Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 72-73 (8.9.1904)
- Date
- 1904-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1522 schmiedeeisernen Ringkronen und einer Anzahl kleinerer Kronen und Wandarme gespendet wird. Der Altarbau, der dem Chorbau vorgelagert ist, ist mit seinen Faffaden aus Sandstein unter theilweiser Verwendung von Marmor hergestellt. Die Estraden tragen auf ihren Brüstungen große Dronzekandelaber. Die Rische mit dem heiligen Schrein ist durch Malereien und Glasmosaiken reich verziert. Die mit Schnitzereien versehenen Sitzbänke bestehen aus Kiefernholz. Der nach der Westseite belegene Trausaal hat eine elegante Ausstattung erhalten und wird durch eine künstlerisch ausgcführte Lichtsonne wirkungsvoll erleuchtet. Alles in allem stellt sich die Synagoge als ein prächtiger, äußerst geschmackvoller Bau dar, der der Bauleitung und den Ausführenden zur größten Ehre gerreicht. Die Ausführung war einer Kommission anvertraut, die unter dem Vorsitz des Fabrikbesitzers G. L. Netter, aus Mitglieder des Gemeindevorstandes^ der Revräsentanten und der Baukommission bestand. Die Anfertigung der Entwürfe und die Bauleitung war dem Gemeindebaumeister Herrn Architekten Höniger, die Bauführung .Herrn Regierungsbaumeister Jmberg übertragen worden. Die Maurerarbeiten lieferte Joseph Frankel, die Malerarbeiten M. I. Bodenstein, die Bildhauerarbeiten Karl Caspary; sämmtliche Paramente in kostbaren Gold- und Silberstickereien fertigten Geschw. Bleicherode, die übrigen Arbeiten waren fast durchweg ebenfalls jüdischen Firmen ühertragen worden. Berlin. Am Freitag früh ist Justizrath Hermann Staub an den Folgen einer Operation einer Geschwulst am Rückenmark, die Donnerstag an ibm vollzogen wurde, im Alter von 48 Jahren gestorben. Ein unersetzlicher Verlust für die deutsche Rechtswissenschaft, ein harter Schlag für die deutsche Anwaltschaft, dir auf keines ihrer Mitglieder mit größerem Stolze blicken konnte als auf ihn! Run hat der Tod seine Fackel gesenkt, und Hermann Staub ist entschlummert. Staub! Auf dem deutschen Anwalt^tage in. Danzig wurde er mit den Worten gefeiert, auf seinem Grabsteine werde einst stehen: „Hier ruht Staub; eines weiteren Kommentars bedarf es nicht." Es war ein Scherz, der ihn inmitten aller Heiterkeit ernsthaft stimmte. Und jetzt ist es wirklich eine traurige Thatsachr. früher als er oder irgend jemand geahnt hatte: der Mann, dessen lebensfrohe Arbeitskraft aller Welt bewundernswerth war, ist von tückischem Leiden vorzeitig gefällt worden. „Hier ruht Staub; eines tvefteren Kommentars bedarf es nicht." Das Wort ist wahr, nicht nur weil sein berühmter Kommentar zum Handelsgesetzbuch weit über Deutschlands Grenzen hinaus ein Ansehen genießt, als sei jedes weitere Werk dieser Art überflüssig und unmöglich. Auch was Hermann Staub sonst als Schriftsteller, als Anwalt, als Mensch gewesen ist. es ist den weitesten Kreisen bekannt, sichert ihm in weitesten Kreisen das beste Andenken. Selten ist, so sag» d!e „Voss. Ztg." von dem Verstorbenen, umfassendes Wissen, Schärfe der Dialektik, Gründlichkeit der Forschung so mit einem reinen, heiteren Gemüth vereint gewesen wie in Staub. Er hatte die gleiche Freude an der Vertiefung in die schwierigsten Probleme des Rechts wie an der hundertfach erzählten oder gehörten Anekdote. Von den kleinsten Anfängen ausgegangen, hatte sich Staub eine glänzende Stellung errungen, lediglich durch eigenes Verdienst; er war eine Zierde nicht nur des Anwaltstandes, sondern der gesammten Juristenwelt. Er arbeitete spielend, ohne daß ihm die Arbeit ein Spiel gewesen wäre. Er lebte in der Arbeit, ohne anderer Lebensfreude feind zu sein. Am späten Abend im Kaiserhof oder im Romanischen Caf<r. .in froher Geselligkeit nach den Sitzungen des Vorstandes.der Anwaltkammer, dem er angehörte, oder des Berliner Anwaltvereins war Staub immer der Lebendigsten einer, immer in der Laune, seinen treffenden Witz unaufdringlich spielen zu lassen. Frei von kleinlichem Ehrgeiz, hat er Auszeichnungen vom Staat nicht begehrt noch erfahren. Ein einziges Mal widerfuhr ihm eine Anerkennung des Ministeriums; er wurde ein Jahr oder zwei vor der Normalzeit Justizrath. Von einem anderen Fall der „Auszeichnung" hat er selbst lächelnd berichtet. Er wurde von Räthen des Justizministeriums. ehe er noch Notar war. aufgefordert, sich um das Notariat zu bewerben; die Justizverwaltung wollte du ich die vorzeitige Verleihung seine schrift-- stellerischen Verdienste belohnen. Staub weigerte sich, da es „auch so" gehe. Aber schließlich ließ er sich dennoch bewegen, die Eingabe zu machen, und — da lehnte der Justizminister das Gesuch ab! Staub ist erst in der Reihenfolge der „dritten Liste" Notar geworden. Er wurde.dadurch nicht.mehr, als er ohnehin war. Und er war mehr als ein preußischer Notar. Er war ein großer Jurist, ein Förderer der Wissenschaft, ein echter Anwalt des Rechts und ein edler Mensch. Staub — eines weiteren Kommentars bedarf es nicht. In tiefem Schmerz steht nicht nur der deutsche Anwaltstand an seiner Bahre; Hermann Staub ist Tausenden und Abertausenden, namentlich allen, die ihn persönlich kannten, viel zu früh gestorben. Sein Gedächtniß aber wird fortleben im Herzen aller seiner Freunde und Bekannten und auf den Blättern der 'Rechtsgeschichte. Bremen, 5. Sept. Verschiedentlich ist es vorgekommen, daß Auswandereragenten in Rußland, Galizien und Rumänien die Beträge für Schiftskarten von den Auswanderern angenommen haben, ohne das Geld sogleich, wie es ihre Pflicht wäre, an die Agenturen der Kontrollstationen oder Hafenstädte weiter zu schicken, damit das eingezahlte Geld mit. den Auswanderern zugleich eintrifft, und diese weiterbefordert werden können. .—- Durch die Verzögerung dieser