Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 74-75 (14.9.1904)
- Date
- 1904-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450054--61425-2524241- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
1564 die Israeliten auf die Christen Schüsse abgaben, rourde die Polizei herbeigerufen, die von ihren Revolvern Gebrauch chachte und zwei Personen verwundete. Am 5. Sept. Morgens begaben sich mehrere hundert Eisen, bahnarbeiter von der benachbarten Station Bobrinskaja trotz des Einschreitens der Behörden in einem Eisenbahnzuge nach Smjela. wo die Ruhestörungen sich erneuten. Zur Unterdrückung der Ruhestörungen wurde Militär herbeigerufen. (Es ist abzuwarten, ob sich dies so verhielte. D. Red.) Petersburg, 12. Sept. (I u d e n h e tz e n.) Auch in Rowno, Gouvernement Wvlynien, hat am 4. Sevt. eine Judenhehe stattgefunden. Zwei betrunkene russische Soldaten waren mit einer jüdischen Fruchtverkäuferin in Streit gerathen, aus deren Laden sie eine Birne gxrommen hatten, ohne dafür zu bezahlen. Andere Juden kainen der Fruchtverkäuferin zu Hilfe, während einige Bauern die Soldaten unterstützten. Bei dem Zusammenstoß wurden ungefähr 20 Personen verletzt und gleichzeitig wurden zahlreiche Läden geplündert. Erst durch. Intervention des Polizeikommissars mit einer Abtheilung Polizei und Feuerwehr tonnte die Ordnung wieder hergestellt werden. ttownö, 13. Sept. Hier ist alles ruhig. Pos Gerücht yon Unruhen, die sich gegen die Juden richteten, ist dadurch entstanden, daß vor einem Monat bei einem Gewitter sich in einem öffentlichen Garten eine Schlägerei entwickelte, bei welcher ein Jude in einen Finger gebissen wurde Schon vor dem Eintreffen der Polizei ivar die Ruhe wieder hergestellt. Der Zwischenfall blieb ohne weitere Folgen. Feuilleton. Wme 'vereitelte Dochzeit. > von K. ^Zaynev. U7*' Mit einem geradezu unvergleichlichen Heldenmuth ertrug Josef am anderen Tage die schmerzlich: Operation. Ein heiteres Lächeln verklärte die Züge des edlen Dulders und als er eine viertel Stunde nachl)er wie alle anderen Festgenossen an dem Festmahle theilnahm, bemerkte der Mohel Rabbi Pinchas Hattenbach, er habe schon mehrere Erwachsene in den Abrahamsbund eingeführt, aber dieses bewundernswerthe. Ertragen der heftigsten Schmerzen, ivelches dem neuen Bundesmitglied gestatte, sofort an der S'sudo Theil zu nehmen, das sei ihm noch nicht vorgekommen. Er -hp^Mcebet ass> Ausdruckseiner- AnerkStlVärUg'i'llbtttrügen. -^ Glücklicher Weise fru'g er aber erst leise deßhalb bei dem Rabbiner an und dieser entschied, daß er bei dem gegenwärtigen erregten Zustande Josefs davon absiehen solle. In Wirklichkeit hatte der Rabbiner aber nur deshalb abgerathen. weil Josef noch nichts von dem Tischgebete wußte, weil er es nicht einmal aus einem Buche hatte vortragen rönnen; er kannte ja noch nicht die Buchstaben der heiligen Schrift. Aber schon am folgenden Tage begann Rabbi Elimelech seinen neuen Zögling selber zu unterrichten. Josef schrieb sich zu jedem neuen Buchstaben den entsprechenden deutsckien. zog sich dann auf sein Zimmer zurück und kam nach wenigen Stunden wieder zu seinem Lehrer um ihm geläufig eine beliebige Seite aus dem Siddur vorzulesen. Nun zeigte ihm der Rabbi das tägliche Gebet am Morgen, Mittag und Abend, lehrte ihn die Berochos (die Segenssprüche), die beim Genießen und beim Ueben von Mizwos zu sprechen sind, fing die Thora mit ihm zu lernen an und führte ihn in das praktische jüdische Pflichtleben ein, das in diesem Hause in einer so vollendet hehren Weise gelebt wurde, wie an wenigen Orten sonst. Der Jüngling legte eine Schärfe des Geistes, eine Leichtigkeit'der Auffassung, eine Treue des Gedächtnisses an den Tag, die selbst den hochbegabten greisen Lehrer von Tag zu Tag mehr überraschte. Noch mehr aber als durch alle diese Vorzüge, zeichnete sich Josef durch einen eisernen Fleiß aus, der Tag und Nacht darauf bedacht war, .das sechzehn Jahre lang Versäumte so rasch als möglich nachzuholen. Sein ganzes Thun und Lassen, sein Lernen und Beten, sein Essen und sein Fasten war von einer innigen, aufrichtigen Frömmigkeit und Gottesfurcht getragen, die unwillkürlich die Aufmerksamkeit seiner ganzen Umgebung auf ihn lenkte. Diese hatte keine Ahnung von der vollständigen Unwissenheit in allen jüdischen Fächern, mit der er in das Haus des Rabbiners eingetreten war. Da außer dem Rabbiner sich Niemand mit dem Unterricht Josefs befaßte, erfuhr es auch Niemand. Nach einem halben Jahre konnte Rabbi Elimelech mit Josef schon Mischna und ein viertel Jahr später Gemoro an fangen. Als Josef den ersten Masechta-Traktat zu Ende gelernt hatte, fragte ihn der Rabbi beim Simm-Mahlr, ob er irgend einen Wunsch habe, den er ihm erfüllen tönne; so solle er ihn ohne Zaudern aussprechen. ..Ich habe einen großen Wunsch, theuerer Rabbi: Wenn ich im Lernen so weit bin, daß ich an den Vorträgen der Jeschiba Theil nehmen kann, dann möchte ich auch Schritte thun, um meine Eltern wieder zu- * finden.- «Das ist ein sehr berechtigter Wunsch, und es ist schön von Dir. daß Du ihn zurückstellst bis Dudje - Thorakenntniß Deiner Altersgenossen.;hast.--- jetzt ein Jahr hier, wenn Du noch ein Jahr in der^bisv hengen Weise weiterlernst, dann hast Du dieses Ziel . erreicht. — Ich brauche Dir nicht zu sagen, daß ich