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Der Israelit · 1904-09-08 · Heft 72-73 (8.9.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 72-73 (8.9.1904)
Date
1904-09-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Geldsendungen werden die armen Auswanderer oft j tage- und wochenlang in den Kontrollstationen und j Hafenstädten aufgehalten, wo sie ihren letzten Pfennig? verzehren und dann vollständig mittellos bleiben. Doppelt schwer wiegt die Unterlassungssünde dieser gewissenlosen Leute, wenn es sich um weiblicke Passagiere und noch dazu um alleinstehende junge Mädchen handelt, die durch das planlose Umherirren in den Straßen dem Laster und dem Elend geradezu in die Arme getrieben werden. Ich ermahne die betreffenden Agenten hierdurch auf's Nachdrücklichste, sich solcher Manipulationen zu enthalten, vielmehr sofort beim Empfang des eingezahlten Geldes es an die zuständige Adresse zu schicken, damit keine unnütze Verzögerung der Reise eintrete. Ich hoffe, daß diese Warnung von den betreffenden Agenten beherzigt wird und unterlasse es vorläufig deren Namen öffentlich zu nennen. Alle jüdischen Zeitungen des Zn- und Auslandes bitte ich diese Notiz zu veröffentlichen. *n? prr nk uro vve>' Rabbiner Dr. R o s e n a ck. Düsseldorf. Am 5. dss. Mts. fand hier eine ' kleine erhebende Feier statt. Da in der neu erbauten Synagoge der Gottesdienst mit Orgel und verschiedenen sonstigen Reformen abgehalten wird, hat sich eine Gemeinde unter dem Namen „Israelitische Religionsgesellschaftgebildet, und aus eigenen Mitteln eine hübsche Synagoge. Bilkerstraße 37. errichtet, die an diesem Abend in würdiger Weise eingcweiht wurde. Nach dem Einheben der Thorarollen und Anzünden des Ncr Tomid Lichtes wurden verschiedene Mismaurim gesagt und das Mincha- und Maariw-Gebet. verrichtet. Das Gotteshaus, macht der kleinen Gemeinde alle Ehre. Ansbach. Mittwoch. 29. August, wurde in hiesiger Stadt die neunte freie Konferenz der bayerischen Rabbiner abgehalten. Gegenstand der Vcrathungen war zunächst die Einführung eines einheitlichen Religionslehrbuches für die bayerischen Gymnasien und Realschulen. Gemäß den Anträgen des „Israelitischen Lehrervereins in Bayern/ eine Kommission zur Regelung und Hebung des israelitischen Religionslehrerstandes durch Delegierung einiger bayerischen Rabbincn zu ergänzen, wurde auch über diese wichtige Materie, sowie übet verschiedene andere, das bayerische Judenthum intcreffirende Fragen Berathung gepflogen. Die Versammlung ließ an Se. Kgl. Hoheit. Prinzregent Luitpold, des Königsrcichs Bayern Verweser, ein Huldigungstelegramm abgehen, welches durch ein Anttvorttelegramm aus Hohenschwangau huldvollst Erwiderung des Regenten fand. Die Versammlung begann und schloß mit begeisterten Huldigungen.für den greisen Lenker des bayerischen Staats wie für das Herrscherhaus und das geliebte bayerische Vaterland. Auf den Verlauf der Verhandlungen" wird noch eingehender zuruckgekommen werden. - B. I. j Palästina.? Jerusalem. (Da 8 Allgemeine Jüd. Krankenhaus „Schaarö ZedeV.) Im Sommer des Jahres 1902 konnte das aus Mitteln der Gesammtjudcnheit erbaute, nach allen Anforderungen der modernen Hygiene ausgestaltete „Allgemeine Jüd. Krankenhaus Schaar«' Zedek". dessen Aufgabe es ist, den hilflosen, kranken und mittellosen Glaubensgenossen der heiligen Stadt, Heilung zu spenden, seiner hehren, segensreichen Bestimmung übergeben werden. Die für den Betrieb nothwendigen Geldmittel waren indeß nur zum geringen Theile aufgebracht, so daß der Vorstand sich, wenn auch schweren Herzens, dazu entschließen mußte, höchstens 20 von den vorgesehenen ISO bis 70 Betten vorerst zu belegen. Nachdem im e r st e n Betriebsjahre das Krankenhaus unter Leitung seines Chefarztes und Direktors, des Herrn Dr. med. Moritz Wallach, bei dieser Belegziffer verblieben, war, und insbesondere bei schweren operativen Fällen, sowie ansteckenden Krankheiten, für welche eigens zwei Jsolirpavillons vorhanden sind, von außerordentlichem Nutzen sein konnte, wurde die Bcttenzahl.in dem jetzt verflossenen zweiten Betricbsjahre auf 30 erhöht. Diese Erweiterung des Betriebes wurde zu Beginn des zweiten Halbjahres vorgenommen, so daß sich für das abgelaufene zweite Bctriebsjahr eine Durchschnittskrankenziffer von 25 ergibt. An 0957 Bervflegungstagen fanden 508 Patienten vollständige kostenlose Aufnahme, davon 36 wegen ansteckender Krankheit im Jsolirpavillon. 44 Männer. 161 Frauen und 125 Kinder konnten als vollständig geheilt, 10 Männer, 36 Frauen und 13 Kinder als gebessert entlassen werden. Mit Rücksicht auf die, mangels genügender Mittel, nothwendige Beschränkung des Betriebes, werden, um dem allerfckrecklichsten Elende zu steuern, selbst bei der auf 30 Patienten erhöhten Bettenzahl, nur die schwersten und allergefährlichsten Krankheitsfälle in dem Hospitale behandelt, und leider müssen immer noch täglich zahlreiche der dringenden Hilfe Bedürftigen abgewiesen werden. Außer der Verpflegung im Hause finden täglich über 100 Kranke in der Poliklinik ärztliche Unterstützung. Besonders werden hier auch Augenoperationen voraenommen. Augenkrankheiten sind in Jerusalem, durch das Klima Und die schlechten Wohnungsverhältnisse bedingt, ein weitverbreitetes Nebel. Obschon bei den unbeschreiblich schlechten sanitären Verhältnissen Jerusalems,.der bitteren Noth und den traurigen Entbehrungen seiner jüdischen Bewohner, naturgemäß die Pfleglinge des Hospitals' „SckaarS Zedek" in einem für europäische Verhältnisse kamst denkbaren Zustande von Körperschwäche und Entkräftung in ihm Heilung von den schwersten, vielfach

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