Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 72-73 (8.9.1904)
- Date
- 1904-09-08
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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das Chederthum gewoben hat. dem Siegeszug des Fortschritts soll er mit verbundenen Augen zu sehen! — Nun, es mag auch solche Käuze geben, die daran ihre Freude hätten. — aber, ließen sich aus den. angeführten Erscheinungen nicht auch andere Schlüsse ziehen? Schlüffe, die den Lehrer immerhin freuen, ihm Gcnugthuung bereiten tonnten und in Folge der ihnen zu Grunde liegenden Thatsachen sich wohl als Ausgangspunkte zu größeren Aktionen zur Hebung aller Standesintercssen verwenden ließen? Ist doch die Erscheinung, daß so viel und von so vielen über Lehrer und Schule gesprochen wird, ein Beweis dafür, daß man in weiten Kreisen über die Bedeutung und Wichtigkeit der Lehrerarbeit nicht mehr im Zweifel ist! Wo sich ein Schaden zeigt, wo ein Fehler zu verbessern ist, — man requirirt den Lehrer, die Schule, hier erwartet, erhofft, verlangt man Hilfe, sieht man das Heil der Zukunft. Nun ist es ja wohl unmöglich, daß Lehrer und Schule alles leisten können, was man so von ihnen wünscht, aber jedenfalls dürste gerade durch diese starke Inanspruchnahme der Lehrerstand allmählich ein mehr und mehr geachteter und beachteter Faktor in unserem Volksleben werden. Und wenn heutzutage neben den dazu Berechtigten auch so und so viele Unberechtigte über Schule und Lehrer sich auslaffen, sollten wir uns darüber auftegen? Ueber welche Faktoren des öffentlichen Lebens fallen sie nickt her, die politischen Kannengießer und Allerweltsbesserwiffer? Und findet sich hier und dort auch nur ein Körnchen Wahrheit in langatmigen Expektorationen, müssen wir nicht stets gerne und dankbar das Gute nehmen, wo wir es finden? Warum also den Beleidigten spielen, warum nicht in den gerügten Erscheinungen ein erfreuliches Zeugniß erhöhten, allgemeinen Interesses an Schule und Lehrerstand erblicken? Doch dürfte hier auch noch eine weitere Anregung am Platze sein. Jene Auslassungen, das sei zugegeben, erscheinen oft an ungeeigneter Stelle. Auch den Ausführungen des Herrn Dr. Cahn wäre vielleicht ein geeigneterer Platz vortbeilhafter gewesen, als eben eine Rabbinerversammlung. Wo aber, fragen wir, hätte er damit in die Oesfentlichkeit treten können? Eine Tagung des Verbandes hätte ihm sicher nicht das Wort ertheili. eine Veröffentlichung im Verbandsorgan wäre wohl auch kaum erfolgt, hat man doch schon die Arbeiten^ des Herrn Gut nicht gebracht! Als „Wanderredner" von Verein zu Verein zu ziehen, kann man wohl auch niemanden zumuthen, welcher Ausweg bleibt? Nun denn, similia sirailibus! Es müßte auch für die orthodoxen Lehrer und Lehrervereine ein offizielles Organ geschaffen werden. Nun dürste allerdings eine selbstständige Zeitung eine von vornherein nickt lebenskräftige Gründung sein; es könnte sich nur um eine regelmäßig erscheinende Beilage zu einer anerkannt orthodoxen, dabei angesehenen und verbreiteten jüdischen Zeitung handeln und da käme in erster Linie der „Israelit" in Frage. Mit seiner pädagogische» Beilage hat der „Israelit" die Grundlage schon geschaffen. so daß es sich nur um Wetter- und Ausbau handelt. Wir haben im Reiche eine hübsche Anzahl ausgesprochen orthodoxer Lehrervereine, an der Spitze der bayerische mit über 170 Lehrermitgliedern, dann der unabhängige Verein in Hessen, der Jeschurun u. s. w. Orthodoxe Einzelmilglieder finden sich wahrscheinlich in allen Vereinen. Ohne daß gerade eine feste Organisation geschaffen zu werden brauchte, wäre durch ein solches Organ mit einem Schlage Zusammenschluß und Einigkeit angebahnt. Das betreffende Beiblatt müßte natürlich völlig selbstständig durch einen geeigneten, tüchtigen, gesinnungs- und glaubenstreue» Lehrer redigirt werden, der sowohl auf dem Gebiete der Religionsschule als der jüdischen Volksschule die nöthige Erfahrung hat und dem etwa aus jedem der Einzelvereine die Vertrauensmänner zur Beurtheilung von territorialen Spezialfällen an die Hand gehen könnten. Wenn diese Beilage zunächst einmal wöchentlich in der Starke eines halben Bogens erschiene, so wiirden dem Verlage nickt sehr bedeutende Kosten für Honorirung des Redakteurs und der Berichterstatter oder Mitarbeiter erwachsen und diese Auslagen würden sich sicher rentiren, denn es wäre sodann Pflicht jedes Gesinnungs- und Standesgenossen für Verbreitung des Blattes und Erböhung des demselben zugewendete» Interesses zu sorgen. Jedenfalls dürste die Anregung Werth sein, einen Versuch nach dieser Richtung zu wagen, bezw. mit den in Frage kommenden Vereine» Fühlung zu gewinnen. Wenn es nun in dem beregten Artikel des Verbandsorgans weiter heißt: „Wir wollen vor allem selbstständig fein ohne inquisitorische Bevormundung. Wir streben danach, unserem Stande, den eigene Glaubensgenossen oftmals noch sehr gering schätzen eine solch ehrenvolle Stellung zu verschaffen, die er verdient. Und daß dies seither nicht immer der Fall war, ist wiederum ein Beweis, daß wir in neue Bahnen einlenken müssen. Die Achtung vor unserer Person muß die Achtung vor unserem Stande erzeugen, und dies erreichen wir nur, wenn man zu uns als dem allgemein gebildeten Mann aufblicken kann" — so möchte ich. ohne zunächst aus die Unklarheit der Ausdruckswerse des ganzen Passus naher einzugehen, mir nur die Frage erlauben, ob lnan etwa glauben und glauben mache» will, daß durch das Fortbildungsstudium der Werke eines Wellhausen. Geiger, Maybaum etc. dies Strebe» verwirklicht, dies Ziel erreicht wird? Gewiß, wir Lehrer, nicht nur „wir Zungen Lehrer", wie der Herr Autor meint, „wir Lehrer im Allgemeine» sind es, die in den weltentlegensten Dörfern und Dörfchen die Stutzen des Judenthums bilden; um uns konzentrirt sich das jüdische Gemeindewesen, wir erziehen