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Der Israelit · 1904-11-24 · Heft 93 (24.11.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 93 (24.11.1904)
Date
1904-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1995 ein Braunschweigisches Landeskomitee mit dem Recht der Cooptation gebildet, dem vorläufig die Herren Felix Herzfeld. Meyersfeld. B. Mielziner, Landrabbmer Dr. Rülf, Dr. I. Landauer. Juflizrath Dr. M agnus.F. Spanier- Herford in Braunschweig- und die Herren Prof. Tachau und Oberlehrer Grätz in Wolfenbüttel, angehören. Nordamerika- oder Cunardlinie. Tilsit, 18. Rov. Vor einigen Wochen wurde die Rachricht verbreitet, daß im Gegensatz zu der bisherigen Praxis unserer Behörden russischen Auswanderern gegenüber auch daun keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden sollten, wenn sie nichtdeutsche Schifffahrtslinien zur Ueberfahrt nach Amerika benutzen wollen. Ein Strafprozeß, der sich gegen drei russische Deserteure Und einen deutschen Reichsangehörigen richtete und vor einigen Tagen vor dem hiesigen Schöffengerichte verhandelt wurde, bewies jedoch, daß Russen Deutschland nicht ungehindert vassiren können, wenn sie nach England wollen. Es waren angeklagt die russischen Militärpflichtigen Schneider Joseph Mattultes. Arbeiter Libowski. Besitzersohn Joseph Masselautzki und der deutsche Reichsanaehöriae Kommis P. H. aus Memel. Den Russen wurde zur Last gelegt, das deutsche Reichsgebiet, nämlich den Regierungsbezirk Gumbinnen, ohne Pässe betreten und den Versuch unternommen zu haben. Deutschland zu durchfahren, ohne eine der von der Nordamerika-Linie errichteten Kontrollstation vassiert zu haben. Am 27. Oktober wurden die Russen aus dem hiesigen Bahnhof verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. In ihrer Begleitung befand sich der Mitangeklagte H.. der beschuldigt wurde, den Russen Beihilfe bei ihrem Vorgehen geleistet zu haben. Die Russen gaben an. daß sie nach England und nicht nach Amerika wollten. H. behauptete, daß er den Russen, da er selbst nach Königsberg fuhr, nur behilflich sein wollte, um sie nach England zu bringen. Das Schöffengericht verurtbeilte die Russen zu ie 10 Mk. Geldstrafe und H. zu 20 Mk.. und zwar wegen Uebertretung zweier Volizeiverordnungen von 1808 und 1904." Der Vertheidiaer des Angeklagten H.. Herr Rechtsanwalt Dr. Ehrlich, batte gegen die Polizeiverordnungen den Ein wand erhoben, daß sie rechtsnngiltig seien, da sie gegen die Landesgesetze verstoßen. Eine Begründung des Urtheils wurde.vom Vorsitzenden des Schöffengerichtes nicht gegeben Die Nremdenemlgratto» in ftari*. Die Einwanderung ausländischer Juden nimmt hier von Tag zu Tag immer größere Umfänge. Rach Tausenden kann man die Menge derer zahlen, die. um Leib und Seele zu retten, nach Paris mit der Hoffnung kommen, an den Ufern der Seine irgend eine Beschäftigung zu finden. Leider wird diese Hoffnung gar oft bitter enttäuscht. Die Konkurrenz ist hier unendlich groß und der Kampf ums Dasein wird immer strenger und unerbittlicher. Das Elend ist einfach unbeschreiblich. Viele sind hier mit Weib und Kind, andere haben ihre Familie ganz ohne Mittel in ihrem fernen, ungastlichen Vaterland gelassen. Vor einiger 3eii habe ich darüber mit einem hiesigen französisch-jüdischen Rechtsanwalt gesprochen, der ein sehr urteilsfähiger Mensch ist und in seiner Eigenschaft als Mitglied des hiesischen jüdischen Wohlthätigkeitskomitees die Frage zu kennen scheint. Der betreffende Herr hat mir ungefähr folgendes erklärt: „Es ist uns beim besten Willen materiell unmöglich, allen den Einwandcren. deren Lage höhst bedauernswerth und mitleiderregend ist. was wir selbstverständlich voll und ganz allerkennen, in nennenswerther Weise zu Hilfe zu kommen. Die diesen jüdischen Einwanderern zu gänglichen Erwerbszweige stnd überfüllt. Die völlige Unkenntmß des Französischen macht die Situation noch bedeutend schwieriger. Unsere Auswanderer begehen also einen großen Fehler und setzen sich und ihre Familie den größten Gefahren aus. wenn sie .alle durchaus uach Paris gehen. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika gehen sie alle nach Newhork, in Frankreich geben sie alle uach Paris, wo für ne kein Schaffensboden mehr ist. Warum vernachlässigen sie vollkommen die Industrie Mittelpunkte der Provinz, wo sie viel leichter und linier günstiaeren Bedingungen Arbeit und Besckiäftia'.ma linden können? Ein ganz ausgezeichnete? Tbätigkeitsfeld für frische, schaffensfreudiae Kräfte bilden onch die französischen Kolonien, sowobl in Algier als auch in Tunis gibt es für Willensstärke Menschen noch reichlich Matz." Ich kann mich diesen Worten nur anschließen. Die einzige Industrie, d'e in den Händen der indischen Einwanderer ist. ist die Mutz.- und Huiindllstrie. die schon lange überfüllt ist. Und da die Konkurrenz unaeheuer groß ist. beuten die jüdischen Arbeitgeber, ihre jüdischen Arbeitnehmer in recht unsanfter Weise <nj§. Die meisten jedoch haben nicht einmal das Glück ausgebeutet zu werden, d:nn sie bleiben lanae. la-ge ganz obne Arbeit und sterben buchstäblich vor Hunger. D'e Proiuur und dle Kolonie, wo die Konkurrenz nicht ko aroß und die Lebenshaltung viel billiger ist, bieten viel leichter und sicherer die Möglichkeit. sich und seine Familie ein'urjchten. Dies muß össentlich gesagt und kann nicht ost genug wiederholt werden? Pi. Rede de- Präsidenten Roofevelt. Washington, 18. Rov. Der Rede, rvelche Präsident Roosevelt bei Gelegenheit der Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Großen hielt, entnehmen wir folgenden. Passus: Der Zug unter den

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