Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450051--61355-2524142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
on uns ergehen. So Nest man oft in den Gesetzen der Zeit anstatt Aufrichtigkeit — Falschheit; statt Friede — Unfriede; statt Liebe — Haß; statt Verträglichkeit — Unduldsamkeit; statt Nachgiebigkeit — Rechthaberei; statt Brüderlichkeit — Entzweiung; statt Wohlfahrt — Verderben; statt Versöhnlichkeit — Rachsucht; statt Demuth und Bescheidenheit — Hochmuth und Uebermuth; statt Schonung der heiligsten Gefühle und Empfindungen — dieselben herzlos mit Füßen treten; statt Heiligung des Gottesnamens cot vmp — Entweihung der Ehre Gottes und Schädigung des Judenthums cpn statt geläuterten, reinen Glauben — Aberglauben und Unglauben. Ja. das wünscht und fördert die Zeit nicht; ihr Ruf wird leider nur allzuoft mißverstanden. Vornehmlich aber um Eurer Seligkeit willen, m. And. glaubet nicht, das schnellrollende Rad der Zeit muffe jede Spur unseres heiligen Vätcrglaubens wegwischen. Glaubet nicht, die neue Zeit und der a'l t e Glaube können nicht nebeneinander besteben, nicht beide zugleich unsere Zeit erfüllen. O, wollet ste nur nebeneinander stellen; wollet sie nur aneinander fügen durch den Kitt des Geistes und Gott wird mit Euch sein. n*nr6 dw ycpn Snc* n*n*. »Wer die Zeiten, die verschiedenen Zeitalter an die Lehre, an den Vätcrglauben zu feffeln — wer beide in festen Zusammenhang. in harmonischen Einklang zu bringen vermag, dem wird Gott in diesem Streben beistehrn!" irrin cm ca „Seht das Banner auf den Borgen": blickt hin auf Zions Höhen, wie das in alle Weltaegenden hinausslatternde Banner des Glaubens, das so oft in den Staub getreten, so oft zur Zielscheibe scharfer Pfeile geworden, wie es sich erhalten bis auf den heutigen Tag und uns winkt, sich um dasselbe zu scharen, wcot ppra*.. „Höret den Ruf der Z e i t, der - wie ein P o s a u n e n s ch a l l die Erdenräume 'durchtönt." O, m. And. Lasset uns schaaren für olle Zeiten um dies Banner des heil. Vätcrglaubens. Mag jedes neue Jahr uns im Schatten dieses Banners vereint finden. Lasset uns den Ruf der Zeit hören und verstehen rprn inn cm w, „Heil dem Volke, das den Posaunencuf versteht!" Lasset uns getragen sein vom Geiste der Zeit und vom Geiste des Glaubens. Lasset uns heute und stets in Zukunft wie beute mit Inbrunst dem Vater über den Sternen danken, wmr dass Er uns leben liest, leben zur Freude des eigenen Jchs, zur Freude der Unserigen. deren Leben so enge mit dem unserigen verknüpft ist. O. möget Ihr in vollen Zügen auch künftig trinken vom Becher des L e - b e n s. aap» Dank Dir. o Gott, dast Du uns erhalten hast, erhalten in unserer Ehre, erhalten in Herzensreinheit, erhalten auf sittlicher Höhe, nms.v. an jvib. Dank Dir, o Herr, daß wir die Zeit, die Jetztzeit, erreicht und . Du uns die Kraft verliehen, treu und muthig auszuharren im alten, heiligen Däterglauben, daß wir sie erreicht im echten und rechten Gottesglauben, der da ist und sein wird unser Stab und unsere Stühe, unser Heil und unser Licht, unser Stab und unsere Stärke, unser Glück und unser Segen in Ewigkeit! Amen! Zeitungsnachrichten und EorrefpssVenrerr. Deutschland. Stuttgart, 24. Aug. Zu den Orten in Württemberg, welche bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts den Israeliten zur Niederlassung reserviert waren und aus denen auch nach dem die kirchlichen Verhältnisse der Juden regelnden Gesetz von 1.828 ein Wegzug sehr erschwert war. gehört das Dorf Pflaumloch im Oberamt Neresheim. 35b in die siebziger Jahre hatte in dem etwa 450 Einwohner zählenden Dörfchen die israelitische Gemeinde noch mehr als 100 Angehörige. 1880 waren es noch 47 Mitglieder. Seitdem hat die Zahl rasch abgenommen und vor einigen Tagen hat, wie dem „Staatsanzeiger" geschrieben wird, der letzte in Pflaumloch ansässige Israelit sein Anwesen verkauft, um nach Nürnberg überzusiedeln, nachdem erst im Laufe dieses Sommers mehrere jüdische Familien nach Nördlingen gezogen sind. Die im Jahre 1846 gebaute neue Synagoge steht jetzt völlig vereinsamt da. Für die politische Gemeinde Pflaumloch bedeutet der Wegzug der Israeliten einen ziemlichen Verlust an Steuerkraft. In ähnlicher Weise wie hier, verändert sich in den anderen dörflichen und kleinstädtischen Gemeinden. die ehemals als Judenniederlaffungen dienten, das Verhältniß. Die israelitischen Gemeinden draußen auf dem Lande schrumpften stark zusammen, während in den größeren Städten seit Mitte des vorigen Jahrhundert eine ziemlich erhebliche Zunahme stattgefunden hat, die aber in letzter Zeit vielfach in einen Rückgang sich verwandelt hat. Eigentlich hat seit 1808 nur Stuttgart eine Zunahme zu verzeichnen. Im ganzen Lande ist die Gesammtzahl der Israeliten von 18,331 Köpfen im Jahre 1880 auf 11,916 bei der letz- # ten Zählung zurückgegangen. - Rußland. Petersburg. Ueber die materiellen Verhältnisse der russischen Juden enthält die monatliche Ausgabe des „Woskhod" folgende Daten: Sogar in den wichtigsten Handelsplätzen verfielen. - die Juden in Folge der jetzigen wirthschaftlichen Krisis in die größte Noth.was aus folgenden ThaEachen her- , vorgeht: In Witebsk sind für den Augenblick 3000 Zimmermeister und Maurer, zum größten Theil Ju-