Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1496 unseren Mitmenschen gewunden worden, dennoch uns erhalten haben im Judenthum, erhalten in der Menschheit, erhalten in der Freundschaft. Keine Fußbreite sind wir gewichen von unserem angestammten Väterglauben, trotzdem er geschmäht wurde, trotz der giftigen Pfeile.die vom Hinterhalte und oft auch frei auf uns abgedrückt wurden, trotz der starren Unduldsainleit, die mit ihren eisigen Schneeflocken die himmlischen Blütben der Religion bewarf. Nicht eine Stufe sind wir hinabgesiiegen auf der Stufenleiter menschlicher Tugenden, wenn der Menschheit Hohn gesprochen wurde, wenn sie hie und da im Preise gesunken, von eitlem, schnödem Flitter überstrahlt wurde. Mir haben uns durch Deinen Beistand. 0 Herr, erhalten. Es ist unser Stolz, Menschen zu sein und uns. wie rief auch Menschen hie und da sinken mögen, als solche zu erhalten verstanden. Keinen Augenblick haben wir den Engeln der Freundschaft die Pforten unseres Herzens verschlossen; keinen Augenblick gewankt in unserer Freundschaft und in dem Äunf-ne, eines Menschen Freund und Freud zu sein, wie oft wir auch getäuscht wurden. Heil denen, die sich durch Gott und m i t Gott bei den Stürmen des Lebens zu erhalten wussten in ihrer sittlichen, geistigen Grösse und Würde. Aber auch Ihr. die Ihr zu schwach wäret. Euch zu erhalten: die Ihr den festen Boden unter Euren Füssen verloren; die Ihr im Glauben, in der Ehre, im guten Namen, in der Menschheit Euch nicht zu erhalten im Stande wäret — die der Sturm des Schicksals auf tausend Irrwege geführt, in tausend Abgründe geschleudert. deren wankender Fuß ausgeglitten und abgeglitten von der Bahn der Tugend — es ruft die Gottesstimme im Gedenken der Posaune Euch zurück in den Schooss seiner unendlichen Gnade p.o onmn 1x31 V.-ij iwa rp-T xrrt ava rrrr pxs avnm. „Und an jenem Tage, da in die grosse Posaune geblasen wird, werden die B e r l 0 r e - nen aus Aschur und die Verstoßenen aus Mizrajim wieder kommen!" Nun Ihr auch heute noch die cnrx und O'mj, die Verlorenen und Verstoßenen seid — Morgen hat die Gottesgnade Euch wieder umfasst in väterlicher Liebe. Morgen könnt Ihr, erwacht, durch den Schofarruf aus dem Sinnentaumel, wieder fest fußen im Boden der Tugend und mit uns einstimmen in das Dankeswort: *sr.3i 13'Tnr „Wir danken Dir. 0 Herr, der Du uns in Deiner Gnade am Leben ließest und uns erhalten hast!" IN. npn» ixiri Dm ca p» 'wri' San iw ^3 12'L». „Alle Ihr Bewohner der Erde möget das flatternde Banner auf den Bergen sehen und die alle ^.üume durchtönende Schofarstimme hörend (Jes. 13, 3.) L^asch durchzieht die Zeit ihre ewigen Bahnen. Schnell rinnt Jahr um Jahr, die Welle um Welle in den Zeitenstrom dahin. Schnell, aber nicht lautlos; schnell, aber nicht spurlos. Unsichtbar sind die Schwingen der Zeit, doch laut vernehmbar ist ihr Flügelschlag, iv'x rr sv? er*. „Jeder Tag hat dem kommenden Tage. hat dem lebenden Geschlechte eine Kunde. eine Lehre, ein Gesetz zu verkündend All- Reiche der Welt, alle Gebiete des Wissens durchdringt der Ruf der Zeit. Was lange geschlummert im Reiche des Geistes, weckt der Zeiten Ruf zum Erwachen; was tief verborgen lag im geistigen Dunkel, ruft die Stimme der Zeit an's belle Tageslicht. Die Zeit weckt die Geister, schärft die Blicke, zerstreut die Nebel, verscheucht das Dunkel; ihr mächtiger Ruf durchzittert wie ein lauter Posaunenschall die Räume der Welt. Hört Ihr, meine Brüder und Schwestern, diesen lauten Posaunenruf der Zeit? Hört Ihr die Kunde, die der Tag dem Tage bringt? Hört Ihr die Gesetze, die jeder neue Tag verkündet, die Gesetze der mit der Zeit übereinstimmenden und dennoch in ihren heiligen Urpriu zipien nicht geschmälerten Glaubenslehre? Hört Ihr diese Stimme, dann wohl Euch. m. Br. u. Schw. dann werdet, dann müsst Ihr diesen Stimmen auch folgen, müsset und werdet sie auch beherzigen und werdet das Alles klärenden und erleuchtenden Zeit" geistes froh werden. — Doch wehe, wenn die Zeit leich!- beschwingt an uns vorüberrauscht und wir ihren Flügelschlag nicht hören; wenn die Zeit uns erreicht — wir aber unsere Zeit nicht erreichen; wenn wir noch schlimmer, während der Ruf der Zeit bereits Alles um uns her geweckt hat zur Thätigkeit; wenn wir unser Haupt von dunklen Nebeln umfließen lassen — während der Posaunenruf der Zeit bereits die vom hellen Lichte umflossenen Räume durchzieht. Kannst Du Dich freuen, mein Bruder, meine Schwester, das verflossene Jahr verlebt, das neue Jahr e r! e b i zu haben, wern du mit dem Jahre nicht gleichen Schritt gehalten; lvenn die Zeit dich nicht getragen und gehoben hat auf ihren unsichtbaren Schwingen; wenn du die Zeit in ihrem geistigen schnellen Siegeszuge durch die Welt nicht erreicht hast: wenn du zurückgeblieben bist hinter der Zeit?? — Was freust du dich dann des Jahreswechsels? Nicht für dich hat dann die Zeit ihren lauten Ruf erschallen lassen — du hast ihn nicht gehört. Nicht für dich hat dies Jahr mit leuchtenden Strahlen das geistige Dunkel durchdrungen; du hüllst dich ja noch immer in den Nebeln des Wahnes und des Vorurtheils. Mit andern Worten- Das Jahr hat dich, du aber das Jahr in seiner höheren Bedeutung nicht erreicht. Wehe, wer den Posaunrnruf nicht' hört, doppelt wehe, wer ihn mißversteht! Gar Manche lesen aus den Flammenschriftzügen, mit der die Zeit ihre Gesetze diktirt, was durchaus nicht darin geschrieben. Gar Manche hören ganz andere Rufe als die. die wirklich