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Der Israelit · 1904-09-14 · Heft 74-75 (14.9.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 74-75 (14.9.1904)
Date
1904-09-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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15U «Sir Matthew Nathan, der neue Gouverneur von Hongkong, landete beute Morgen um 10 Uhr und wurde am Pier von Regierungsbeamten, Richtern, Civil- und MilitLrbcamteN sowie einer großen Menge von Burgern empfangen. Die Schiffe trugen Flaggenschmuck und Salutschüffe wurden abgegeben. Die von dem Derbyshirt Regiment gestellte Ehrengarde war zugegen, und der Weg vom Regierungsgebäude wurde von Militär und Polizisten eingefaßt. Bei der Ceremonie der Eidesleistung machte Sir Nathan einen günstigen Eindruck durch eine ausgezeichnete Rede."' Hierzu wird von hier geschrieben: «Diese Notiz wirft ein charakteristisches Licht auf den Unterschied zwischen den hiesigen und dortigen Verhältnissen. Der neue Gouverneur von Hongkong, Nathan, ist ein guter Jude. Er sollte vor einigen Jahren englischer Militär- Attach«- in Berlin werden, wurde jedoch seiner Religion wegen von der preußischen Regierung nicht angenommen. Es ist schade, wenn ein Land die Talente, welches es besitzt, nicht benutzen darf."" Breslau. Kornelius G ur l i t t veröffentlicht im sechsten Hefte der «Zeitschrift für christliche Künst" «Beitrage zur Kunstgeschichte der alten Synogoge". Er geht dabei von der Auffassung aus, daß die syrischpalästinensische Kunstgeschichte überhaupt einer Durchsicht bedürfe. Bisher nahm man an. daß durch Alexander den Großen und die Seleuciden klassische Bauformen eingeführt worden seien, daß diese aber erst unter den römischen Kaisern, namentlich unter Hadrian. eine höhere formale Reinheit erhalten hätten. Die besten Arbeiten im Sinne klassischer Reinheit wurden daher römisch genannt und dem zweiten christlichen Jahrhundert zugewiesen. So in Folge dessen auch die formenschönstcn der auf palästinensischem Boden ganz oder in Trümmern erhaltenen Synagogen. .Nach Gurlitts Meinung liegen die Dinge anders: Als Alexander in Syrien einzog, war dies schon längst dem griechischen Kaufmann, und damit zugleich der griechischen Kultur erschlossen. Rasch erfolgte, wenigstens für die Städte, eine Ueberwindung des einheimischen Wesens durch den Hellenismus. Daher fällt in die beginnende Seleucidenzrit bereits das Beste, was in Syrien an klassisch stilisirten Bauten geleistet worden ist. Unter den Seleuciden vermischte sich dann das hellenische Wesen mit dem heimischen. Als die Römer das Land betraten, war in Asien der Stil fertig, den wir irrthümlicherweise als römischen zu bezeichnen pflegen. Als sie im zweiten Jahrhundert friedliche Verhältnisse geschaffen halten, erlebte er eine zweite Blütezeit, um sich dann langsam wieder mehr und mehr zu orientalisiren und um sich schließlich zu derjenigen Stilgattung auszuprägen, die wir die byzantinische nennen. Infolgedessen wird man auch anzunehmen haben, daß in Palästina die kunstgeschichtliche Entwicklung anders, und zwar viel stetiger vor sich gegangen ist, als man das genleinhin glaubt; und man wird klassizistische Formen von einer gewissen Reife, soweit sich solche an palästinensischen Synagogen finden, nicht ohne weiteres mehr in römische Zeit verlegen dürfen. Die Synagogen selbst sind im allgemeinen rechtwinklich gebaut gewesen, mit Reihen von Säulen ausgestattet, deren größte Spannweite etwa vier Meter betrug. Fenster scheinen die Wände nicht gehabt zu haben; vielmehr erhielt die Synagoge ihr Licht vermuthlich von oben, derart, daß sie einfach einen von Säulen umgebenen Hof bildeten. Auf einer Seite findet sich in den erhaltenen Resten eine Nische, die dem heiligen Schrank der jetzigen Synagoge entspricht. Ihr gegenüber ziehen sich an der Wand Bänke hin. An den Thoren befinden sich Reliefs, einmal eine Rose, von zwei knieenden Lämmern flankirt; ein anderesmal die Köpfe zweier Opferstiere nebst einem Kranz. Beliebt sind muschelartige Gebilde als Thürverzierung. Diese kunstgeschichtliche Beleuchtung der ältesten Synagogen, die um so dankenswerther ist, als darüber noch keine befriedigenden Darstellungen existiren, will Gurlitt später weiterführen. Cdelfingen. Am 24. August ist in Crailsheim eine Frau gestorben, welche es verdient, daß ihr in den Spalten dieses Blattes ein ehrendes Denkmal gesetzt werde. Es ist dies Frau Marianne Mannheimer, welche seit dem Tode ihres Mannes bei ihrer in Crailsheim verheiratheten Tochter wohnte. Wo man die Verklärte kannte, erfreute sie sich durch ihr freundliches Wesen, durch ihre aufrichtige Frömmigkeit, durch ihr herzliches Wohlwollen der größten Beliebtheit. Die Armen und Hilflosen haben an ihr eine aufrichtige Freundin und Veratherin verloren. Wenn der Hilferuf der Nothleidenden durch die Luft drang, dann erbebten die zarten Saiten ihres weichen und warmen G»e'nütyes und gern öffnete sich ihre Hand, um G.»ben der Liebe auf den Altar der Milde und Barmherzigkeit zu legen. So war sie ein /’n jupk in des Wortes edelster Bedeutung, gleich lobenswerth als Gattin wie als Mutter und Großmutter. Ihrem verstorbenen Gatten war sie eine treue Rathgeberin, eine weise Freundin, die jede Freude ihm versüßte, jede Sorge ihm erleichterte. Ihrer einzigen Tochter und deren Familie aber brachte sie ein liebendes Mutterherz entgegen voll beispielloser Hingebung, voll Zärtlichkeit und treuer Sorgfalt. Auch uns, der Unterzeichneten Familie, bist Du ein unersetzlicher Verlust. Du bist es ja gewesen, die an uns Mutterstelle versehen, hat,, als wir verlassen und verwaist dagestanden. Du bist uns eine treue Erzieherin und Freundin geblieben, solange Dein treues Herz schlug. Darum war auch unser Schmerz ein großer, als die unvermuthete Trauerbotschaft von Deinem.

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