Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1904)
- Date
- 1904-11-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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20U0 ist es geschäftliche Konkurrenz, die zu einem Äufgeben des jüdisch-gesetzlichen Sonderlebens verführen will, hier phantasirt man von Assimilation und daraus refultirender Menschenverbrudetung, bei diesem ist es die falsche Scham, bei jenem vielleicht die blasse Furcht, die den Esauskutz wünschenswerth erscheinen lassen könnte, in allen diesen Fällen möge des Ahnen Verhalten uns Vorbild sein wz rw* hwj Gewiß, wir Juden als Juden sind stets und gerne bereit, mit unseren Menschrnbrüdern gemeinsam zu schassen und zu wirken zum allgemeinen Wohl, liegt doch darin unsere irdische Bestimmung, aber 'zs1? das vermögen wir eben nur, wenn wir fest und unbeirrt auf dem Jakobswege verharren, nur in treuestem Festhalten an unserem Gesetze, unserer Lehre, unserem Glauben, vermögen wir unserer Menschheitsaufgabe gerecht zu werden, jeder Schritt von diesem Pfade entfremdet uns unserem Ziele. Was Jahrhunderte der Verfolgung und Anfeindung. des Druckes und der bitteren Noth nicht vermochten, es sollte der Lockung und Verführung gelingen? Was Lebensgefahr und Exil nicht erreichen konnten, das sollte ein Kuß fertig bringen? Doppelt müssen wir wachsam und gewappnet sein; schütze mich Gott vor meinen sog. Freunden, sagte jener alte Kämpe, vor nieinen Feinden will ich mich selbst schützen; und time Danaos et dona f. Tentes warnte schon der greise Laokoon seine Landsleute. Darum, wenn mit Hintergedanken dir Esau naht, o Jakobsenkel, und wenn er dich küssen will rv bzz so* dann möge es auch von dir gesagt werden können tixei Bnvz nrw Synagogeneinweihung. Sobernheim. 14. Nov. Der 11. und 12. November waren hohe Festtage für die hiesige Gemeinde, galt es doch an diesen Tagen; die erweiterte und verschönerte Synagoge einzuweihen. Zu den Feierlichkeiten waren viele Gäste von hier und von auswärts eingeladen und erschienen. Der am Freitag Nachmittag abgehaltene Weihegottesdienst, an dem u. A. auch dir Bürgermeister, das Stadtverordneten - Kollegium, der Kgl? Kreisschulinspektor, der Direktor der hiesigen Realschule sowie die Vertreter der Schulverbände tbeilnahmen. wurde eröffnet durch die vom Svnagogenchor vorgetragene Motette: ..Gesegnet sei. wer da kommt im Namen des Herrn." Hierauf verlas der Lehrer der Gemeinde, Herr Berendt. mit erhebend ausdrucksvoller Stimme Psalm 110. Nachdem der Chsr alsdann mn no gesungen, trug die älteste Tochter des Vorstandsmitgliedes Herrn Michel in mustergiltiger Weise einen Prolog vor und überreichte dem Gemeindevorsitzenden. Herrn M. M a r u m, den Schlüssel zur heiligen Lade. Dieser hielt eine Ansprache und dankte in kurzen, aber herzlichen Worten allen Denen, die zur Ausführung des Baues beigetragen haben. Darauf öffnete Herr M a r u m die heilige Lade und ubergad sie dem zeremoniellen Gebrauche. Während der Chor $22 vn sang, entnahm das Vorstandsmitglied, Herr Lob. eine der Thorarollen und übergab sie Herrn Berendt. welcher mit feierlicher Stimme folgende sprach: „And dies ist die Lehre, welche Moses den Kindern Israels vorgelegt, und in dieser Lehre steht da-, Wort, welches Israel auf seiner langen Wanderung durch die Geschichte als Banner gedient, um welches es sich geschaart, das Wort, welches sein Leitstern war in frenndlick-en und in trüben Tagen: Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige, ist einzig." — Nachdem Chor und Gemeinde die letzten Worte in hebräischer Sprache wiederholt hatten, wurde die Thorarolle unter geeignetem Chorgesang in die heilige Lade gestellt. Tief ergreifend und ernst durchdacht war die hierauf folgende Festpredigt des Hern» Berendt über das Wort des Propheten Jesaias: bzb xnp’ r6an rrz 'irc a*cyn „Mein Hans soll sein ein Bethaus und rin Haus für alle Volker." Nach der bierauf von ihm vorgenommenen Weihe und der Verlesung des allgemeinen Bittgebets wurde sodann der aronitische Segen in hebräischer und deutscher Sprache ertheikt und vom Chore der Meihgesang vorgetragen. Der Festgottesdienst hinterließ, bei allen Theilnehmern ersichtlich einen der Würde der Feier voll entsprechenden .Eindruck. . Nach einer kurzen Pause fand rzv rrsp statt, wobei ebenso wie am Nachmittag unser prächtiges Gotteshaus in herrlichem elektrischem Lichterglanze erstrahlte. Am Samstag Vormittag fand ein Hauptgottesdienst statt, mit welchem die religiöse Feier abschloß. Nachmittags 4 Uhr begann im Saale der „hohen Burg" ein Bankett. In schönster Weise verlief auch diese Veranstaltung, sodaß das Fest sich zu einem harmonischen Ganzen gestaltete. welches seinen Arrangeuren Ehre machte und bei allen Theilnehmern eine dauernde Erinnerung bilden wird. An der Ausschmückung des Gotteshauses haben sich ein besonderes Verdienst erworben: Frau Jakob Kaufmann geb. van. Geldern, die durch Sammlung bei den Frauen die Anschaffung eines großartigen rr® ermöglichte; Herr Fredinand Herz, der eine kostbare Schulckmndecke stiftete; Frau Else Jakobi geb. Marum von Grünstadt und Herr B. Steinberg aus Aachen, welche je ein reichgeziertes Thoramantelchen schenkten. Die Familie Jakob Marum aus Karlsruhe gab einen seltenen Teppich, der das Innere des Gotteshauses ziert. Der Krawall-Prozetz. H o m e l. 16. Nov. Bezeichnend für die Stimmung. die im Gerichtssaal fortwährend herrschte, ist folgende kurze Zusammenstellung derjenigen Punkte, die die Bertheidiger in ihren Anfragen an die Zeugen