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Der Israelit · 1904-09-08 · Heft 72-73 (8.9.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 72-73 (8.9.1904)
Date
1904-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1524 chronischen, Leiden suchen, sind trotz alledem die erzielten Heilerfolge überaus glückliche zu. nennen. Dies vortreffliche Ergebniß konnte aber nur durch die unermüdliche, angestrengte Thätigkeit des Arztes. Verwalters und Pflegepersonals und unter Anspannung aller verfügbaren Betriebsmittel erfolgen. Gegenüber diesen überaus günstigen Heilerfolgen ist es darum andererseits ein wahrhaft betrübender Gedanke. in Folge der immer noch so sehr beschränkten Subsistenzmittel, einer großen Menge Heilungsbedürftiger, — die überdies der Gefahr ausgesetzt sind, der Mission in die Hände zu fallen, — die ersehnte Gesundung. und unter Umständen die Errettung vom nahen Tode, versagen zu müssen, umsomehr als die Verpflegung weiterer Kranker, für welche genügend Raum vorhanden wäre, eine relativ weniger kostspielige sein würde. Es ergeht darum an alle edlen Menschenfreunde, an alle die, welche ein mitfühlendes Herz besitzen für die körperlichen Leiden und Seelenschmerzen der von schwerer Krankheit gepeinigten Mitbrüder, an alle, die sich des Genusses ihrer Lebensgüter in Gesundheit erfreuen, der Ruf, durch einmalige Spenden oder Jahresbeiträge das „Allgemeine Jüd. Krankenhaus Schaars Zedek" in Jerusalem in den Stand zu setzen, mehr und mehr den Kranken seine Räume zu öffnen und den Segen seiner Wirksamkeit immer weiter auszudchnen. Kranke zu heilen. Schmerzen zu lindern und Thränen zu trocknen, war zu allen Zeiten geheiligte jüdische Liebespflicht und reichbeglückcnd ist der Segen, der den edlen Wohlthätern aus der von ihnen ausgestreuten Liebessaat ersprießt.! oen mv'-v' nri oi’s bi brr bwen (Heil dem, derdem Herabgekommencn seine verständige Fürsorge zuwendet, am Tage des Unglückes wird ihn Gott erretten!) (Anmerkung der Redaktion. Adresse für Geldsendungen: Herr Emanuel Ettinghausen. Frankfurt a. M.. Zeil 35. Adresse für Briefsendungen: Herr Dr. Israel Roos. Frankfurt a. M.. Schöne Aussicht 5.) Feuilleton. ichtung. lSchlub. Von Friedrich Rott. t«o Händeringend rannte sie in den schönen weiten Räumen umher, überall einen Anhaltspunkt suchend, wo sie ihn finden könnte — umsonst. Sie schickte zu allen Kollegen, zu allen Freunden und Bekannten des Professors. — Niemand hatte ihn gesehen. iar« Plötzlich kam ihr eine Idee. Ob er nicht vielleicht zu seiner Mündel gereist war, nach der er pch ihrer Behauptung nach, so oft gesehnt? — Zuerst wollte sie telegraphisch aufragen — aber war sie denn sicher, daß die Antwort, die sie erhalten wurde, der Wahrheit entsprechen wurde? — Nein, nein, sie wollte sicher gehen, sie mußte die ihr Verhaßte persönlich aufsuchen. Aber sie kannte ihre gegenwärtige Adresse nicht, sie kannte nur die ihrer Schwiegereltern, bei denen sie bis zu ihrer Vermahlung gewohnt. — Aber auch diese glaubte sie nicht telegraphisch nach der Adresse ihres Sohnes fragen zu sollen. Sie entschloß sich daher, allerdings nicht zu dem kürzesten, aber doch zu dem, ihrer Ansicht nach, sichersten, sie wollte zuerst nach K . . . . fahren, um Frieda's Adresse zu erfahren, und dann zu ihr selbst. Frau Müller staunte nicht wenig, als ein Wagen vor ihrem Hofe hielt und sie die stolze, hochgeborene Frau Professor Keßler in demselben erkannte. Mit höflichem Gruß ging sie ihr entgegen. Aber der Stolz der Hochgeborenen schien geschwunden, in freundlichsten Worten ersuchte sie die Frau Verwalter um die Adresse ihrer Schwiegertochter, die sie zu besuchen wünsche. „Da muß icb bitten, sich hincin bemühen zu wollen." sagte Frau Müller, „unsere Kinder sind seit dem Neujahrsfeste hier, um dieses und den Versöhnungstag bei uns zu begehen. Bitte, wollen Sie sich sehen, ich werde Frieda rufen." Frieda war nicht weniger überrascht als ihre Schwiegermutter, denn auch ihr war die Frau ihres Vormundes stets stolz und schroff begegnet. Als sie sie jedoch jetzt mit bebender Stimme fragte, wann sie ihren Vormund zuletzt gesehen, und ob sie nicht wisse, wohin er sich dann gewandt, da blickte die junge Frau s« angstvoll an. Sie habe ihren Vormund seit ihrem Hochzeitstage nicht gesehen, habe seitdem auch keine Nachricht von ihm erhalten, ob denn die gnädige Frau nicht wisse, wohin er sich gewandt? Als diese verneinte und berichtete, daß Kcßler seit dem Abend des zweiten Oktobers spurlos verschwunden, da überzog Leichenbläffe Frieda's Angesicht. „Großer Gott, wenn ihm nur kein Unglück geschehen ist!" „Das ist's, was ich auch fürchte," sagte Steffi gepreßt. „es war meine lxtzte Hoffnung, daß ich hier etwas erfahren würde, denn an seinem Mündel hangt mein Mann mit mehr als väterlicher Zärtlichkeit - - aber wenn Sie auch nichts wissen — großer Gott! großer Gott! was fange ich an?" Händeringend sprang Steffi auf und rannte i« Zimmer umher. Dann umarmte sie die weinende junge Frau, grüßte die anderen und fuhr davon. Vierzehn Tage spater las man, in den meiste» Blättern, daß man die Leiche des seit ungefähr drei Wochen verreisten Professor Keßler im Hochgebirge stark verstümmelt gefunden habe. Die Gefichtszuge wären allerdings kaum kenntlich, doch die Figur, die Kleidung und eine io derselben gefundene Bisttkarte

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