Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Odesa 2× ep/1000834
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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den. ohne jede Arbeit. Sie sandten neulich einige Vertreter zum Gouverneur, damit er sie vom Hungertode rette. In Bialystock wurde die Halste der Arbeiter entlassen. die übrigen erhalten nur einen kläglichen Lohn, da der Verkehr mit anderen Städten stockt; die meisten dieser Unglücklichen sind Juden. In Odessa sind die Fallimente zahlreich; die armen Leute müssen darauf verzichten Fleisch zu genießen. In Minsk iss bei den Arbeitern die Noth unbeschreiblich; in ihrerVerzweiflung bestürmen sie die Bethäuser und erflehen sich Hilfe bei den Kultusbeamten. Zu Hunderten stehen sie da und haben keine Arbeit. In Wilna. Grodno. Mohilef, sogar in Lodz und Warschau ist die Lage ebenso mißlich. Um sich von dem Elend in Odessa Rechenschaft zu geben, genügt es, gewisse Anzeichen in den Zeitungen zu lesen, aus denen hervorgeht, in tvelche äußerste Noth jüdische Familien versetzt wurden. So macht z. B. eine jüdische Mutier folgendes bekannt: „Mein Mann liegt krank zu Bette; ich habe keine Arbeit, meine fünf Kinder sterben wörtlich vor Hunger. Erbarmt Euch meiner und rettet meine Kinder. Ich erkläre mich bereit, sie auf immer los zu werden, wenn sie nur nicht vor Hunger sterben sollen." Zur theilweisen Linderung dieses unermeßlichen Elends, hat die Allianz einen beträchtlichen Kredit eröffnet. So wird man der armen Arbeiterbevölkerung, namentlich in den großen Handelsstädten, wo jeder Verkehr stockt und wo die Handwerker arbeitslos sind, speziell in Warschau. Lodz u. s. w.. einigermaßen aus ihrer Noth heraushelfen. vermischtes. Frankfurt a. M. Unter den in der hiesigen Stadtbibliothek befindlichen Büchern, die einst Gustav Freytaa's Bibliothek bildeten, und von Leopold Sonnemann der Stadtbibliothek zum Geschenk gemacht worden sind, ist auch eine in zwei Banden veröffentlichte Sammlung ins Deutsche übertragener „Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder in Paris". Die llebersetzung ist 1784 in 2. Auflage ohne Angabe des Druckortes und Verlags erschienen, der Ueberseher verräth sich nur mit den Initialen X. R. Mit gutem Grund, denn die Briefe, die er im Jahre 1782 übersetzte, erhielt er einzeln von einein Pariser Freunde, so wie dieser sie von dem Verfasser, seinem Bruder, mit der Post empfing; er erhielt sie indessen nur zum Lesen, nicht zur Veröffentlichung, beging also mit der Publikation, wie er selbst in seinem Vorwort an den Leser sagt, ein kleines Schelmenstück an feinem Freunde. Der Autor äußert sich, wie Dr. A. Krüger in der „Frankfurter Ztg." miuheilt, über die jüdische Bevölkerung der Stadt folgendermaßen: „Die Anzahl der hier angesessenen Juden beläuft sich auf ungefähr 6000. ES gibt Millionäre unter ihnen, die in jeder Art des Aufwandes mit den Christen wetteifern. Ihre Industrie ist unbeschreiblich. Sie machen hier riagnerans, Sprach meist«, Tanz., Fecht-, Schreib- und Rechenmeister, Lohnlakaien usw. Wer sich in die Nähe ihrer Straße wagt, laust Gefahr, von ihnen erdrückt zu werden. Dutzendweis fallen sie die Fremden an und suchen ihnen ihre Waare» aufzudrängen. Die Häuser ihrer ringsum vermauerten Straße sirck bis unter das Dach mtt Leuten angefüllt, und in sieben Häusern, die vor einigen Jahren