Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 72-73 (8.9.1904)
- Date
- 1904-09-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Am Freitag, den 26. August, dem eigentlichen Einweihungstage, versammelte sich die hiesige Kultusgemeinde um 1% Uhr Nachmittags in ihrem alten Betlokale, um zum letzten Male von hier aus ihre Gebete zum Himmel emporzusenden. Die Abschiedsrede, welche Herr Rabb. Dr. Wachenheim er während dieses Gottesdienstes hielt, war in warmem und wehmüthig-sreudigem Tone gehalten. — Nach Schluß des Gottesdienstes wurden dann die Thorarollen unter Aufsicht des Rabbiners ihrem Berwahrungsorte entnommen, um zusammen mit den übrigen heiligen Ge räthen in's neue Gotteshaus überbracht zu werden. Vor dem Portale der neuen Synagoge hielt der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Herr S. Moritz, die Festrede. Hierauf trug das Töchtcrchcn des Herrn Moritz bei der Schlüsselüberreichung an den Herrn Bezirksamtmann Heintz einen Prolog vor. Herr Bezirksamtmann Heintz dankte für die ihm erwiesene Ehre in herzlichen Worten. Herr Distrittsrabbiner Dr. Wachenheimer empfing sodann den Schlüssel aus den Händen des Herrn Bezirksamtmanns und öffnete unter den Klängen der Musikkapelle und dem Donner von Böllerschüssen die Pforte des Gotteshauses. Der Einweihungsgottesdienst, der nun begann, zeigte schöne Leistungen des Kantors und Lehrers, Herrn Rosenbaum, sowie des von ihm ausgebildeten Synagogenchores. Den eigentlichen Glanzpunkt des Wcihegottesdienstes bildete die Festpredigt des Herrn Distriktsrabbiners Dr. Wachenheimer, die über eine Stunde währte. Er sprach den zahlreichen Spendern, welche sich um das Gotteshaus verdient gemacht haben, den Dank im Namen der Religion aus und erörterte dann in formvollendeter und ausführlicher Weise die Bestimmung des Gotteshauses, anknllpfend an die Bezeichnung desselben als Bet hakneset: Haus der Versammlung. — Ein Schlußchor bildete den schönen Abschluß der erhebenden Feier. Am Samstag, den 27., Morgens 9 Uhr, fand noch ein offizieller Festgottesdienst statt, bei dem ein jeder einzelne der anwesenden Herren zur Thora gerufen wurde. Auch bei diesem Gottesdienste erbaute Herr Tistriktsrabbiner. Dr. Wachenheimer die zahlreichen Andächtigen wieder mit einer glanzvollen Predigt. Alle übrigen Festlichkeiten waren dem Vergnügen gewidmet und auch sie nahmen alle den denkbar schönsten Verlauf. Die Reihe wurde eröffnet durch den am Freitag Abend 8'/. Uhr abgehaltenen Festkommas. Hier hielt der Vorsitzende des Festausschusses, Herr W. Grünstein, eine Begrüßungsrede, welche in einem begeistert aufgenommenen Hoch cuf unseren Landesherrn endete. Herr Lehrer Rosenbaum gab sodann eine ausführliche Entstehungsgeschichte der neuen Synagoge, in tvelcher er besonderdes frühern hiesigen Religionslehrers, Herrn Maffenbacher und des verstorbenen Herrn E. Mosbacher gedachte. zweier Herren, die sich um die Gründung des Synagogcnbouvereins die größten Verdienste erworben haben. Herr Magistratsrath Ed. S ch w a a b gratulirte als Vertreter des Herrn Bürgermeisters im Namen der Stadt Miltenberg der israelitischen Kultussgelueinde zu ihrem großen Erfolge und gab unter reichem Beifall der Hoffnung Ausdruck, daß der schöne konfessionelle Friede, wie er in unserem Heimathstädtchen herrscht, stets aufrecht erhalten bleiben möge. Die israelitische Kultusgemeinde in Aschaffenburg hatte in .Herrn Rechtsanwalt Schottenfels einen eigenen Delegirten gesandt und ließ durch ihn schone Worte der Beglückwünschung und über die schwesterliche Nachbarschaft aussprechen. Herr Mayer Selig dankte im Namen der Kultusgemeinde den staatlichen und städtischen Behörden. Wie der offizielle Theil des Programms ohne jede Störung verlief, so herrschte auch dank des vorzüglichen Arrangements des tüchtigen Festkomitees während der verschiedenen Vergnügungen die schönste Ordnung und Harmonie und wir müssen wiederholen, daß' das Fest, auf das wir nun zurückblicken, in allen seinen Thcilen ein wohlgelungenes und seines Anlasses voll würdiges war. Schweiz. Bases, 6. Sept. Vom 39. August bis 2. September tagte in Basel der „Internationale religionsgeschichtliche Eongreß", der für den orthodoxen Juden wenig Interessantes bot. Denn wenn von einem Redner die Entstehung des Buches Kohelet in das erste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung (!!) gesetzt, über die Möglichkeit eines inneren Zusammenhangs in den drei ersten Kapiteln der Genesis lebhaft disputirt und eingehend die Frage erörtert wurde, wann die fünf Bücher Moses „redigirt" worden sind, so hat das für den gläubigen Juden wenig Interesse, der nzier» peno rxbv ist, daß rvapn uns durch Moses die Thora gegeben. Herzerfreulich aber war es, daß einer der Theilnehmcr am Kongreß, Herr Dr. Em. Rosenb a u m. der in Paris als praktischer Arzt lebt, dieser seiner jüdisch-orthodoxen Ueberzeugung Ausdruck gab, die auch durch die Diskussion am Kongreß nicht erschüttert worden sei. Es gehört ein gewisser Muth dazu, solche „naiven" Anschauungen in dieser Umgebung auszusprechen. Am Donnerstag, den 1. Sept., Vormittags 11 Uhr. hielt Herr Dr. Rosenbaum in der semitischen Sektion des Kongresses einen Vortrag über „die Topographie des heiligen Tempels in Jerusalem zur Zeit des Herodes". Der Vortrag fand den ungethcilten Beifall der Fachgenosscn. Einige kritische Bemerkungen des Dr. R e i n a ch aus Paris, lvußte her.