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Der Israelit · 1904-09-08 · Heft 72-73 (8.9.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 72-73 (8.9.1904)
Date
1904-09-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Iahrgaag. rke Arik, zu M 72 & 73 dss „ZsraM". Die Wrihk örr nkiirn Synagoge in der Abah-Jisroel-Gemkinök;u Berlin. Der hellenische Philosoph. OinamaoS von Gedara, ein freund R. MeirS, sah schon vor zwei Jahrtausenden in den Synagogen die unbezwingbare Burg, welche der indischen Weisheit, dem hellenischen Schönheitssinn. der römischen.Kriegskunst Widerstand leisten kann. Dank den Synagogen hat das Judenthum die Stürme und Blutbäder aller Zeiten und Völker überdauert. Dir Synagoge gehört zu den ältesten Institutionen des Judenthums — und ist so alt lvie das Judenthum selbst. Kein Wunder daher, daß die Reformer zu allererst die Synagoge verändern und nach ihrem Geschmaeke eingerichtet wissen wollten. Die äussere und innere Einrichtung jeder Synagoge zeigt uns zugleich die Frömmigkeit der Besucher und Beter. Verwundert sahen die Denker Griechenlands die betenden Juden in den schmucklosen, kleinen Sälen, wo aber die Andacht aus dem Innersten des Beters kam. Die Neichen verliessen ihren Besitz, hohe Würdenträger ihre Acmter, um nur die Anhänger dieser Gemeinschaft zu werden, welche einen solchen Seelenadel seinen Mitgliedern verleihen kann! Ein Fest in Israel ist daher auch in unseren Togen jede Synagogenweihe. Die kleine Schaar der gesetzestreuen Juden Berlins feierte am ersten Selichothtage ein erhebendes Fest. Ein monumentales Werk wurde mit dieser Synagoge vollendet. Einen Löwenantheil daran hat das verstorbene Mitglied. Israel Kessler s. A., der sich durch seine Schenkungen (ca. 400.000 Mk.) ein elviges Denkmal in der Geschichte der Berliner Adass-Jsrael Gemeinde errichtet hat. Wenig? werden es wissen, welchen Antheil Prof. Dr. A. Berliner an dem Zustandekommen dieses herrlichen Baues hat. Der weit über di? Gauen Deutschlands bekannte Gelehrte, der fleißige Forscher, in diesen Wochen soll die zweite Auflage seines Raschiwerkes erscheinen, der geliebte Lehrer sucht sich die Zeit die Angelegenheiten der Gemeinde zu leiten und 311 führen. Die einstigen Träger der Nagidwllrde kommen uns in den Sinn, die nicht nur die Bearbeiter des heiligen Schriftthums waren, sondern auch Zeit und Kraft hattet nn-rrr nrx 2^2 p'cyS! Die neuerbaute Synagoge macht beim Eintritt einen mächtigen Eindruck! Sie umfasst ca. 450 Männer- und ca. 350 Frauenplätze, sie hat zwei Stockwerke. Das Mittelschiff hat eine Kuppel; die heilige , Lade, enpn piK ist gleichfalls von einer Kuppel überdacht. Im selben Hause befinden sich die Bureau- und Sitzungsräume der Gemeinde. Ein besonderes Gebäude ist für das Rabbinerseminar eingerichtet, welches in drei Stockwerken sechs Hörsäle und einen grossen Bibliotheksaal enthält, deren innere und äußere Ausstattung angemessen h«rgestellt wird, um die umfangreiche — beiläufig gesagt die erste in ihrer Art, es dürfte kaum ein zweites Institut geben, das über 50 und 40 T'i -ne den Hörern zur Verfügung stellen könnte — entsprechend einrichten und nach Fächern ordnen zu können. Hier kann nicht unerwähnt bleiben, das Verdienst des Verwalters derselben, Prof. Berliners, der mit unbeschreiblichem Eifer und Liebe diese grosse und schwere Arbeit leitet. Die Synagoge macht einen mächtigen Eindruck auf jeden Besucher derselben. Sie ist ganz modern eingerichtet. elektr. Licht. Dampfheizung.' doch Almemor in der Mitte, Frauengitter — in der Anlage ohne gleichen — mit Draht. Diese Synagoge muss Freude in jenen Kreisen, erregen, welche offiziell sich nicht anschliessen können oder wollen, doch im Prinzipc, in der Liebe zum Judenthume die gleichen Bahnen schreiten; ja sogar den Gegnern muss es Achtung und Lob einflössen! Hat doch die grosse Gemeinde Berlins bis jetzt nur eine ru.yv— eine der wichtigsten Institutionen - gehabt und jetzt pachtet sie die alte mpo der Adass Jsrcel. Hier sei auch dieser Institution erwähnt, welche sich ebenfalls im neuen Hause befindet und mit der allergrößten Eleganz, luxuriösausgestattet ist. (In einer jeden der sechs Zellen befindet sich eine nipc.) Im Hause befinden sich auch Schulräume,, damit mehrere Klassen auch an schulfreien Tagen Unterricht erhalten können. Die Festlichkeiten begannen bereits am mit dein Abschiede von der alten Synagoge! Schon beim Gebete und beim Thoravorlesen fühlte man es, d'e Gemeinde verlebt diesmal einen ganz besonderen Sabbat. Alles wollte in Thränen ausbrechen. Schwer wollte man sich von den heiligen Räumen trennen, wo man die c'rrnr er verlebt hatte, wo die Väter und die Mütter die heißesten Gebete für ihre geliebten Kinder sprachen: die Kinder ihre Dankbarkeit im Gebete ausdrückten. Ist doch die Synagoge der Ort, wo der Segen über die Neugeborenen gesprochen wird, wo die Neuvermählten im Bande der gegenseitigen Liebe vor Gott erscheinen, wo der zu Gott Heimgegangenen in Pietät gedacht wird. Wie könnte man so leicht von diesen Hallen Abschied nehmen! Tiefqerührt stand die ganze Versammlung da. als der Prediger Dr. M. Hildesheimer im Anschluß an die ersten Worte des Wochenabschnittes 02^2 cvn D'iit; irs die Lehre des Abschieds aus den alten Räumen und die P f l i ch -

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