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Der Israelit · 1904-09-05 · Heft 71 (5.9.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 71 (5.9.1904)
Date
1904-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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l t 1607 abgeordneten Justizrath Riff vertreten waren, vom. Kaiserlichen Rath für Elsaß-Lothringen .für unbegründet erklärt wurde. Oesterreich. Wien. (Der Rindermarkt zu St. Marr am jüdischen Versöhnungstage.) Da der Rindermarlt zu St. Marx am 19. September auf den jüdischen Versöhnungstag faßt, hat sich das Gremium der Viehändler in Wien an die Marktbrhörde mit der Bitte gewendet, es möge die Verlegung dieses Marktes vom 19. September auf den 20. bewilligt werden. Das städtische Marktamt. der Magistrat als Marktbehörde, die Genossenschaften der Fleischhauer und der Fleischselcher sowie auch der Stadtrath haben sich gegen die Bewilligung der Verlegung übereinstimmend ausgesprochen. Auf Grund dieser Aeußerungen und mit Rücksicht darauf, daß am 20. September der Schweinemarkt abgehalten wird, so das; eine Kumulierung von Märkten stattfinden würde, hat die nrederösterreichische Statthalterei dem Ansuchen des Gremiums keine Folge gegeben. Für die Entscheidung dürste vor allem das Gutachten sämmtlicher Marktbehörden und Faktoren gewesen sein, denn die Erwägung, daß die Kumulierung von Märkten einerseits der regelmäßigen Abwicklung des Geschäftsverkehrs hinderlich ist. andererseits aber den Vetcrinärorgancn in Handhabung der Veterinärpolizei Schwierigkeiten erwachsen. ihren Pflichten auf beiden Märkten gleichzeitig nachzukommen. Im Jahre 1898 ist das gleiche Ansuchen des, Gremiums der Viehhändler ebenfalls abgelehnt worden, im Jahre 1901 wurde es bewilligt, weil lein gegcntheiliger Antrag der Marktbehördc vorlag. Ungarn. Budapest. (Erzbischof und Rabbin e r.) Der Erzbischof von Eger, Dr. Josef Samaffa, war zur Einweihung der danl seiner Munisizen; erbauten neuen Kirche persönlich nach Ryiregyhaza gekommen. Bei dieser Gelegenheit empfing der Kir«henfürst zahlreiche Deputationen, darunter auch die vom Oberrabbiner Dr. Adolf K c l e m c n geführte gcmeinfame Deputation der Ryiregyhazaer israelitischen Statusquo-Gemeinde und der autonomen orthodoxen Gemeinde. Der Sprecher der Deputation. Oberrabbiner Dr. Adolf Kelemcn, hielt an den Erzbischof eine gehaltvolle Ansprache, welche auf den Ausspruch des Propheten: „Haben wir doch alle einen Vater, hat uns doch ein Gott geschaffen! Warum sollen wir treulos Händeln einer an.dem anderen und den Bund unserer Väter . entweihen?" basirt war und die aufrichtigsten Segenswünsche für die neue katholische Kirche enthielt. Auf diese Rede antwortete der Erzbischof: „Die geoffenbarten Wahrheiten müssen Gemeingut der Menschheit werden; fie sind es, die die beiden geoffenbarten Religionen aneinander. knüpfen. Wohl ist es wahr, daß das Werk der Liebe noch nicht vollständig ist. Vom Berge Sinai ist die erobernde Kraft des Rechtes, des Gesetzes und der Wahrheit zum . Heile des Menschengeschlechtes ausgegangen. In allen Lagern ist dagegen oft und viel gesündigt worden, aus verständlichen Gründen: die Menschen find eben schwach! Ich selbst bin ein alter Mann, zähle 76 Jahre» 66 davcn in Arbeit verbracht. Mich kann Lob nicht mehr erhöhen, Tadel und Verkennung nicht mehr schrecken. Mir gaben meine Religion und die Liebe zum Vaterlande die Kraft zum Kampfe des Lebens; wen diese beiden Gefühle beseelen, der wird diesen Kampf siegreich bestehen. Ich danke siir Ihr freundliches Erscheinen. Gott segne Sie!" Portugal!. Lissabon. Eine eigenartige Gedenkfeier wird nächstes Jahr in der Hauptstadt Portugals begangen werden. In diesem Jahre werben 200 Jahre verflossen sein, als in dieser Stadt ein Jude, RamcnS Antonio Jose, ein bedeutender Schauspieler und Dramatiker, von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Antonio Jose war ein Liebling des Theaterpublikums und wurde allgemein „£ Judeo" (Der Jude) genannt. Aum Andenken an dieses unschuldige Ovfer der Inquisition wird auf Anregung der hiesigen Presse an dem Tage, an welchem vor 200 Jahren Jose verbrannt wurde, eine imposante Gedenkfeier stattfindrn, wobei ein Monument zu Ehren dieses Märtyrers errichtet werden wird. Rußland. Petersburg. Wie sehr die Warnungen vor dem offiziösen russischen Dementi berechtigt waren, zeigt der folgende Brief von durchaus gut orientirter Seite: „Was die offiziösen Auslassungen betrifft, so sehen wir gern ab von der aus gewisse Kreise berechneten, aber allzu lächerlichen Darstellung der Vorgänge in Ostrowicz, als wären sie ein Racheakt für Schläge, die ein jüdischer Knabe einem „strenggläubigen" Katholiken verseht haben soll. Thatsache ist, daß in Ostrowicz eine strenge Untersuchung eingeleitet wurde, wenn auch nicht den Juden zu Liebe, so doch wegen, des Gendärmeriehauptmanns, der während der Krawalle von den Arbeitern durch Stockhiebe und Fußtritte schwer verwundet wurde; jedenfalls ist da einige Aussicht auf Ahndung der Verbrechen vorhanden. „Den eingezogcnen Erkundigungen" über den Vorfall in Parczew müssen wir jedoch entschieden entgcgentreten. Es handelt sich zunächst nicht üm einen getauften Juden, sondern um eine Jüdin und nicht um eine Erwachsene, sondern um ein dreizehnjähriges Mädchen Hanne Korn aus Czenstochmi, GouvirnemeNt Lublin, und niemand wollte sie „verbergen", sondern

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