Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-09-08 · Heft 72-73 (8.9.1904) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 72-73 (8.9.1904)
Date
1904-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450053--61380-2524169
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1620 Dos Tempo wird rascher, die Erinnerungen lebhafter. die Töne gebrochener, das Seufzen geht in ein Schluchzen über. W» nsm — Gruppenweise erscheinen unsere Thaten vor den Augen unseres Geistes und wir haben allen Grund zuw Weinen. Wir denken daran, daß wir unseren Kindern nicht das Beispiel eines von Gott durchdrungenen Lebens gegeben, und wir haben uns so an den unschuldigen Seelen unserer Kleinen verschuldet, wir fühlen, daß wir den Anforderungen, die das ^2 an uns stellt, nicht gerecht geworden sind, wir haben nicht dafür gesorgt, daß die Begeisterung für Thora und Mizwothallgemein werde, in thörichter Verblendung kannten wir nur uns selbst und unser eigenes Interesse, das sicherlich weit besser gefördert worden wäre, wenn wir es als das. was es wirklich ist. als einen Vruchtheil des allgemeinen Interesses, betrachtet hätten. Mir haben zu manchem Unrecht geschwiegen, sind nicht immer kraftvoll für das Recht eingetreten, so manche Lüge haben wir durch unser Stillschweigen sanktionirt. so manche falsche Lehre geduldet und sind nicht mannhaft für die Wahrheit eingetreten. Den „Frieden" schützten wir vor und unsere eigene Bequemlichkeit meinten wir. Wir scheuten die Verleumdungen und Beschimpfungen unserer Feinde, die für jeden rechten Mann eigentlich den auf dem Schlachtfeld erworbenen Lorbeer bedeuten müßten. Wir aber waren feige und versündigten uns so an unseren Brüdern, die wir hätten belehren und zurechtweisen müssen. Alle Gebete, die wir ohne Andacht verrichtet, alles rnn rxh. durch das wir unseren Mund entweiht, steht anklagcnd vor unserer Seele, eine jede Kränkung, die wir unserem Nächsten zugefügt, ein jedes Unrecht brennt auf unserer Seele und dH- HH' nynn in einem bitteren Schluchzen macht sich unser bedrängtes und gepreßtes Herz Luft. — Da ertönt die letzte ronpn die uns zur Rückkehr ermuntert. B2ts»yB iice> w-rn rna upri, Verbessert und wenn es nöthig ist, erneut Eure Thaten und Gott wird Euch entsühnen! Wie soll aber diese Rückkehr, zu der uns des Schofars weckender Ton ermuntert, erfolgen? Da ist vor allen Dingen die Reue, die echte rechte Reue erforderlich. Das erste Erforderniß wahrhafter Reue ist aber der feste Entschluß, den sündigen Weg . zu verlassen, vrnrvnv pu v'w vii yen 2ny „Es verlasse der Frevler seinen Weg und der Mann des Unrechts seine Pläne." Wenn wir ein pp in der Hand halten und wir baden in. allen Gewässern der Wtlt, kann uns da das reinigende Bad nützen? Verunreinigt uns da nicht gleich wieder das verunreinigende Thier in unserer Hand? Ebenso wenn wir noch so sehr bereuen eine böse That, ein schmähliches Wort, einen sündigen Gedanken und wir lassen nicht von ihnen, kann uns da die Reue nützen? Sobald wir aber den unumstößlichen Entschluß fassen, von unseren schlimmen Gewohnheiten zu lassen, so reinigt uns die aufrichtige Reue von jedem Flecken, der an unserer Seele haftet. Um aber die guten Entschlüsse zur Besserung zu festen und unerschütterlichen zu machen, ist es nothwendig. daß uns das Böse, das wir gethan Haben. wahrhaften Kummer verursache. Darum überdenke Jeder sein Thun und Treiben, sein Mollru und Wünschen, prüfe Jeder sein Herz, ob sein Sehnen und Hoffen, ob seines Hauptes Gedanken, seiner Hand- Werk, ob sie alle sind nach Gottes Willen und seiner hohen Bestimmung entsprechend, und findet er. daß bös ist sein Thun, daß Eitlem nachhängt sein Herz, daß Böses sinnet sein Haupt, daß Unrecht üben seine Hände, dann führe er sich das Schlimme so recht zu Gcmütbr, donn demüthige er sein stolzes Herr, beuge sein stolzes Haupt, lege beschämt die das Böse vollziehende Hand auf seine von Trauer und Kummer beschwerte Brust und weine, weine! Weine darob, daß er das Bose gethan und das Gute unterlassen, daß dir Gedanken seines Hauptes übermüthigem Frevel und das Sehnen seines Herzens sündigen Trieben zugänglich sind. Dann aber ermanne er sich und suche das geschehene Böse gut *u machen 02*ppö net? C2*pyo isnn! Dazu soll uns des Schofars letzter Ruf ermuntern. — Möge er auch bei uns nicht unqehört verhallen, mögen der Einkehr die Umkehr und Rückkehr folgen, möge er uns zu Gott hlnführen und er hat seinen Zweck erfüllt, nynn ym vyn Heil dem Volke, das die Teruoh versteht wm nt rwnb ovw, die Gott durch die Teruoh zu versöhnen wissen, die es begreifen, daß der einzige Zweck der Teruoh der ist P2bw "pB *n unseren Lebenswandel in den Weg Gottes zu leiten, uns zu veranlassen, im Lichte seines Angesichtes zu wandeln, unsere Liebe zu Gott zu wecken und erstarken zu lassen, die dann auch Gegenliebe finden wird und Gott wird uns v'2is o*n 2022 einschreiben und das neue Jahr wird auch Tage haben, die nicht spurlos an uns vorüber geben werden, rwp nm Verbessert, erneut Eure Thaten 22'rM S2 b» 22b no20 »an und Gott wird unsere Sünden zudecken, wir werden rein werden und uns der unendlichen Liebe unseres Gottes erfreuen dürfen. Zetturrgsrrachrlchten und Correfporrdenzer». Deutschland. Berlin, 4. Sept. Zwei monumentale Bauwerke konnten am heutigen Tage ihrer Bestimmung übergeben werden: Die Großgemeinde vollzog die Einweihung ihrer muerbauten Synagoge in der Rykestraße, während die orthodoxe Separatgemeinde Adaß Jisroel ihre Mitglieder aus de» alten Synagoge, die mehr als

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.