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Der Israelit · 1904-09-01 · Heft 70 (1.9.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 70 (1.9.1904)
Date
1904-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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hast Neigner abgewlesen, weil Du mich lieber hast als ihn?" Sie neigte zustimmend das Haupt, während helle Nöthe ihr reizvolles Antlitz überfluthete. „Du hast mich recht verstanden. — Deinetwegen habe ich Weigner's Antrag nicht angenommen, weil ich Dich lieber habe als alle Menschen." l*in unartikulirter Freudenlaut entrang sich seiner Brust, er preßte ihre Hand an seine Lippen mit einer Kraft, die sie erzittern machte. „Otto, ich bitte Dich um alles in der Welt, rege Dich nicht so auf!" „Ach, laß mich doch, ich rege mich nicht auf, ich bin doch so ruhig und so glücklich. — Und ich weiß auch, daß Gott mir verziehen hat, denn er hat mir seinen Engel geschickt, auf daß er mich behüte auf allen meinen Wegen. — Jetzt bin ich geborgen." Die Augen waren ihm zugefallen und bald verriethen seine ruhig gleichmäßigen Athrmzüge, daß er schlummerte. Vorsichtig entwand sie ihre Hand seinen sie umschlingenden Fingern und entfernte sich leise. Erna's Befürchtung, daß die übermächtige Aufregung dem Kranken schaden konnte, bewährte sich nicht, er fühlte sich im Gegentheil kräftiger als zuvor. Die innere Ruhe und Sicherheit, die seine Brust erfüllte und die er seit Jahren entbehrt hatte, thatcn ihm unendlich wohl. Er behauptete sogar, an dem heranriahenden Versöhnungstage fasten zu können. Davon wollte jedoch der behandelnde Arzt nichts hören, und Erna bestand darauf, daß er sich dessen Anordnungen fügen müsse. Derselbe gestattete jedoch, daß er in der für Kranke vorgcschriebenen Weise am Versöhnungstage Speise und Trank zu sich nehmen könne, und Erna war den ganzen Tag an seiner Seite, Speisen und Getränke für ihn abzumessen und ihm die Hauptgebete vorzulesen, damit er sie nachsprechen könne. Seit seiner Kindheit hatte er den hehren Tag nicht in solch weihevoller Stimmung verbracht und als er vorüber war, fühlte er sich wie neugeboren. 1 1 Bald nach den Feiertagen war er so weit hergestellt, um die beim Rücktritt vorgeschriebene Ceremonie vornehmen zu können. Nur der Arzt und der Seel* forger der israelitischen Gemeinde erfuhren seinen Namen, denn Keßler hielt sich überzeugt, wenn die ihm vom Pfarrer an getraute Frau erfahren würde, daß er am Leben, so würde sie zu ihm eilen und wäre er am Ende der Welt. Das hatte sie ihm oft und oft erklärt. Er beabsichtigte daher Europa zu verlassen und in der neuen Welt unter einem neuen Namen seine ärztliche Praxis wieder auszunehwen. Gleich am nächsten Tage nach seinem Rücktritt trat er seine Reise an nach Bremerhafen, wo er Erna erwarten wollte, die am selben Abend in Begleitung einer anständigen Frau, der ein in Amerika wohnender Sohn eine Ileberfahrtskarte geschickt hatte, abreiste. Gleich nach ihrer Ankunft in Amerika ließen sie sich trauen. Jnr Hauke des Professor. Keßler herrschte größte Bestürzung, der Hausherr war über Nacht nicht heimge kommen. Steffi war außer sich, sie hatte ihn seit den Morgenstunden nicht gesehen, seit er sie in erbittertster Stimmung verlassen. Sie hatte ihm eine Scene gemacht, er hatte ihr erklärt, seine Geduld wäre zu Ende. Was er' damit hatte sagen wollen, wußte sie nicht, er vermutylich auch nicht, denn er hatte es ihr doch schon unzähligeMal gesagt. — Er war auch wieder nach Hause gekommen, das wußte sie. sie hatte ihn zwar nicht gesehen, denn trotz ihrer Aufforderung hatte er seine Thür nicht aufgeschlossen, er wolle schlafen, fühle sich nicht wohl. — Du mein Gott! da schließt man sich doch nicht ein! — Denn wer hätte ihm besser sein Unwohlsein vertreiben können als seine Steffi, die ihn über alles liebt. . (Schluß folgt.) Der „Israelis erscheint w5ch€ütlfc!i Kweimal, lQoniag« find Donnerstags, iedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Onchhandel verkehr! durch D. Zf. Olrinackrr. Leipzig.Tlotzplah ZV. — Inserate25Pfenntzdie vierqefpaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die reden Dienstag und Freitag erscheinendes^Kleine Ausgabe deS Jöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der .Kleinen Ausgabe"' längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vkerielsahr, indcß ausschließlich bei der Post aus dieselbe unter Nr. 3923 abonniren Auf Wunsch stunden wir die Zühlmrg deS JnsertionöbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solche«. Die zionistischen Zioillingsbrüder. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. K'önigSdosen. SIuS dein Nea.-Bez. Osnabrück. Ungarn: Budapest. — Vermischtes. — Feuilleton: Wahrheit und Dichtung. (Fortsetzung). «rU-n C.iicaf: Tie Misrachiconfcrenz in Preßdurg. (Schluß). — Zeitungsnachrichten und 'Correspondeuzen: Deutschland: Memel. — Vermischte-. fccj jvjfUm Cr’.isc«: lim waS sollen wir beten? (Schluß). - Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzen: Deutschland: Stuttgart. Nus/.ond.: Velercdurg. — Vermischtes. l7.:^actlon: OLear Lehmann in Mains. — Expedition de» JfKccdtt*. SSottstraße Ar 2. Mainz. Dru2 und Verlag der od. Qirth12en vokduchdruckeret Adlen-Selellschast in Main». HZsrm zwei Belagert.

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