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Der Israelit · 1904-11-24 · Heft 93 (24.11.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 93 (24.11.1904)
Date
1904-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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isss *.Und nun möchte ich mir eine Frage erlauben. Herr Frankel war Rabbiner in Dresden, ist jetzt Direktor eines Seminars, dessen Zöglinge unter seiner Leitung die Rabbinatsstudien machen sollen, deren Augenmerk und Ziel die Tüchtigkeit in Kenntniß der für die rabbinische Praxis sanktionirten Codices, Schulchan Aruck, ist. die alle bestimmt sind, einmal Rabbiner und Lehrer des Gesetzes zu werden, nachdem sie die Rabbinatsautorisation erlangt haben werden. Da nun Herr Frankel leugnet, daß die Erklärungen der Thora vom Sinai von Gott stammen, wir aber als Bekenner des traditionellen Judenthums uns zu dem Satze des Maimonides bekennen, demzufolge derjenige, dem dieser Grundsatz erschüttert ist, damit aus der jüdischen Gesammrheit getreten ist und das jüdische Grundprinzip verleugnet hat; da eine andere ausdrückliche Gesetzesbestimmung eristirt (in Jora Deah. C. 119. § 7, einem Codex, dessen Inhalt jedem Rabbiner und Geseheslehrer in Israel zur Norm der Entscheidung dient), daß, wer an die Worte der Rabbinen nicht glaubt, ebensowenig religiöses Vertrauen wie ein Götzendiener und öffentlicher Sabbatschänder beanspruchen darf: demgemäß, wenn z. B. der Verfasser dieser Hodogetik ein Schochet und Booek sein wollte, kein gewissenhafter Jude ihn als solchen annehmen, noch sich aus seine Handlungen und Erklärungen in der Schechita und Bedika verlassen, noch nach den Vorschriften des Schulchan Aruch bei ihm speisen dürfte; wie soll man sich nun auf die Zeugnisse und Rabbinatsautorisation verlassen dürfen, die er einst den Zöglingen seines Seminars ertheilen wird? Wenn es der Meister ist, der seine Schüler mit den «bösen Wassern" tränkt und ihre Ansichten in Betreff der ersten Grundprinzipien des Religionsgesetzes verdirbt. was soll man von den Jüngern erwarten, die ihren Geist an seinen Lehren gebildet? Wenn der Leiter und Halter strauchelte, wie soll nicht der Geleitete und Gehaltene fallen? Ich bedauere Euch, Ihr Söhne meines Volkes, bedauere Euere Eltern und Freunde! Man schickt Euch in diese Anstalt in dem Vertrauen, daß Ihr dort zu Gesetzeslehrern in Israel herangebildet loerdet, und Ihr kehrt zu Eueren Eltern heim voller Irrlehren und Grundsätzen der Neologie, wenn Ihr eben treue Schüler Eueres Euch irreführenden Lehrers Frankel gewesen." (Jeschurun, Jahrg. VH, S. 210 ss.) In demselben Sinne ist das Verdikt gehalten, welches anläßlich des genannten Frankel'schen Werkes der Landesrabbiner Dr. B. H. A u e r b a ch über den Leiter dieses Seminars und über die daselbst heranzubildenden Rabbiner fällte — Der Titel der betreffenden Sckrist lautet: «Beleuchtung des Werkes „Darke Hamischnah", von Dr. B. H. Auerbach, Frankfurt a. 1881. Die in ihren Schriften gelehrten Irrlehren ber Herren Dr. Frankel und Grätz präcisirte das bereits erwähnte Gutachten von Samson Raphael Hirsch s. A. dahin: Daß nach den Schriften des 'Herrn Dr. Frankel Gott vom Sinai dem Moses nichts mehr als das schriftliche Gesetz, die fünf Bücher Moses, übergeben habe, alles andere aber lediglich durch menschliche Erklärung dieses Gesetzes, oder durch von dieser Erklärung unabhängige, menschliche Gedankenthatigkcit entstanden sei. „Es ist dies," wie das Gutachten erläuternd fortfährt, „die vollständige Leugnung des göttlichen Ursprungs der mündlichen Lehre der re bvzv nun und ist hiernach alles, was unsere Chachomim uns im Talmud' als ebenso wie das schriftliche von Gott gegebenes mündliches Gesetz, nv bvzv min überliefert haben, nichts als Menschenwerk." Das Gutachten verweist auf die Stellen des „Jeschurun", wo sowohl diese als die Dr. Grätschen Jrrthümer ihre Beleuchtung und Widerlegung gefunden und rrsumirt die letzteren dahin: „Daß Herr Dr. Grätz' in seiner „Geschichte der Juden" die Lehrer der Mischna und ihre Lehre nicht nur in einer höchst unwissenschaftlichen, der urkundlichen Wahrheit völlig widersprechenden Weise behandelt und ihre Lehren nicht auf die Thatsachen des von ihnen empfangenen und überlieferten Gesetzes, sondern auf persönliche Anlagen, Neigungen, politische Klugheitsrücksichten u. s. w. zurückführt, sondern, daß überhaupt nach dieser seiner Geschichte unsere Chachomim nicht die Empfänger und Ueberlieferer nach dem 121 ':rv mm b-p rw0, sondern die Schöpfer der mündlichen Lehre, ns bvzv nim waren, daß insbesondere die |ro wru nimw rmo die Regeln, nach welchen die Schrift in ihren Beziehungen zu dem mündlich Ueberlieferten erforscht wird, nicht wie uns die Chachomim lehren vvv nicht vom Sinai, nicht ebenso wie die schriftliche und mündliche Lehre gleichzeitig von Gott an Moses übergeben, sondern menschliche Erfindung sind."*) Dieses Gutachten war als Antwort aus eine Anfrage gelegentlich einer Rabbinerwahl erfolgt. Die Fragesteller ersuchten um eine Aeußerung über die religiöse Richtung des Breslauer Rabbinerseminars und namentlich darüber, ob eine dem alten überlieferten gesetzestreuen Judenthum treu anhängende Gemeinde beruhigt die Leitung ihrer religiösen Angelegenheiten *) Zur Zeit der Veröffentlichung dieses Gutachtens woreu längst die Grätz'schen Schriften erschienen, in welchen derselbe so mm C'sm auch hinsichtlich der 2.1:2s n*vn leugnet. ES ist nun ungemein charakteristisch für Hirschs Denkweise, dah er diesen Punkt vollständig »anorirt. Für ihn erfährt die Grätz'lche Leugnung der Göttlichkeit der mm keine Steigerung, daß sie lich auch aus 2.1:2» mm erstreckt, für ihn war sie vollendet, al» sie mit 72sn begonnen hatte. Dieses Schwelgen zeugt vielleicht noch de» rcdtec für die Art vnd Weise wie Hirsch von der Göttlichkeit der r"x2S7> durchdrlingen war. als das glänzende Plaidoyer, mit dem er ihren Leugnern entgegentritt.

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