Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1904)
- Date
- 1904-08-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1465 Aber wenn ick bedenke, daß Ihr Euch schon ängstigt, wenn ich nur noch Veßprim fahre, so darf ick auf eine Erlaubnis», für eine größere Reise gewiß nickt rechnen." ..Diese letzte Folgerung ist nicht ganz richtig." entgegnete der Gras. „Die Mutter würde Dick viel unbesorgter Z. B. nach Wien fahren lassen als nach Veßprim. Wir haben gerade gegen diesen Ort einige Bedenken aus früheren Zähren her. die ich Dir einmal gelegentlich mitthcilen will. Gegen eine Reife sonst für geschäftliche Zwecke hätte ich eigentlich gar nichts einzuwcnden, vorausgesetzt, dass die Mutter einverstanden ist." „Ich werde mich hüten, immer als diejenige zu gelten, die Dir. lieber Ignatius, jede Freude vergönnt." bemerkte etwasgereizt die Gräfin, „wenn der Vater mit einer Reise einverstanden ist. so bin ich es auch." Dieser war gerade damit beschäftigt, die auf einer silbernen Platte ihm gereichten Briefe durckzuschen, wodurch ihm die Bemerkung der Gräfin ganz entgangen war. „Da hätten wir schon einen Fall." unterlrach sich der Graf, indem er einen soeben durchgelesenen Brief Ignatius hinreichte, „wo ich einen guten Vertreter sehr wohl gebrauchen könnte. Gin Bauunternehmer von Szegedin hat von unserem Gut in Tisza Fürcd kür SOOÖ Gulden Bauholz gekauft. Der Käufer steht schon viele Jahre mit uns in Verbindung, aber er ist ein Nörgler schlimmster Sorte. Gewöhnlich stellt er uns die Maare auf Grund irgend welcher Ausstellungen zur Verfügung und es ist sehr schwer, das Bauholz wieder zurückzutransportircn. Von Tisza Fured nach Szegcdin wird es in großen Flößen die Theiß hinabgesckickt. was fast kostenlos ist; aber zurück kann man sic auf diesem Wege nicht gehen lassen, weil ste stromaufwärts nicht treiben. Das weiß der Spitzbube ganz aut. wahrscheinlich hat er nicht ein einziges Stück mehr von dem gekauften Holz, aber einstweilen rcllamirt er. daß das Holz nicht dem Abkommen gemäß geliefert roorden sei und erklärt, er könne es nicht annehmen. Run handelt es sich darum, in Tisza Füred die Bedingungen im Original einzusehcn. unter welchen der Verkauf abgeschlossen wurde, und dann nach Szegedin zu reisen. Dort ist zu lonstatiren. ob unser Holz wirklich noch da ist. oderwahrscheinlich schon längst verbaut wurde. In letzterem Falle ist dem Bauunternehmer zu erklären, wir wollten das Holz zurücknehmen. Da aber das unmöglich ist. so steht der Spitzbube da. als das was er ist. Sollte aber gegen Erwarten das Holz wirklich noch da sein, so muß man einen Advokaten in Szegedin annehmcn und ihm den Nachweis in die Hand geben, daß wir unseren Verpflichtungen nachgekommen sind. Tos ist olles gar nicht so leicht; würdest Du einen solchen Auftrag übernehmen können?" „Ick glaube ja." entgegnete nach kurzer Ueberleguna Ignatius. „Laß* mich's einmal versuchen." ..Wann willst Du reisen?" fragte der Graf. „Die Sacke verträgt leinen Aufschub." „Ich bin jederzeit bereit." erwiderte Ignatius. „Rur heute möchte ich noch meinem Hilfsarbeiter mit der neuen Scheide die nöthigen Unterweisungen geben. Das Wichtigste ist bereits bei der Vermessung fertig, und das was noch feblt. kann jetzt der Arbeiter allein fertig macken, er ist ein ganz anstelliger Mensch." „Also, auf die Mutier kommt's noch an." bemerkte der Graf, sich an die Gräfin wendend, „bist Du damit einverstanden?" „Ick. habe ia schon bemerkt, daß ich einverstanden bin. wenn Du es bist^ wie lange kann denn die Reise dauernd" fragte di? Gräfin. „Genau läßt sich das nicht voraus bestimmen." erwiderte der Gras, „aber drei Wochen zum mindesten, wenn alles glatt nach Wunsch geht. — Ich will Deinen Wagen und die sonstigen Vorbereitungen für die Reise besorgen, soweit sic nicht in das Fach der Mutter einschlagen. Willst Du außer dem Kutscher Stephan noch einen Diener milnehmen?" „Rein. Vater, er würde mich nur stören, der Kutscher genügt vollkommen," entgegnete Ignatius. „Tic zwei Rappen nehmen wir mit und Sattelzeug, damit ich, wenn mir das Fahren zu langweilig wird, einen Theil des Weges reiten kann. Jetzt aber will ich in den Wald, damit ich zeitig wieder zurück bin." Der Graf erhob sich, um von seinem Arbeitszimmer aus das N'öthige für Ignatius' Reise zu veranlassen. Die Gräfin ließ aus Küche und Keller das Beste zur Wegzehrung für die lange Abwesenheit hcrbeibringen und Ignatius ging auf sein Zimmer, das er eine halbe Stunde später verließ um mit Hirsch Pavpenheim seiner; Gang in den Wald zu machen. Als sie das Hofthor hinter sich geschlossen hatten, sagte Pappenheim: „Sie haben vergangene Nacht wenig geschlafen; ich habe noch um 3 Uhr Licht in Ihrem Zimmer gesehen, Sie sehen auch wirklich bleicher aus als sonst." „Ich glaube nicht, daß das von meinem geringen Schlaf herkommt: obwohl ich die ganze Nacht wirklich keinen Äugenblick schlafen lonte. Es kommt von der erklärlichen Aufregung der jüngsten Tage abgesehen, noch von der Steigerung derselben her. die sie heute Morgen bei mein-n Pflegeeltern erfahren hat. In meinem Leben erinnere ick mich nicht, daß ich je einmal gelogen habe; heute habe ich's zum ersten Male qethan: und ich bin über mich selber erschrocken, wie leicht und glatt mir's über die Lippen ging, ohne daß ich auch nur mit dem Auge zuckte." Gr erzählte mm seinem erstaunten Begleiter die Unterredung, die er soeben hatte, daß er morgen abreiscn werde und zwar nach Tisza-Füred. Bon da ab wolle er noch einmal geschäftlich feinen Pflegeeltern I schreiben und dann die Flucht in der Richtung «ach