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Der Israelit · 1904-09-08 · Heft 72-73 (8.9.1904) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 72-73 (8.9.1904)
Date
1904-09-08
Page
– (sequence 28)
Language
German
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1546 unterscheidet und ich habe Ne dazu verwendet, Bösrede. Lug und Trug, unlauteres Geschwätz zu führen. Du hast mir Hände geschaffen, damit ich Deine Gebote damit erfülle, und ich habe sie gebraucht, um Schlechtes zu schaffen und sie gegen meine Nebenmenschen zu erheben.* Und die bösen Engel stimmen ein furchtbares Webegeschrei an und fletschen ihre Zähne, und schwingen ihre Schwerter wider mich, sodaß ich voll Angst zurückbebe. Und die Stimme aus dem Throne l>ebt wieder an und fragt: „Hast Du nichts zu berichten. Engel des Guten?* Und der Engel weist auf ein leeres Blatt in seinem Buche und wendet sich bekümmert um, und alle guten Engel thuen es mit ihm. Da tritt aus ihrer Menge einer hervor und tritt vor mich hin, und stößt in die Posaune einen geraden, immer höher werdenden Ton und ruft mit donnernder Stimme, so daß alle Säulen des Himmelsraumes erbeben und alle bösen Engel erbeben und zurüäfliehen: Umkehr. Gebet und Gerechtigkeit wenden das Böse des Verhängnisses ab!! Du willst nicht, daß der Todeswürdigr sterbe, sondern, daß er umkehre und lebe! — Wahr ist es. Du bist ihr Bildner und kennst ihre Schwächen, daß sie aus Fleisch und Blut sind. Sein Ursprung ist Staub und sein Ende Staub. Er gleicht einer zertrümmerten Scherbe, vertrocknetem Grase, verwelkter Blume, verwehendem Hauche, verfliegendem Staube, und wie ein Traum fleucht er dahin? Aber Du, König. Gott, ewiglebend und dauernd!! Keine Grenze gibt's für Deine Jahre und kein Ende der Dauer Deiner Tage, keine Zahl für die Träger Deiner Herrlichkeit, nicht zu enthüllen ist das Geheimniß Deines Namens. Die Bewohner der Weltenhöhen mit denen der Erdentieien vereint rufey mit dreifacher Heiligung im Heiligthum: Heilig! Heilig! Heilig! ist der Herr der Heerschaaren. dessen Herrlichkeit das Weltall füllt!! Und der Saphirthron erglänzt und erstrahlt noch heller und schöner und es ruft mit unvergleichlicher göttlicher, erbarmungsvoller Stimme aus seiner Mitte: „Gnade! Gnade! Gnade! dem Reuigen, Umkehrenden, sich Besserndem Und ein Engel tritt auch mich zu und richtet mich auf und die übrigen guten Engel stürzen auf die thiergleichen, gräßlichen Gestalten und verjagen sie und ein furchtbarer Donnerschlag geschieht und-ich erwache und liege schweißgebadet neben meinem Bette, ich war herausgefallen. An meinem Arme aber zerrt es. und von der Straße tönt es herauf:. „Ausstehen! es ist Zeit zu Selichoth!!* P i n ch o s. Wer DufrmßmetÄg. Skizze ans der „Loelina de Rothschild School" in Jerusalem. Von Sara Bondi aus Mainz. „Jerusalem mit deinen lichten Nächten und deinen finstern Tagen.* Nur der, der längere Zeit in der heiligen Stadt geweilt hat und einen Einblick gewinnen konnte in das Leben der hiesigen Bevölkerung, kann diesen Ausspruch eines berühmten Mannes begreifen. Um auch Fernwohnenden einen kleinen Begriff hiesiger Verhältnisse zu geben, dazu möge folgende kleine Schilderung dienen, die uns aus Jerusalem zugeht: Vor dem stillen großen Gebäude der Evelina de Rothschild School herrscht heute großes Gedränge. Ein buntes Gewimmel füllt den Garten, Frauen und Mädchen, lachende und weinende Kinder stehen schiebend und stoßend, schreiend und schwätzend.' gestikulirend oder ruhig wartend vor der Thüre. Was wollen alle diese Leute? Erwarten sie Geld oder Brod für den hungrigen Magen? Denn hungrig sehen gar viele von ihnen aus, Entbehrung und Armuth liegt ihnen auf den müden Gesichtern geschrieben, blickt ihnen aus den hohlen Augen. Und doch sind sie nicht gekommen, •v- .* : - . -■ . um Geld oder Speise zu empfangen, sie sind da, um für ihre Kinder eine gute Erziehung zu erlangen, ihnen eine Geistesbildung angedeihcn zu lassen, damit sie einst der leiblichen Nahrung nicht zu ermangeln brauchen. Und jetzt stehen sie alle da und warten, bis die Thüre sich öffnet, um sie einzulassen. Ganz vorne steht ein bleiches, schmales Mädchen. Eltern besitzt sie nicht mehr, und sie wohnt allein mit ihrer alten Großmutter, die kaum noch Kraft genug hat. für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können. Wenn die Kleine in der Schule ist, wird gar manchen Tag kein Brod mehr im Hause sein, aber dennoch möchte sie gar zu gerne in die Schule. Was bietet diesen armen Kindern auch ihr Heim? Dunkle, dumpfe, enge Stuben sind es meistens, wo sie verkümmern müssen und in der Schule haben sie Luft und Licht und — Unterricht. Und die meisten von ihnen sind so wiffensdurstig und intelligent, daß man hier so recht ernsieht, wie nichts dem Juden, mag er sich in noch so schlechten Verhältnissen befinden, seinen Bildungshunger rauben kann. Dicht hinter dem kleinen Mädchen steht eine noch junge und hübsche, aber

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