Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 74-75 (14.9.1904)
- Date
- 1904-09-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Kattowitz, 12. Sept. In dem benachbarten Sosnowice (Ruffisch-Polen) kam es am gestrigen Reujohrstage zu Judenkrawallen. Bei der Ceremonic des Taschlich an einem fließenden Wasser bewarfen Burschen die Juden mit Steinen und als die Juden sich wehrten, wurde ein Kind leicht verletzt, was das Gerücht hervorrief, die Juden hätten ein Kind getötet. Arbeitertrupps durchzogen Abends die Straßen, zertrümmerten die Scheiben jüdischer Wohnhäuser und der Synagoge. Mehrere Juden wurden durch Steine und Messer verletzt. Die Aerzte fürchteten sich vor dem Pöbel, den Verletzten zu helfen. Zehn Excedenten wurden verhaftet. Hestdorf, in Unterfrankcn. Im patriarchalisch:n Alter von 88 Jahren verstarb h'.er am p-OT re der »out über die Grenzen seines Heimathortes hinaus bekannte Joseph Weigersheimer "» nn. Die hohe Achtung, die er seiner wahren Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Gottesfurcht wegen genoß, zeigte sich so recht bei der rmd des Verstorbenen s. A. Der größte Theil der Gemeindemitglieder begleitete die Lciche nach dein fast drei Stunden entfernten dt» h'b in Pfaffenhausen bei Hammelburg, ivo Herr Lehrer Anfänger in längerer Rede die hohen Tugenden des Verstorbenen s. A. schilderte. Möge sein Andenken unter uns fortdauern zum Segen, p'i2 irt nnab * M. Oesterreich. Tobrisch. Gin Fest wahrster na» bv rmsv feierte unsere Gemeinde a»n 28. v. M. Dank der rührigen Thätigkeit unseres geschätzten Rabbiners. Sr. Ehrtv. Herr Dr. S. W. Link und der Opferfreudigkeit der Gemeindemitglieder ist der Bau einer herrlichen Synagoge entstanden, der der ganzen Stadt zur Zierde gereicht. Am genannten Tage wurde nun dieser Teinpel unter Betheiligung der ganzen Betvohnerschaft von Dobrisck und Umgebung feierlichst eingeweiht. Knapp vor %2 Uhr ertönten Musikklänge, unter denen die Veteranen Dobrisch's anmarschirten und fast gleichzeitig kündeten »nächtige Fanfaren der Rergkcpelle au? Pribrain, daß die Thorarollen aus ihrem langjährigen Verwabrnngsraume dem neuen zugeführt werden.. Ter Zug gipfelte in der wunderbaren new, die von zionistischen Studenten getragen wurde. Unter ihr trugen die Herren Oberkantor Guttmann aus Wien, Dr. Link-Dobrisck. Dr. Deutsch und Dr. Weiner aus Prag die prachtvoll geschmückten rrr,n nee. Ihnen folgten die k. k. Behörden, die benachbarten Kultus Vorstände, denen sich eine unübersehbare Menschenmenge anschloß. Vor. dem Tempel begrüßte Rabbiner Dr. L i n k - Dobrisch in böhmischer Sprache die Festgäste. worauf Frl. Erna B o n d y dem Vertreter der Regierung den*' Schlüssel der Synagoge übergab. Nachdem Herr Dr. Link vor versaminelter Menge ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser ausbrachte, intonirte die Bergkapelle die Kaiserhymne. Im Tempel exekutirte der Männerchor der Klauss»)nagoge unter der Leitung des Herrn Adolf Frank mit gewohnter Präcision das Sulzer'sche ewig schöne 1212 no und assistirte seinem alten Meister Bela Guttmann aus Wien. Seine schöne, weiche, biegsame Daritonstimme, seine stattliche Gestalt, gepaart mit hoher Würde brachten Stirninung in das überfüllte, schöne Gotteshaus. Nachdcin Sr. Ehrlo. Herr Dr. Deutsch das tmi nz angezündet und in schöner, zu Herzen gehender Rede das Symbol desselbenerklärte, bestieg Ehrwürden Dr. Link die Kanzel zur Festpredigt. In schwungvoller Sprache beleu'chtete er die Worte von bian wonach mp inip pnr in unp enax uitbimD apr ira. Ziel und Z»oeck des Gotteshauses sei, nämlich, als Tiwn roa „Haus der Samrnlung", als wa „Haus der Andacht" und als »nen wa „Haus der Lehre". Näher auf den Inhalt der gehaltvollen Rede einzngehen, erscheint uns überflüssig, da die Kultusgemeinde die Rede schon nächstens im Druck erscheinen läßt.- ' Rach dem Umzuge der Thorarollen und dem Einheben derselben, »vobei Guttmann in künstlerisch vollendeter Form das nvw jvuai zum Vortrag brachte, ergriff Dr. Weiner das Wort u»n in böhmischer Sprache über die Bedeutung des Tages zu sprechen. Er feierte in schöner edler Sprache Herrn Rabbiner Dr. Link als die Seele des Tempelbaues, der keine Mühe scheute, den Bau zu Stande zu bringen und dessen' segensreiches Wirken in der Gemeinde ein COT prrp sei. Der einzige Mißton in der Feststimmung sei derjenige. daß Dr. Link die Stätte, wo er so verehrt, ja geliebt ward, zum größten Leidwesen der Gemeinde verläßt, um nach Pilsen zu gehen. Mit dem Kaisergebet schloß die schöne Rede, »vorauf dann von der Festversamknlnng die Kaiserhymne gesungen wurde. Rabbiner Dr. Link und seine Gemeinde können mit Stolz und Genugthnung auf das von ihnen geschaffene Denkmal der Gottesverehrung zurückblicken. Dr. Max Gach. Rußland. Petersburg, 11. Sept. Zn den Ruhestörungen, ioelche am 4. und 5. Sept. in Smjela, Gouvernement Kiew, sich ereigneten, wird der Ruff. Telegr.-Agentur aus Kiew gemeldet: Ein israelit. Ladenbesitzer hatte' eine Bauersfrau rnißhandelt, weil er sie im Verdacht hatte, daß sie Tuch gestohlen hatte. Die Volksmenge rottete sich darauf zusammen und plünderten und ver- »vüssete 100 Häuser und 150 Läden, die Israeliten gehörten. Am 4. Sept. Abends fing eine Gruppe von 60 Israeliten eine Schlägerei mit Christen an.' Als