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Der Israelit · 1904-09-08 · Heft 72-73 (8.9.1904) · page 37

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 72-73 (8.9.1904)
Date
1904-09-08
Page
– (sequence 37)
Language
German
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1556 die Jugend zu den Trägern des Judenthums. Darum > genießt hier der Lehrer, insofern er seine Pflicht erfiillt, ein gewisses Ansehen." Hier also liegt der Schwerpunkt; die gewissenhafte Pflichterfüllung ist's, die den Lehrer hochstellt. Und wenn hie und da Fehler gegen uns verbrochen werden, wenn selbst Angriffe j kommen von Männern, „welchen der biedere, weltent- , legene Jude vor Ehrerbietung die Schuhe küssen möchte" — an den pflichtgetreuen Lehrer reichen ste nicht heran. Gewiß ist es besser, wenn Verhältnisse interner Natur auch diskret und intern behandelt werden, aber — wer hätte noch keine Fehler gemacht? Und darf man Einzelfälle gleich verallgemeinern? Uebrigens würde die Schaffung eines orthodoxen Vereinsorgans auch hier manche Ptißstände beseitigen helfen. Wenn nun der junge Kollege am Ende der Darlegung dessen, was er sich bei dem Streite denkt, den Wunsch ausspricht, daß sich „diese Zuneigung etwas mehr den Seminarien zuwende", damit hier die Brücke zwischen Wissenschaft und Glaube hergestellt werde, so befindet er sich gewissermaßen in Widerspruch mit früher angeführten Aeußerungen. Doch in gewissem Sinne stimmen wir ihm zu: Heilige Pflicht aller betheiligten Faktoren, heilige Pflicht aller einflußreichen Persönlichkeiten ist es, daraufhin zu arbeiten, daß unsere jüdischen Seminarien unablässig.nach Verbesserung streben. Da genügt allerdings nicht der gute Wille, die beste Absicht, da handelt es sich um Kennen und Können. Die beste Organisation, die besten Lehrkräfte, die besten Lehrmittel und Einrichtungen sind anzustreben. Wir dürfen es, ohne unbescheiden zu sein, offen aussprechen, wir haben im jüdischen Lehrerstand ein genügendes Maß von Intelligenz, Wissen und Lehrgeschick. wir hätten es eigentlich nicht nöthig, nichtjüdische Fachlehrer anzustellen oder gar, wie dies gegenwärtig ein Stellenausschreiben zeigt, auch nichtjüdische Kräfte zur Konkurrenz um eine ordentliche Seminarlehrerstellc an einem jüdischen Seminar aufzufordern; das sind Momente, die dem Ansehen des Lehrerstandes mehr schaden, als die Fehlgriffe dieses oder jenes Rabbiners, denn um diese Herren dreht sich doch — seien wir offen — des ganzen Artikels Inhalt. Nicht Kampf und Streit. Einigkeit und Einheit sei die Parole! Damit möchte ich für heute schließen! Nicht polemischen Motiven sind meine Worte entsprungen, sie möchten vielmehr ausklärend, versöhnend Wirker», sie wollen aussprechen „was wir älteren Lehrer unS dabei denken". Ein süddeutscher Lehrer. In der ernsten Zeit der Vorbereitung auf die heilig-ernsten Feste, die wir mit cmij vw' bezeichnen, vernehmen wir im Gebet so manch ernstes Mahnwort zur Selbstprüfung an unser Ohr schlagen, daß nur ein verstocktes Gemüth bei diesem Rufe unempfindlich bleiben kann. Würden wir die Handlungen unserer Mitmenschen mit demselben Maßstabr messen, den wir an unser eigen Thun legen, so würde weniger Groll und mehr Friede zu verzeichnen sein. Wir sind entrüstet, tief gekränkt, ja zuweilen unversöhnlich, wenn man es wagt, uns dazu noch vor der breiten Oeffentlichkeit eines Fehlers zu zeihen, und vergessen nur zu leicht und zu gern, daß wir gar oft uns zu Sittenrichtern über andere machen. Es ist eine menschliche Schwache, die süße Lüge lieber zu hören, als die bittere Wahrheit. Sagt doch der Weiseste aller Weisen im 27. Kapitel seiner Proverbien: .122m row mjfice 7i27»« Der Vater des berühmten Rabbi David Kimichi, genannt Rdak, legt dem Verse, entgegen der üblichen Uebersetzung: „Offene Ermahnung ist besser als' heimliche Liebe" die sinnige Deutung bei, daß ein offenes Mahnwort gut und heilbringend fei. er Dsßvßeil. wenn es dem Quell verborgener Liebe entspringt. Wo Liebe und Treue das Herz erfüllen, da ist es selbstverständlich, daß ein Mahnruf über die Lippen dringt, wenn falsche Wege eingeschlagen werden. So ist der Mahnruf des Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn in Fulda nichts anders, als das Produkt frommer Denkungsart und wohlwollender Gesinnung gegen die, Lehrer, die auf dem Boden des überlieferten Juden- * thums stehen. Wahrlich, nur Verkennung des Wirken- und Strcbens dieses gottbegeisterten Kämpfers für unsere heilige Thora ist es, wenn ihm eine lehrerfeindliche Gesinnung imputirt wird. Sein Herz schlagt warm ' für seine Lehrer, die er geistig und materiell zu fördern - bestrebt ist. Herr Dr. Cahn ist keines Menschen Feind. Sein lauterer Charakter, seine über alles Lob erhabene Frömmigkeit, feine stete Hilfsbereitschaft zur Lin-, derung der Roth, sein muthiges Eintreten für alles Hohe und Jedale ist weit über die Grenzen seines Wirkungskreises bekannt und anerkannt. Wenn Herr Dr. Cahn vor dem Anschluß an den Lehrerverband warnt,, so hat er nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Er sieht in dem Exposee des Herrn Dr. Gutmann eine

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