Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1482 sie der Misrachi in allen Glühöfen der Welt dem orthodoxen Gewissen zurechtkaschern sollte. Unter den Rechtfertigungsversuchen, die der Misrachi zur Heiligsprechung der zionistischen Bestrebungen unternimmt. ragt als der mit der größten Vorliebe angewandte die Identifizirung des Zionismus mit re**’ torv px hervor. Wir haben bereits in früheren Artikeln nachgewiesen, daß diese Identität nur eine scheinbare sei und ihre Annahme nur einer mangelhaften Einsicht in das Wesen des Zionismus entspringe. Vergebens markiren die Misrachisten die Figur des orthodoxen Sem. der die Blöße des betrunkenen Vaters verhüllt. Die abschreckende Nacktheit tritt überall sichtbarlich hervor. Allein selbst zugestanden, die Identität beruhe auf Wahrheit, der Zionismus sei in der That nichts anderes als eine ^xv px -Bewegung — wie nun. wenn der Nachweis uns gelänge, daß auch diese eine, letzte Stütze morsch und völlig unfähig sei. den Misrachi auf dieDauer über Waffer zu halten? — Rabbiner Roth schreibt in seiner Broschüre gelegentlich der Besprechung der Kolonisationsbestrebungen von tza amrbtp *zx 'n in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf'S. 47: ..Auch ist es mir nicht bekannt, daß dessen Deduktionen von gesetzestreuen. gelehrten Kreisen irgendwie angesochten worden wäre." Kalischer's Deduktionen haben aber thatsächlich den schärfsten Widerstand hervorgerufen, und zwar, neben zahlreichen Größen der da-, maligen Zeit (vgl. tx). bei keinem Geringeren a l s Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A.. dem K a l i s ch e r die Leitung des Ganzen, die Aus - führung seiner Projekte übertragen wollte. In einem 1886 abgefaßten, an Herrn Jakvb Lipmann L i p s ch i tz in Kowno gerichteten Schreiben, von dem der Adressat meinem Vater. Herrn Rabbiner Dr. Breuer dieser Tage eine Abschrift zugehen ließ, berichtet Rabbiner Hirsch über seine Korrespondenz mit Kalifcher. Da dieser Brief das allgemeinste Interesse Hervorrufen dürste, bringen wir ihn an dieser Stelle wörtlich zun» Abdruck. Nach den schwerverdoulichen Darbietungen des Preßburger „Welt"-Kongresses (die Weltlichkeit dieses .Kongresses steht außer Frage: die Geistlichkeit hat sich in mustergültiger Weise fern gehalten^ wird er als anregendes Dessert seine Wirkung nicht verfehlen. Der Brief lautet wie folgt: p vb vom *o er* a'x CTepiscß a*a sm ixr.eaai aaa:n aim '«n cara -raa*? zbv "z pvwb nba apr vnae eva es ex arr^an -z wSsa *v.aa an 'rvw ress an pan -px 'tb mxpa ex '3 wen xbi 'Va pxp* evn mm 'tb c*nya van.ba "W^xp "naa m?ex "vx m bv wob pxi nc*xa 'irna *e,;x,r b jrn' *b av rnx bt mW'bxp vaab s^nsa asrav -r:"a >:x 'a nbv. bx aaa ew» ajav nvbvc '«« ar >x av pxa '.t«xs vxrh -revb awn mram rzra rx aaye *:x *xr px bs nraia bx xa 7?&zb tot m ai-s ’xa prA rrrpai .mrc» nax «Er» aVict >;’7a xra ‘:urr' adiaz aixab aca arx rtx 2 aia xab bda ->r?ex x sa ex: ara x^ naa? arrxTX3RS tx per vbx 'narr *a p n:vn pzzb 'rsr tcx cbvn: man rma ex -a rra tx px rsr dxei r.aea xxb p pre» *pa e'ca aba vrprr. *"a:e .b-n n Z u deutsch: ^Jn aller Kürze theile ich Ihnen mit. daß wir von dem Gelde. das Kalischrr gesammelr und, wie man sagt, hier bei uns liegen soll, nicht to* Geringste wissen. Das ist auch nicht zu verwundern. War ich doch ein ausgesprochenerGegner Kalischer's in dieser Angelegen heit. Derselbe schrieb mir des Oefteren, sandte mir seine Schriftrn und drang in mich, sein -x mm-Projekt selbst in die Hand zu nehmen. Schließlich kam er mir Zurechtweisungen: ich verhindere das Herannahen der rb'.x: und was dergleichen Narrheiten mehr sind. Hierauf ersuchte ich ihn, von mir in dieser Angelegen heit abzulaffen. da mir dasjenige, worin diese Herren ein großes Pflichkgebot sähen, als eine nicht geringe Versündigung erscheine. weßhalb es ganz unmöglich sei. mit ihm in dieser Beziehung gemeinschaftliche Sache zu machen. Zugleich schrieb ich ihm meine Gründe, und die Sache war erledigt." Angesichts dieser hochbedeutsamen Aeußerung eines unserer Größten, schrumpft der Misrachi. seiner letzten Stütze beraubt, in sein lächerliches Nichts zusamm.en und dürfte auch der Versuch des Herrn Oberrabbiner Roth in Papa. Rabbiner Hirsch zum Zionisten zu stempeln und als Fundament seiner litterarischen Luftgebilde zu mißbrauchen, als endgültig gescheitert zu betrachten sein. Möge dieses Schreiben seine Wirkung nicht verfehlen und alle Diejenigen, die gewohnt sind, in Hirsch's Spuren zu wandeln, in ihrer antizionistischen Haltung befestigen. Die Wirkung auf die Misrachisten selbst iss zum mindesten Zweifelhaft. An diesen harten Köpfen prallt auck Dynamit wie Gummi ab. Das Unbegreiflichste. hier wird's Ereigniß. Unverfroren genug, Preßburg gerade als Versammlungsort zu wählen, haben sie sich außerdem den Elul gerade zum Termin erkoren. Unter den Klängen des Schofar ward der Misrachi eingesegnet. Spurlos gehen die Tage der Selbstbesinnung an ihm vorüber. Ob auck die Flutben des Tischrimonats nicht mächtig genug sein werden, ihn mit dem alten Jahre hinwegzuspülen?