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Der Israelit · 1904-11-24 · Heft 93 (24.11.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 93 (24.11.1904)
Date
1904-11-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1994 Männern anvertrauen könne, welche ihre Bildung an \ dieser Anstalt genossen und von ihr die Autorisation zum Rabbinate nmn mi erhalten haben. Die Antwort, auf diese Frage lautet auf Grund der bereits aus diesem Gutachten citirten Stellen: „Nach allem obigen ist es demnach klar, daß das Breslauer Seminar sich nicht im Einklang mit den Grundsätzen des gesetzestreuen Judenthums befindet. daß daher aufrichtig orthodox-jüdische Gemeinden sich nicht darauf verlassen können, daß die dort gebildeten und mit njrnn mnn bekleideten Männer mit ihren religiösen Anschauungen und Grundsätzen auf dem Boden des orthodoxen Judenthums stehen, daß sie vielmehr das Gegentheil vorauszusetzen berechtigt, und zur Wahrung ihrer und ihrer Kinder Gewissenstreue gegen Gott und sein heiliges Gesetz vorauszusehen verpflichtet sind." Dieselbe Frage wurde auch an die Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer und Dr. Lehmann gerichtet. — Das Gutachten des ersteren vom 2. Jjar 6639 verneint die Frage, ob ein gesetzestreuer Israelit bei der Anstellung von Zöglingen der Breslauer Schule in seiner Gemeinde fein Gewissen beruhigen könne und zwar in Erwägung: daß bei weitem die meisten derselben, vielleicht alle, manche Vorschriften unserer Weisen wiedivdv na: nbnp p ono ,p*e>a übertreten; daß, wie die Erfahrung lehrte, dieselben selbst in den neuerungssüchtigen Gemeinden Stellen annehmen, und um des sogenannten „lieben Friedens" willen die Aenderungen der geheiligsten Anordnungen und Reformen geschehen lassen, eine Erscheinung, die ihren Erklärungsgrund darin findet, daß der auch noch jetzt in jener Anstalt lehrende Begründer seiner ..historischen" Schule, wie aus dessen Schritten sattsam bekannt, nicht nur die mündliche, sondern auch die schriftliche Ueberlieferung vom Kriterium subjektiver Beurtheilung in Abhängigkeit bringt." Die Dr. Lehinann' sche Entscheidung lautet kurz: 1. Die vorzüglichste Ausgabe des Rabbiners besteht in der Entscheidung casuistischer und ritueller Anfragen gemäß der in Thora, Talmud, Decisoren und Codices niedergelegten Lehren. Grundsätzen und Verhaltungsregeln; 2. da einzelne am Breslauer Seminar funairende Lehrer einen gegen die oben erwähnten Lehren. Grundsätze und Verhaltungsregeln oppositionellen Standpunkt einnehmen; 3. da die meisten aus dem Breslauer Seminar hervorgegangene Rabbiner viele rabbinische Verbote in. Bezug auf Speise und Trank und die Feier des Sabbats öffentlich und grundsätzlich übertreten; 4. so ergibt sich aus allemdem, daß kein gesetzestreuer Israelit dazu beitragen darf, daß ein Schüler des Breslauer Rabbiner-Seminars in einer Gemeinde als Rabbiner angestellt werde. (Schluß folgt.) Wissenschaft und Glaude. Frankfurt, 21. Nov. Karl Weigerts Tod hat nachträglich in der medizinischen Fachpresse einen Disput veranlaßt. Die Biographen des verdienstvollen Gelehrten waren um die für die deutsche Wissenschaft so beschämende Thatsache, daß nach seines Lehrers Cohnheim Tode für einen der hervorragendsten Pathologen seiner Zeit kein akademischer Wirkungskreis sich fand, mehr oder minder scheu herumgegangen, obgleich der wahre Grund hierfür, die Konfessionalität Weigerts. die er nicht ändern wollte, unter den Fachgenossen eine längst bekannte Thatsache ist. Darob von einem Kenner der Vorgänge, die sich damals hinter den Kulissen abspielten, zur Rede gestellt, macht Prof. Lubarsch, einer der Biographen Weigerts, zur Entschuldigung des damaligen Verhaltens der Leipziger Fakultät geltend, daß „es in Sachsen, ebenso wie in Mecklenburg und Vrannschweig ausgeschlossen war und noch ist. die Anstellung eines Juden zum besoldeten Staatsbeamten durchzusetzen; in Mecklenburg wie auch in Braunschweia theilen die Katholiken dieses Schicksal." „Deswegen", so fährt Lubarsch fort, „waren auch die Versuche von Ernst Leberecht Wagner (seiner Zeit ein sehr bekannter Kritiker). der beim König mehr galt als die gesammte Leipziger Fakultät, durch persönliche Vorstellungen für Weigert etwas zu erreichen, erfolglos." Propagandaversammlung. Braun schweig. Am Dienstag, den 16. Nov.. fand hier im Schrader'schen Hotel eine Propaganda- Versammlung für den „Hilfsverein der Deutschen Juden" statt. Dieselbe war von Braunschweig sowohl, tvie von den Landgemeinden, insbesondere von Wolfenbüttel, überaus zahlreich besucht. Den einleitenden Vortrag über die Geschichte und Entwickelung des Hilfsvereins hielt der Präsident desselben, Herr James Simon aus Berlin, während der zweite Vorsitzende des Hilfsvereins. Herr Dr. Paul Nathan- Berlin, über Bestrebungen und Ausgaben des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" eia eingehendes Referat erstattete. Die Versammlung war mit den Ausführungen der Redner durchaus einverstanden und bewies ihre Sympathien für die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins durch zahlreiche Beitrittserklärungen nebst Zerchnungen. deren Resultat als ein glanzendes beschnei werden kann. Behufs weiterer Propaganda wurde

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