Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1904)
- Date
- 1904-11-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. zu 93 des „Israelit Wenn Esau küßt. Betrachtung zum Abschnitte r6sn von Leopold Anfänger—M emmelsdürf. lart vnpB^ vnxnt bv btt irpirm uunpb wp j*Vi (1. B. M. 33, 4.) Das Wiederzusammentreffen der Leiden Brüder Jakob und Esau, die so lange Jahre getrennt von einander lebten, die nun aber doch wieder in nähere Berührung treten sollten, schildert uns die heil. Schrift mit den Worten: „Und Efau lief ihm entgegen und umarmte ihn, warf sich an seinen Hals und küßte ihn und sie weinten." — Lange Jahre hatte die Trennung gewährt, lange Jahre hindurch hatte Jakob unsäglich viel zu leiden von seines stärkeren Bruders Feindschaft und Uebelwollen, glaubte doch dieser, ein Recht zum Zürnen zu haben, in jenem den gefährlichen Gegner sehen zu sollen; nun führt sie ein höherer Wille wieder zusammen und hingerissen von momentaner Gefühlserregung scheint bei Esau alle Feindschaft ausgelöscht zu sein, wirst er sich Jakob an den Hals, umarmt und küßt ihn unter Thränen. Da stehen nun merkwürdiger Weise auf den sechs Buchstaben des Wörtchens npv* sechs schwarze Punkte, die gewiß nicht ohne Bedeutung sein können und thatsächlich auch die verschiedenartigsten Erklärungen gefunden haben. Eine solche sei hier besonders hervorgehoben, die auch für unsere Zeit noch reichliche Nutzanwendung bietet. wb b-3 «di Esau habe den Jakob geküßt, meinen unsere Weisen, aber nicht mit ganzem, aufrichtigem Herzen, vielleicht mit gar manchen Hintergedanken und die Folge war bei Jakob nw ruwt ntrw sein Nacken wurde bei diesem Kusse, bei dieser Umhalsung kalt, starr und steif wie Marmor, das Herausfühlen jener Nebenabsichten machte auck ihn kühl und zurückhaltend. Und so lehnte er denn auch in höflicher, aber bestimmter Form all die verschiedenen, verlockenden Anerbieten Esaus auf nunmehriges. roeiteres Zusammenleben. Zusammenwandern. Zusammenwirken ab; nicht soll Esau mit ihm, nicht will er mit Esau gleichen Schritt halten, nicht sollen Esaus Mannen als solche bei ihm ausgestellt werden *v«b ndnonx, will Jakob sein Ziel ermichen, so muh er sich in seinem stillen Gange weiterführen, bis endlich doch die Vereinigung erfolgen wird auf. dem „Jakobswege", während Esa« einstweilen noch/ >3t6 „seines Weges" zieht. Wie treffend sind diese erklärenden Schilderungen für unsere jüngst verflossene und gegenwärtige Zeit. Jahrhunderte hindurch hatte die Entfremdung zwischen den anderen Völkern und Israel gewährt. Verfohzt, angefeindet, bedrängt, hatte Israel, wo es auch war, in der „Fremde" getveilt. hatte man ihm falsche Anschuldigungen zugeschleudert, hatte man es zu vernichten gesucht, bis endlich eine höhere Macht, die Macht der fortschreitenden Kultur und Gesittung, wieder eine Annäherung herbeiführte, bis endlich die nichtjüdische Welt auch im Juden wieder den Menschenbruder erblicken zu sollen glaubte, ihm entgegen ging, ihn umarmte und küßte, aber immerhin 12b b» «bi TU& robxi nÄv, nrwz Laßt uns zusammen von nun an wandern und wirken, lasset fallen alle trennenden Schranken, so ertönte auch uns die Stimme der nichtjüdischen Welt entgegen. Wir wollen es dankbar und offen Zugestehen, daß in gar vielen Fällen dieser Ruf wirtlich von Herzen kam. dürfen aber nicht verkennen. daß auch gar oft Qb bsr «b> das Herz des Rufers nicht frei von Hintergedanlen war, ja, daß gerade die seit dem Beginn der Judenemanzipationsbestrebungen fortschreitende Zeit mehr und mehr solche Annäherungen rotaaxfr gebracht und herbeigeführt hat. und noch fortwährend zeitigt. Heil dir dann, b«ie" wenn auch bei dir das vrvs rmx rmi sich bewahrheitet, wenn du fest und stark, wie Marmorstein, auf dem dir voraezeichneten Jakobswege zu beharren, den Verlockrlngen des rtt*s«i nras zu widerstehen vermagst. Und wie zahlreich sind solche Verlockungen. Da ist ein junger, jüdischer Mann, der mit allen geistigen Vorzügen ansgestattet. gerne seinem Vaterlande in diesem oder jenem Amte dienen möchte, dem aber, wie einmal ein geistreicher Mann sagte, schon am achten Tage seines Daseins die Karriere abgeschnitten wurde. nyw gehe doch zusammen mit uns, tönt die Verlockung. nur eine Kleinigkeit ist's, was dir noth thut, ein Trövflein Wasser nur und Aemter und Ehrenstellen stehen dir offen, trtn rarx mm O. möge dann, mkin Glaubensbruder, das jüdische Ppv n»p in bestem Sinne sich bei dir bewähren, mögest du fest und unerschutterlich an deinem Glauben, an deinem Jakobspfade festhalten, als Sieger dich zeigen gegenüber jeder Lockung. Doch wer könnte alle die Möglichkeiten aufzählen, die in diese Kategorie gehören! Da ist ein verrosteter, arischer Wappenschild, der mit jüdischem Golde neu aufgefrischt werden soll, der zu einer Verbindung lockt, von der die Einführung in die sog. besten-Kreise versprochen .und erhofft wird, als ob. unser Judenthum nicht selbst den ältesten und reinsten Adel darssellte, dort