Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 74-75 (14.9.1904)
- Date
- 1904-09-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1665 Deinen Wunsch betreffs Deiner Eltern aus ganzer Seele theile. Aber je mebr dies der Fall ist, desto mehr dränge ich ihn zurück; und ich rathe Dir es ebenso zu machen. Zur rechten Zeit werdet Ihr sicher wieder Zusammenkommen, aber drängen läßt sich die Zeit nicht. Wer die Zeit drängt, sagen die Weisen, den drängt die Zeit. Das was sie — gesegnet sei ihr Andenken — non unserer nationalen Erlösung sagen, daß sie erst kommt, wenn man den Gedanken an sie ganz aufaegebcn hat, das gilt auch von der Erlösung aus jeder Sorge. Also, wenn Du willst, darfst Du nach einem Jahre alle Schritte thun, die Du zur Auffindung Deiner Eltern für gut hältst, obwohl es meine Ansicht ist. daß Du rascher und sicherer zum Ziele gelangst, wenn Du die Erfüllung dieses Wunsches vollständig Gott anheim stellst." „Wenn der Rabbi nichts zu thun für das Beste in dieser Sache halt, so füge ich mich selbstverständlich gern dieser besseren Einsicht; zumal auch mit Rücksicht auf die Rackforschungen meiner Pflege-Eltern die Be schränkung auf das Haus des Rabbi geboten erscheint." „Diese Befürchtung." entgegnete der Rabbi, „würde mich heute weniger beunruhigen. Ich glaube, wenn der G^raf jetzt hier einträte oder wenn Du Dich auf dem Schlosse blicken ließest, er würde Dich nicht wieder erkennen. Du hast das gräfliche Schloß als bartloser Jüngling verlassen, heute siehst Du mit Deinem Vollbart, Deinen Schläfelocken, dein langen Rock und dem schwarzen Käppchen wie ein ganz anderer Mann aus. Auch Josef Hazzadik hatten seine Brüder nicht wieder erkannt, weil, wie Raschi nach dem Midrasch bemerkt, sie ihn nur als bartlosen Jüngling gesehen hatten, während er bei dem Wiedersehen in vollem Bartwuchs vor ihnen stand. — Sii unbesörgt, was Du zur Erfüllung Deines Lebenwunsches thun kannst, ist die Vervollkommnung in dem hier begonnenen Leben. Das Andere stelle getrost unserem himmlischen Later anheim, er wird die Wünsche Deines Herzens zu>n Guten erfüllen." XVI. ' . Es waren noch nicht zwei volle Jahre seit dem Eintritt Josefs in das Haus des Rabbi verstrichen, als ihn dieser für genügend vorgebildet erklärte, um nun die Jeschiba mit den anderen thorabeflissenen Jünglingen besuchen zu können. Man kannte Josef in der ganzen Gemeinde als einen jungen Mann, der erst vor wenigen Jahren in den Bund Abrahams ausgenommen lvnrde, man wußte auch von der Sorgfalt, welche der Rabbi auf die Erziehung und Ausbildung Josefs verwendet und hielt ihn deshalb für einen Nachkommen berühmter Ahnen. Aber, wenn man auch alles hinter dem jungen Mann gesucht hätte, für einen besonderen Kenner des Talmud konnte ihn niemand Halten. — Wie war man daher erstaunt über die Tiefe der Auffassung, die Scharfe des Geistes und die- . Schlagfertigkcit in der Diskussion, die Josef tagtäglich in dem gemeinsamen, öffentlichen Studium bekundete! Josefs Ruhm drang hinein in die ganze Gemeinde, ja wert über dieselbe hinaus. Als Josef vier Jahre im Hause des Rabbi verbracht hatte, hielt ihn bie[et* nach Schluß der Purim-Mahlzeit allein bei sich zuriicf und crösfnete ihm folgendes: . „Du bist vor vier Tagen in's einundzwanzigste Lebensjahr getreten; es ist hohe Zeit, daß Du heiraihest. Es würde auch nicht an glänzenden Gelegenheiten fehlen. Dick zu verheirathrn. Aber wenti ein angesehener. reicher Mann Dich als Schwiegersohn begehrt, so möchte er Näheres über Deine Herkunft^ Dein: Eltern und Deine ganze Vergangenheit wissen.' Wenn die Leute nun hören, daß Du Deine Ettern selber nicht kennst, daß ich sie nicht tenne und Niemand etwas von ihnen weiß, so werden sie stutzig und wollen einer Verbindung nicht näher treten. Teßhalb. halte ich es für gut, wenn Du zu meinem Bruder Rabbi Sisi gehst und bei ihm weiter lernst. Ich gebe Dir einen Brief an ihn mit. in dem ich Dich ihm empfehle und. ihm besonders an's Herz lege, daß er sich nach einer passenden Parthie für Dich umsteht. Was Deine H:rkurift. Vergangenheit und alles sonst Wissenswertste betrifft, so soll sich mein Bruder nur auf mich berufen. Das wird vollkommen genügen, .um etwaige Bedenken wegen Deiner Abstammung zu beseitigen und ich werde im Falle einer Anfrage auch in diesem Sinne Auskunft geben. Bist Du damit einverstanden?"' Joseph hätte gerne gesagt, er wolle erst * seine Eltern aufsuchen und womöglich auffinden, bevor er sich durch eine Herrath binde, aber da er wußte, daß seinem Rathgeber diele Erwägungen so geläufig waren, als ihm selber, so fügte er sich schweigend der besseren Einsicht des Rabbi und sagte: „Tie Rathschläge des ' Rabbi bedürfen meiner Gutheißung nickt. So sckwer ich mich auch von dem Hause des Rabbi trenne, das mich in Wahrheit zum Juden gemacht hat. wenn es der Rabbi so für. besser halt, so werde ich diesen Rath dankbar befosgen. ZZann soll ich reisen?" „Wenn man einen Plan einmal als richtig er-, kannt bat. so soll man seine Ausführung nicht ohne Ursache verzögern. Es ist keine Brocho an allem, was man aufschiebt. Reise noch diese Woche; wenn Du willst, schon morgen. Ich war übrigens Deiner Züstimmung so sicher, daß ich den Brief an meinen Bruder bereits geschrieben habe; -hier ist er. Dann.-gebe ich Dir zum Andenken an die Jahre, die Du hiH'tjerlebt. eine schöne, neue Zvbelmütze. die sollst DüänJomtof und bei besonders festlichen Anlässen tragen. Außerdem gebe ick ick Dir selber in. das Futter der Zobetmühe 'rinnähen, damit sie Dir nicht verloren geht. ^Sollte'sichlbälb eine passende Heirath für Dich finden, oder sollte es auch