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Der Israelit · 1904-09-01 · Heft 70 (1.9.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 70 (1.9.1904)
Date
1904-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1484 Rede hinausgmg und die bewies, wie sehr man seitens der kgl. Behörden die Bestrebungen der Israeliten Königshofens zu würdigen weiß. Er pries den Opfersinn der Kultusgemeinde, welche trotz der geringen ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein Gotteshaus er- - richtete, das in gleicher Weise der Gemeinde und der Stadt zur Zierde gereiche, betonte mit Recht das schöne Einvernehmen zwischen den Konfessionen unserer Stadt und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unseren vielgeliebten Prinzregenten, dem Hort des Friedens und der Humanität. Herr Distrikts- Rabbiner Dr. Kohn hielt eine einstündige Weiherede. Redner verbreitete sich über die Bedeutung des Gotteshauses und über die Wirkung, welche von demselben ausgehen soll, wies darauf hin, daß die Gesetzestafeln, die innen angebracht seien und weithin sichtbar auch am Giebel der Synagoge ragen, mahnen sollen, das Leben im Gotteshaus mit dem Leben außerhalb desselben in Einklang zu bringen., führte aus. daß im Gotteshause die Nächstenliebe gelehrt und die Vaterlandsliebe gepflegt wird und schloß mit den Worten, daß nicht Vrunk und Reden ein Gotteshaus weihen können, sondern nur wahre Gottesfurcht und Tugend. Die der Form und dem Inhalte nach meisterhafte Rede ergriff sichtlich alle Herzen und übte einen nachhaltigen Eindruck aus. — Im Archiv für den Amtsbezirk Königshofen im Grabfeld veröffentlichte in Rr. 46 Herr Spitalpfarrer Dr. Frank ..Gedanken eines Christen bei der Einweihung der jüdischen Synagoge zu Königshofen i. Gr. am 29. Juli 1904", welche ein wahrer ett»n trip sind und bei der ganzen Bevölkerung den tiefsten Eindruck hertorriefen. .Königshofen, 24. Aug. Heute starb dahier ein Mann, der es verdient, zu den nwrr pnat gerechnet zu werden, der bischöfliche Geistliche Rath. Herr Dr. Friedrich Frank, Pfarrer am hiesigen Elisabethen- Cpital, im Alter von 72 Jahren. Der Verstorbene gehörte lange Zeit dem Bayerischen Landtage und dem Reichstage an und war in Wirtheim, Preußen, geboren. Seine schriftstellerische Thätigkcit verschaffte ihm großen Ruhm und Ehre; großes Interesse hegte er ganz speziell um die Judenfrage und trat mit aller Energie den antisemitischen Unwahrheiten entgegen. Er schrieb u. a. über „Die Kirche und die Juden". „Der Ritualmord". „Die Schächtfrage". Bücher, »velche selbst in antisemitischen Prozessen eine Rolle spielten. Seine Werke wurden auch in Ihrem geschätzten Blatte schon dcs öfteren gebührend gewürdigt und verschaffen ihm für alle Zeiten ob ihrer Offenheit. Gründlichkeit undlauteren Wahrheit einen unsterblichen Namen und den Dank des jüdischen Volkes. Mögen Viele von ihm lernen, sein Quellenstudium nachahmen und die Reinheit seiner Gesinnung und Handlungsweise, seine Nächstenliebe und Toleranz in Wort und Schrift zu erstreben. AnS dem Reg.Bcz. Osnabrück, 28. August. Gegen das bekannte Nrtheil der Osnabrücker Strafkammer. über welches wir bereits berichtet haben, hat die Staatsanwaltschaft Revision beantragt. Damit ist die Möglichkeit gegeben, dieser unerquicklichen Angelegenheit noch eine günstige Wendung zu geben. In maßgebenden Verwaltungskreisen ist man der Ansicht, daß das vorliegende Urtheil dom Kammergericht aufgehoben werden wird. Ungarn. Budapest. (Ein Opfer des Judenhasses.) Ein Vorfall, welcher wieder einmal zeigt, wie wenig unsere vielgerühmte europäische Kultur über den Judenhaß, das einzige Gemeinfamkeitsgefi?hl aller nichijüdischen Gesellschaftsklassen, vermag, spielte sich vor einigen Tagen in einem slovakischen Dorfe ab. In Brodno, einem kleinen Orte in der Nähe von Sillein, war in Folge der anhaltenden Dürre ein großer Theil des Dorfes abgebrannt. Ein junger Eisenbahnbeamter aus Sillein. Herr Wlassics (ein Neffe des gewesenen Kultusministers von Ungarn) war in Zivilkleidern nach Brodno gekommen, um das abgebrannte Dorf zu besichtigen. Kaum war der junge Mann erblickt worden, als er von den Bauern ergriffen und mit dem Rufe: „Das ist der Jud', der unser Dorf angezündet hat", in das Dorf geschleppt wurde. Der junge Mann, der die slovakische Sprache nicht beherrschte, konnte den wüthenden Bauern nicht erklärlich machen, daß er lein Jude sei und mit dem Brande in keinerlei Zusammenhang siehe. Die Bauern banden den jungen Mann an ein Seil und schleiften ihn, während die Kirchenglocken geläutet wurden, durch das Dorf, wobei Männer. Weiber und Kinder mit Sensen, Dreschflegeln und Stöcken ans ihn losschlugen. bis er unter den schrecklichsten Martern seinen Geist aufgab. nachdem er bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden war. Mit Befriedigung meldeten hierauf die Bauern dem aus Sillein berbeigeeilten Gerichtsorgan, daß sie den „jüdischen Brandstifter" bereits gestraft hätten. Und dieser Vorfall, der uns empören würde, wenn er in der ärgsten Zeit des finsteren Mittelalters geschehen wäre, ereignete sich im 20. Jahrhundert in Ungarn. vermischtes. London. (Ein neues jüdisches Parlaments- Mitglied.) Der wegen seiner großen Tüchtigkeit bekannte Advokat und Kings Counsul (Justizrat) RufuS Daniel Jsaacs ist in, Wahlkreis Reading zum Mitglied des Unterbaues gewählt worden. Mr. Rufus Jsaacs gehört der liberale» Partei an.

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