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Der Israelit · 1904-09-05 · Heft 71 (5.9.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 71 (5.9.1904)
Date
1904-09-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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anders nicht laut genug nach der Polizei schreien können." Eine solche Verdrehung der Thatsachen kann nur ein antisemitisches Gehirn aushecken. Wohlaemerlt: Es handelt sich um die Thätigleit Waldeck-Rousieaus im Dreyfus-Prozeß. Aber der Mann begreift nicht oder will nicht begreifen, daß die „Linke" in Deutschland und namentlich in Preußen, die Energie tot Regierung ebenso „gepriesen" hatte, wenn sie gegen die antisemitischen Maulhelden. Hetzer und Agitatoren ausgetreten wäre. Die Phrase von dem „zersetzenden Wesen des Judenthums" ist aus dem Pllckler'scken SprSchschatz herübergenommen. Ein fromm-christliches Blatt sollte es sich zehn Mal überlegen, ehe es sie nachspricht. An das Wohlwollen der „Kreuzzeitung" für den „einzelnen Juden", gegen den sie „als solchen" nichts .habe, glaubt wohl selbst der naivste Leser des Blattes nicht mehr, da er ja sehr oft zu bemerken die frohe Gelegenheit hat. wie dasselbe „gegen einzelne Juden" losgehl, ohne daß irgendeine noth wendige Veranlassung hierzu vorläge, und wie es selbst „einzelne Juden" fabrizirt, um nur gegen das Judentbum Hetzen zu können. Würzburg. Nachdem in diesem Jahre der Militärdienst der jüd. Betheiligten vielfach mit den jüdischen Feiertagen lollidirt. hat sich Herr Distrikts-Rabbiner Nathan Bamberger. hier, mit Vorstellung und Bitte an das Kgl. General-Kommando gewandt, cs möge den bei den Manövern betheiligten jüdischen Soldaten gestattet werden, sich über in die nächstgelegene jüdische Gemeinde zu begeben, ferner, da der Eutlassungstag der zweijährigen Militärs aus den 19.. also rsw fällt, so wolle doch deren Abgang .auf den 1S. Septeniber verfügt werden. Endlich möge erlaubt werden, daß der Eintritt der Einjährig-Freiwill'gen, soivie der für vier beziv. sechs Wochen Einberufenen anstatt am l. Oktober m»? *äc* am 5t. Oktober erfolgen dürfe. Das hohe Kgl. General-Kommando des Kgl. Bayer, zweiten Armee-Korps hat diesen Wünschen gnädigst entsprochen. Bemerkt muß jedoch im Jntereste der Sache werden, daß' alle diejenigen jüdischen Sol baten, welche von dieser Hochlohalen Begünstigung Ge brauch machen wollen, bei ihrer Vorgesetzten hohen Militärbehörde rechtzeitig vorstellig werden muffen. Holland. Amsterdam, 2. Sept. Bon zwei schmerzlichen Verlusten ist aus hiesiger Stadt zu berichten. Die blühende Tochter unseres Oberrabbiners. Herrn Dr. Dünner, eine fromme und edle Frau, ist im. jugendlichen Alter von 26 Jahren plötzlich ihren Eltern, ihrem Manne und ihren beiden kleinen Kindern durch einen raschen Tod entrissen worden. — Hier starb im Alter von 49 Jahren Herr Rechtsanwalt Philips, ein bochangesehener frommer Advokat, der auch große Wohlthätigleit ausübte. tram vermischtes. Berlin. Der Rabbiner und Gymnasial-ReUglonSlehrcr Dr. Philipp Kroner kn Charlottenburg erhielt den Roten Adlerorden IV. Klaffe. Frankfurt, 3t. August. Die 71 jährige Pfründneri» Jette Levy stürzte sich gestern vormittag au» einem ' Fenster d s eisten Stockwerks deö israelitischen Sicchenhausc« am Rödertergweg in den Hof und blieb sofort tot. DaS Motiv der Thal »st unbekannt. Rvekltngshause«. Hier fand a»n Samstag die Ein» weihuna der neuen Synagoge unter überauzahlreicher Bethciligung statt. In der Feier, an der sowohl Vertreter der staatlichen und städtischen Bekörden thrilnahmen, hielt Herr Rabbiner Dr. Marx die Festrede. In der nächsten Nummer werden wir detaillirten Bericht veröffentlichen. Rotterdam. (Ungern verspätet). Am 22. Tamuwar es ein Jahr, daß Herr H. Eisenstein, im Leben das Zeitliche segnete. DaS Leben hat auch über diesetraurige Ereigniß seinen gewöhnlichen Lauf wieder fortgesetzt, die Eultu-strtle ist wieder besetzt und doch ist cs uns e>n Bedürfniß» da- Andenken dieseseltenen Mannes »och einmal wachzurusen; denn auch iin Auslände war er bekannt und Vielen wird cS gewiß angcnehor fein, wenn durch diese Zeilen seinem Andenken die ihm gebührende Ehre gezollt wird. Zunächst »var Eisenstein der gelehrte tüchtige Fachmann. Die vielen Schüler, die er auszrbildet. können cs bezeugen, wie er neben einer oußerürdentlichen Fähigkeit in der Praxis auch ein ausgedehnte-, staumnswerlheS Wissen in der Theorie besaß, wie er sogar die größeren nüTiff V1D0 fast auswendig kannte. Daß auch in liberalen Kreisen diese Fähigkeit und Gelehrsamkeit driannt und anerkannt waren, beweist das Z-ugniß daS der Piösident unseres Gemeinde-Vorstandes gegeben: .Er ist eine Autorität in sein m Fach. Sein heiliges Amt bekleidete er mit seltener, unantastbarer Pflichttreue. Von Allen, die ihn kannten, wu'de er sehr hochgeschätzt, sogar geliebt und verstand Eisenstein die schwere Kunst, höchst gewissenhafte Pflichtübung mit freundlichem Umgang harmonisch zu einen." Als Jehud» und Mensch glich er seinen großen Ahnen, dem Hohepriester Ahron. Bescheiden, stillverborgen vor Gott zu wandeln uud seine Gebote zu vollbringen, war da- Bestreben feine- Lebens. 9t»,r seine Freunde, mrter denen unscr geschätzter Oberrabbiner der Erste mar. kannten die genaue, pünktliche Weise, wie er die WLQ ausführie. wuß'en von seine»» steten, emsigen Thoralernen. »voduich er' aus der» Gebiete von mm "NV7N eine bedeutende Höbe erreichte. Und nur gar Wenige kannte« seine Thäligkcit für D'IDfl niröJ, wobei er zunächst die Interessen unserer a»men, russischen Brüder und die des heiligen Landes beherzigte. Da- Wirkrn und Streben Eisensteins. A. wird lei uns im bestem Andenken bleiben! 8.— New Park. 5. September. Eine Miethkaserne ln der Attorucystrotze ist abgebrannt, wobei evierzehn Tote und zwanzig Verletzte gab. Dir Verunglückte» sind alle russische Juden. Die Katastrophe ist darauf -urückzuführen, daß da- HauS in» Umbau »var und daher die Feuernothleitern zur Zeit befestigt waren. Briefkasten der Redaetio«. Wegen Raummangel mußte eine große Anzahl Glückwünsche zurückgestellt werden, die i»l der nächste« Nummer in einer Extrabeilage veröffentlicht werden. Weitere Ablösungen bitten wir so schnell wie möglich ein» zuscnden, damit sie noch vor Rosch-Haschonoh zum Abdruck gelangen können. Man kann sich dadurch der einliegenden. Postanweisung bediene».

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