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Der Israelit · 1904-09-14 · Heft 74-75 (14.9.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 74-75 (14.9.1904)
Date
1904-09-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1676 eines 1132 verliert, sobald sie in den Prinzipien ihrer Verwaltung sich vom Boden des Gesetzes, wie es in zrazw mm und.iv ij?3» rmn niedergelegt ist, entfernt. Daß ein Jeder dann das Recht hat, aus einer solchen Gemeinde auszutreten, ist keine Frage. Ob auch die Pflicht (weil er mit seinem Beitrag event. religionsgesehlich unzulässige Institutionen unterstützt), das ist eine halachische Frage, auf die wir hier nicht eingehen wollen. Was aber den zweiten Vorwurf betrifft, dir ausgetretenen Mitglieder begeben sich ihres Einflusses auf die Verwaltung der Großgemeinde, sie vermöchten innerhalb der Großgemeinde so viel Gutes zu wirken und überließen ohne Kampf und Schwertstreich das Feld dem Radikalismus, so wäre dieser Vorwurf ein gewichtiger und schwerer — wenn er eben der Wahrheit entspräche. Wir kennen die Verhältnisse in den anderen Gemeinden nicht genau genug, um ein abschließendes Nrtheil fällen zu können. Doch die Judenheit Berlins, ihre Zusammensetzung, die Gesinnung der Einzelnen, die Beschaffenheit der Verwaltung der Großgemeinde, der Charakter der Parteien, die Kämpfe in den Wahlen für die Reprasentantenversammlung. das alles ist uns vertraut, ilnd auf Grund unserer Kenntniß behaupten wir, eS gibt keine so bedeutungsvolle konservative Minderheit in Berlin, daß sie je auf die Verwaltung der Großgemeinde einen entscheidenden Einfluß gewinnen könnte. Der. weitaus größte Thei! der Gemeindemitglieder ist völlig indifferent, eine kleine Minderheit scheidet sick in „Liberale" und „Konservative" — und von den. Konservatkven.ist wiederum eine kleine Minderheit las. was wir ehrliche, brave Jehudim zu nennen pflegen. (Nebenbei bemerkt ist das bei der immensen Zahl der Juden Berlins G. s. D. eine erkleckliche Zahl). Die „Liberalen" wissen, was sie wollen. Sie selber sind liberal, und darum soll auch die Berliner Gemeinde in ihren Institutionen liberal werden, immer mehr und mehr. bis — wie es Abraham Geiger einmal verrieth — zwischen Oranienburgerstraße (der großen Svnagoge) und der Johannisstraße (dem Tempel der Holdheim'schen Reform) eine Vereinigung stallgefunden. „Die Konservativen" wissen nicht, was sie wollen. Sie entweihen den Sabbat, übertreten die Speisegesetze und kämpfen doch für die Erhaltung der religiösen Institutionen, kämpfen gegen die Einführung der Orgel in die Synagoge. Einige von ihnen wissen, was sie wollen. Sie sagen, wir selbst halten ja von diesen Dingen nicht viel, aber wir wollen das Interesse derer wahren, die sich in ihren Genüssen bedrückt fühlen könnten. Das ist ein ehrenwerther Standpunkt. Nur schade, daß er den Streiter im Getümmel des Kampfes im Stiche laßt. Wie soll man das vertreten, wie soll man das durchsetzen, was man im Innersten des Herzens selber nicht für bedeutsam und wichtig hält?! So kommt es dann zu solchen Seltsamkeiten, wie sie der Kampf um die Orgel in der neuen Synagoge in der Rykestraße gezeitigt hat. Die konservativen Repräsentanten erklären, im Prinzip hätten sie nichts gegen die Orgel, doch für die Orgel in der Rykestraße könnten sie nicht stimmen. Vor Allem aber können sie gar nicht, selbst beim besten Willen, die Interessen ihrer firengfrommen Wähler wahren. Die .nrrin jpna 'xn die Vorschriften, die der Sckächter zu beobachten hat. nehmen im Talmud den hundertsten Teil dessen ein. was er über das Tragen am Sabbat zu bemerken hat. Und wollte man ihnen nun sagen, man dürfe keinen Schächter wählen, der am Sabbat trägt, man könnte zu dessen tzpiri mm» kein Vertrauen haben, so erschien ihnen das als Ausgeburt religiösen Wahnsinns. Doch wollten wir selbst davon absehen. nehmen wir an. (es ist ein Irrealis) die konservativen Repräsentanten hätten den Willen und die Kraft, alles durchzusetzen, was die Gesetzestreuen fordern müssen, wer birgt denn dafür, daß nicht nach einigen Jahren Alles über den Haufen geworfen wird, was sie geschaffen haben? Bei den Berliner Repräsentanten geht es wie mit den Torys und den Whigs in England, die Konservativen und Liberalen lösen sich mit unheimlicher Regelmäßigkeit ab. Soll da der Gesetzesireue immer zittern müssen für die Ausreckterhaltung der religiösen Institutionen, soll er über Nacht sich in eine andere Schechita, eine neue Mikwe. eine besondere Schule schaffen? Nein, da muß mitten unter dem Auf und Ab der Wellen eine Insel sein, aus der er sich geborgen weiß, eine Stätte, an deren Sicherheit er nir zu zweifeln braucht. Ein solcher Fels mitten in den schwankenden Wogen ist die Adaß-Jißroel-Gemeinde. Wir baben die obigen Bemerkungen vorausgeschickt, um zu zeigen, daß ihr Entstehen der Nothwendigkeit entsprang, ».lehr aber noch um zu beweisen, daß ihre Erhaltung. Fortbestand und Fortentwicklung im Interesse aller Gesetzestreuen Berlins, und da die Reichshauptstadt vorbildlich ist, im Interesse ded gesammten orthodoxen deutschen Judenheit liegt. Darum war das Fest, das sie bei der Einweihung der neuen Synagoge feierte, eine b» rro» mxs in des Wortes eminentester Bedeutung, darum war es ein Fest, für die Gesammtheit der Gefetzestreuen Deutschlands, und darum soll auch in diesen Blättern über den Verlauf eingehend berichtet werden. (Schluß folgt.) - Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Der'neue Gouverneur von Hongkong.) Ein Londoner Blatt enthielt.vor einigen Tagen folgende Notiz aus Hongkong, datirt vom 29. Juli d. I.:

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