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Der Israelit · 1904-09-05 · Heft 71 (5.9.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 71 (5.9.1904)
Date
1904-09-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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immer neu sich verjüngende Lebensquell in seinem Herzen. Der Geist Gottes, wie er in Israels Lehre so lebendig und frisch, so kräftig und gewaltig weht, der hat ihm beigestanden und es stark gemacht. Cr hat seine Sänger begeistert und in seinen Helden gewohnt. wenn sie dem andringendcn Verfolger, der ihnen in das Herz, in das Heiligthum des Glaubens den Dolch stoßen wollte, sich entgegenstellten und muthig kämpften für den Glaubenshort und ihr Blut Hingaben für die Ueberzeugung ihrer Seele; wenn sie arm an äußerer Macht, in namenloser Entsagung, mit beispielloser Hingebung all das Weh und Elend, all den Jammer und die Qual, die in den Jahrhunderten der Finsterniß und des düsteren Wahnes in immer neuer Gestalten über sie hereinbrachen, duldeten und den Nacken beugten um des Glaubens und der Lehre willen; wenn sie den Muth und die Kraft, die in beglückenden Verhältnissen zu mächtigen Thaten, zu gewaltigen Unternehmungen wären erblüht, bezeugten in geduldigem Schweigen, in stiller, lautloser Ergebung. Das ist der göttliche Geist, der nimmer erloschen ist in Israel, das ist treue Erfüllung des Berufs, der ihm überantwortet wurde, für Gott zu zeugen für ewige Zeiten. Und wer mit offenem Auge, mit ungetrübtem Blick in das Buch der Geschichte schaut, der wird die Kunde darin lesen; und wer mit offenem' Auge sieht, mit offenem Ohr lauscht und sich hinneigt, daß er vernehme, was die Stimme der Jahrtausende verkündet, der wird die^Kunde vernehmen und wer das Buch der Bücher hervorbvlt und darin sich vertiefet, der wird die Wahrheit erkennen, und wer die Alten befragt und mit klarem Sinn die Ueberlieferung sich zu einem lebendigen Ganzen ordnet, der wird den Quell erkennen, aus dem jener Gottesgeist als e-n mächtiger Strom hervorgebrochen ist. Gott hat sich seinem Volke offenbart, damit das Volk ihn höre und erkenne, auf daß kein Zweifel mehr seine Seele beunruhige. daß es ihn so erkenne, wie Er von dem Volke gekannt und erkannt sein will. Wir haben in unseren Abhandlungen gezeigt, daß der Mensch auch ohne jede Offenbarung sich einen Gott erschlossen hätte. Alles in der Welt drängt dazu, ein Wesen, das Urheber des Alls ist. anzunehmen. Der Sah der Kausalität sowohl als auch die-im Universum herrschende Ordnung, die durch die den Stoffen innewohnende Kraft der Fortentwickelung und der Weiterbildung 'bedingt ist, zwingen den logisch denkenden Menschen geradezu, eine erste und oberste Ursache alles Seins, einen Ordner, der als Schöpfer im Ordnen selbst thätiq ist. zu postuliren und es brit sich auch der Mensch zu allen Zeiten zu der Wahrheit durchgerungen, daß es ein Wesen geben müsse, das über der Welt steht, das Ursache und Grund des Alls ist, aber wie hat er sich seinen Gott vorgestellt? In seinen Göttern malt sich der Mensch. — daß dies auch oerJude nicht tbue, dazu hat Gott sich in seiner ureigensten Wesenheit offenbaren müssen. Mit welchen Eigenschaften haben die anderen Menschen ihre Götter ausgestattet, ihre Lieblingsgewohnheiten, ihre Tugenden und Laster haben sie ihnen angedichtet; daß dies bei uns nicht der Fäll sein konnte, verdanken wir der Offenbarung. Wir hätten vielleicht den Schöpfer uns erschlossen, den wir uns dann auch in einer uns zusagenden Weise ausgeschmüat hätten. Wir hätten ihn mit Attributen ausgestattet. die vielleicht unserer Phantasie Ehre gemacht hätten. Dies ist der grundlegende gewaltige Unterschied zwischen uns und den anderen Völkern des Alterthums. Die anderen Volker, bemerken schon unsere Weisen. or.r6x b» o'tow stehen über ihren Göttern, sie sind Schöpfer ihrer Schöpfer, ihre Götter sind Götter von Menschengnaden. Wir aber sind Geschöpfe unseres Gottes, dem wir für unsere Thaten verantwortlich sind. Er ist nicht nur S ch ö p fc r des Alls, Erzeuger aller Wesen, er ist auch Gesetzgeber und Richter. Und diese seine Eigenschaft als Richter führt uns nun zu dem zweiten Grundsatz des Judentbums. zu twun -ocf den wir das nächste Mal behandeln werden. (Fortsetzung folgt.) ZettrmgSnachrrHtrn und Correfpöudeuze«. Deutschland. Berlin. Ein hübsches Pröbchen antisemitischer Logik lieferte vor einigen Tagen der wohlbekannte Rundschauer der «Kreuzzeitung". Es ist zu charakteristisch. um nicht festgenagelt zu werden. Anläßlich des Todes von Waldcck-Rouffeau orakelt der große Historiker folgendermaßen: «Rur eins fällt auch hierbei wieder auf: Der Minister eines anderen Landes der mit der schroffsten Rücksichtslosigkeit durchgreift, um vorhandenen Schäden den Garaus zu machen, findet sehr oft das Lob unserer Linken. . . . Doch wie steht es unter gleichen Umständen bei uns aus? Was für ein Gezeter geht da von derselben Stelle aus, tvenn es sich darum bandelt,. dem staatsfeindlichen Treiben der Sozialdemokratie scharf entgegenzutreten oder gar dem zersetzenden Wesen des Judenthums — wir meinen nicht den einzelnen Juden, gegen den als solchen haben wir nichts —1 einen festen Riegel vorzuschieben. Wahrhaftig, die Energie, die man wo anders preist, wäre hier oft genug am Platze, und wenn sie versagt, trägt die Hauptschuld fast immer der Lärm jener «Friedfertigen", die wo

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