heranziehen? Sind die Logen so arm an geistigen Kräften und Rednertalenten, daß sie zu Täuflingen greifen muß, um Vorträge zu arrangiren? Darf die Großloge zugeben. daß eine ihrer Logen solchermaßen die öffentliche Meinung corrumpiren und den gesammten Orden blosstellen darf? Bei der großen Zahl strengreligiöser Männer, die dem Orden angehören, dürfte der famose Vortrag jenes getauften Professors, noch ein lebhaftes Nachspiel erleben. Aber unserseits alle Hochachtung vor der Selbstachtung eines, jüdischen Publikums. daS seiner Gesinnungstüchtigkeit, kurz vor der Makkabäer? feier, selber ein so schönes Zeugniß ausgestellt hat. Muß das eine vornehme Gemeinde sein, der so etwaS geboten werden kann. Chanuka-Feier der isr. ErziehungS-Anstalt zu Ahlem. Hannover. Am Mittwoch, den 7. Dezember, beging die „Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem" (für Gartenbau, Handwerk und Hauswirthschaft) vor einem zahlreichen Publikum die Chanukafeier in festlicher Weise. Begrüßt wurden die Gäste durch einen von dem vorzüglich geschulten Knabenchor a capella zu Gehör gebrachten Gesang, dem sich ein Prolog anschloß. Die hierauf folgenden gesanglichen und darstellerischen Aufführungen der Knaben und Mädchen fanden von allen Seiten wohlverdiente lebhafte Anerkennung. Den Glanzpunkt des Abends bildeten indeß die turnerischen Künste der Knaben. War es schon eine Genugthuung, solche stämmige, breitschulterige Gestalten nur auftreten zu sehen, so erschienen manche ihrer Leistungen einfach verblüffend; spielend wurden die schwierigsten Hebungen am Barren, wie Handstand, Rolle u. s. w. auf eine Weise ausgesiihrt, die jedem Turner zum Stolze gereicht hätte. Es zeigt sich wieder, daß wir Juden, die richtige Erziehung vorausgesetzt, ein auch körperlich tadelloses Menschenmaterial reprasentiren und den Ariern keineswegs nachstehen. Daß die Ahlemer Anstalt sich mit ihrer Erziehungsmethode

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