in derselben abbrannteu und zusammen kaum 50 Schritte in der Länge hatte», wohnten gegen 1000 Seelen. Dagegen wohnt in einem der größeren Häuser, die gemeiniglich den Reichsten zugehören, öfters nur eine Familie, welches ein Beweis von einem ungeheuer» Vermögen ist, indem die Hauszinse in dieser Straßvielleicht theurer sind als in irgend einer Gegend von London, Paris oder einer anderen große» Stadt. Der Magistrat hat das Gesetz gemacht, daß es platterdings feinem Juden erlaubt sein soll, außer dieser Straße zu wohnen. Er sah aber durch die Finger, und nun erneuert er periodisch dies Gesetz, um von den Juden, welche außer ihrer Straße wohnen, von Zeit zu Zeit eine außerordentliche Abgabe zu ziehen." Eydtkuhnen, 18. August. Ein schreckliches Unglück paffirte vorgestern Nacht. JnDembowa-Buda, deutsch Baud, 3 Meilen hinter dem nahen Pillwischkcn (Rußü), wurden infolge Brandstiftung das Wohnhaus und die Scheune des jüdischen Besitzers und Eigcnthümcrs M o r d e ch a i, sowie viel Futter- und Gctreide-Vorräche und Vieh durch Feuer vernichtet. M. rettete sich durch einem Sprung aus dem Fenster, da die Thüren von außen von ruchloser Hand verrammelt waren. Der alte Handelsmann Abraham Jtzig Sorgmann aus Pillwischken und ein zugereister S o f e r (Thoraschreiber), welche in der Scheune übernächtigten, fanden in den Flammen ihren schauderhaften Tod. Die gänzlich verkohlten Leichen wurden gestern auf dem jüdischen Friedhof in Pillwischken beerdigt. Sorgmann hinterläßt eine Frau mit Kindern, darunter eine jüngst erst verlobte Tochter. Das traurige Ende desselben wird allgemein'bebauen.. - Eduard Segall. — (Der Traum deS Zaren.) Durch einen alten Abonnenten aus Russisch-Polen erfährt der „Gesellige" von einem eigenartigen Traum dcS Zaren, der dort — natürlich im „geheimen" — viel kolportiert wird. Dem Zaren träumte, er sehe drei Kühe: eine fette, eine magere und eine blinde. Nervös und auch abergläubisch, wie der Zar sein soll, ließ er nach dem Erwachen — gerade wie zu Josephs Zeiten — im Lande nach einem Traunrdeuter such.n, welcher auch bald ermittelt wurde und den Traum folgendermaßen auslegte: „Die fette Kuh, o Zar, ist Deine Intendantur, die magere Deine Armee und die blinde Kuh bist Du, großer Zar selbst." — ES ist nicht gesagt worden, ob der Traumdcuter dafür so reichlich belohnt wurde wie Joseph in Aegypten — verdient hätte er er sicherlich. Kiew. Hieselbst sind vor einigen Tagen die hebräischen Schriftsteller Lazar Schulmann u. L. L. Weißberg verstorben. Beide haben sich um die neuhebräische Literatur namhafte Verdienste erworben. fclf BfBf Reit" Roman aus unserer Zeit, von Carl Zander, „v» Stk Elt» , M,t Titelbild ».zahlreichen Textilluftrationen. Berlür kw^ssl’ ^^0 Mark. Vertag Gadetsberger. . Der bekannte Neichstagsstenograph und Arzt Dr. Zander fuhrt uns ui diesem modernen Roman an Bord eines der Ozeannesen und läßt unS theilnehmc» an einer romantischen LebenSepisode voller Kämpfe. Erinnerungen u. Hoffnungen. Wir machen dadn in höchster Spannung, geleitet durch zahlreiche runstlerrsche Textilluftrationen, auf einem der modernen Ozean» domvfer die «eereffe in die Neu' Welt mit allen ihren Reizen mit. die heute, wo die Weltausstellung in St. Louis Tausende, über.den .Groben Teich' lockt, auch diejenigen auf» höchste be» friedigen wird, die sie nur im Geiste zu machen in der Lage