Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-08-29 · Heft 69 (29.8.1904) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 69 (29.8.1904)
Date
1904-08-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450050--61321-2524107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1464 achten sll er 1 he Erscheinung beobachten, bas; diese- Blatt, i das bisher unverfroren für die Unterdrückung der ] Juden eintrat, mverding» Artikel bringt, in denen einer humaneren Behandlung der Juden, einer Zweite» ung ihrer Rechte u. s. w. das Wort geredet wird. Bei der Disziplinlosigkeit der russischen Presse, die es mir sich bringt, daß ein und dasselbe Blatt gelegentlich ganz entgegengesetzte Auffassungen vertritt, bedeutet die in Rede stehende Erscheinung allerdings noch nicht, daß nun die ..Rowoje Wremja" auch als solche sich auf einen, anderen Standpunkt in der Judenfrage stellt; aber immerhin ist es erfreulich, daß sie jetzt in dieser Frige einer soviel duldsaineren Auffassung Raum gibt und wenn sich auch in diesem Fall das bekannte Re nommoe der ..Rowoje Wremja" bestätigt, daß sie näm lich eine vorzügliche Spürnase dafür bat. aus welcher Gegend jeweils der Wind in den maßgebenden Streifen webt, so darf man diese Thatsache vielleicht als eine Bestätigung der in der letzten Zeit zahlreich umherschwirrenden Gerichte ansehen. wonach in der Tbat eine Revision der Judcngcsetzgebung in fortschrittlichem Sinn im Werk sein soll. Warschau. Unter dem Titel «Der Antizionistsall. wie der hier erscheinenden Tageszeitung „Hazefirah" gemeldet wird, demnächst in Wien eine Wochenschrift zu erscheinen beginnen. Das Blatt soll ein Kampforgan gegen den Zionismus sein. Wie verlautet. soll eine hervorragende publizistische Persönlich teit, die einss selbst eine Führerrollc im zionistischen Lager einnabm, später aber aus innerer Ueberzeugung dein volitifchen Zionismus den Rücken kehrte, mit der Redaktion des genannten Blattes betraut wor^ den sein. Lodz (Rußland). Von hier wird im Namen der Rabbonim und Zadikim von Polen, Lithauen und Galizien ein Aufruf verbreitet, in welchem unter der Neberschrift «itz rwyS rs" vor dem Anschluß an die Misrachim. namentlich vor Rabbiner Reines-Lrda ge lvarnt wird. Feuilleton. Wirre vereitelte Wochzeit. von W. Watznev. v» xiv. Als am anderen Morgen der Graf und die Gräfin zur gewöhnlichen Stunde sich in das Frühstückszrmmer begaben, welches unmittelbar an das Schlafgewach streß, nuiren sie erstaunt, Ignatius schon bei Tisch: zu finden. „Du mußt spat nach Hause gekommen sein, Ignatius.- sprach die Gräfin, «bis Mitternacht Hutten wir Dich noch erwartet, um so weniger hatten wir Dich schon jetzt hier vermuthet. Hast Du denn ousgeschlasen?- «Bollkommen, liebe Mama, kurz nach eins war ich zu Hause und jetzt ist's ja schon sieben,- entgegnete Ignatius. «Wir waren schon ein wenig ängstlich, weil Du so lange ausbliebst,- bemerkte die Gräfin. ..Hätte ich von Deiner Fahrt nach Beßprim gewußt, ich wäre vielleicht dagegen gewesen, wenigstens hätte ich aber geratben. daß der Vater Dich begleiten soll.- «Der Vater mich begleiten?- fragte Ignatius. Ich dachte, wenn der Vater eine Reise zu machen hat. sollte ich ihn begleiten, damit er zur Bedienung und für alle Fälle Jemand bei sich hat. Aber warum sollte man mich begleiten; ich bin bald siebenzchn Jahre alt, ich fürchte Niemanden, wer sollte auch mir etwas zu Leide thun? Wenn man. wie ich. Jahrein Jahraus hier auf dem Scklosse lebt, da zieht's einem wirklich hinaus. Beßprim ist doch eigentlich ein langweiliger Ort. besonders wenn man seine paar Stunden dort zumeist in einer Schmiedewertstatt zubringt, aber ich bin so froh, nach langer Zeit wieder draußen gewesen zu sein, daß ick eine wahrhafte Sehnsucht habe, wieder einmal hinaus zu kommen." «Wir werden ja in einigen Wochen Thienv verlassen und den Winter in Wien verbringen." entgegnete der Gras. ..Da kannst Du Deinen Drang, der Dich hinaus in die Welt zieht, mehr als befriedigen: meinst Du nicht?" «Wenn ich Dir meine Meinung aussprechen darf.- antwortete Ignatius, «so stimmt sie hier nicht ganz mit der Deinigen überein, lieber Vater. Wohl freue ich mich schon lange auf unsere Uebersiedelung nach Wien, aber nicht um mich in das dortige bewegte Leben zu stürzen, sondern um die Universität daselbst zu besuchen. Darauf freue ick mich ungemein, aber ich werde dann viel mehr zu Hause, ja in meinem Zimmer und binter.meinen Büchern sitzen als hier. Von der Welt werde ich nicht viel sehen und prositiren, wenigstens von der Welt nicht, die außerhalb meiner Studien liegt. Deßhalb wäre ich so froh, wenn ich vorher noch irgend eine Reise machen und dabei das Rützlicke mit dem Angenehmen verbinden konnte. Ich meine namlick keine Vergnügungsreise, sondern eine Reise, die Dir etwas von Deiner Arbeit abnimnit. Wie oft höre ick Dick sagen, da und dort sollte ich selber sein, fast jede Post bringt Berichte von den Gütern, die Dich bedauern lassen, daß Du Dich nicht persönlich nach den Gütern wehr umsehen kannst. Für einen solchen Zweck meinte ich. daß Du mich einmal auf die Reise schicken sollst, wenn auch nur zur Probe, ob ich I einen von Dir erlheilten Auftrag richtig ausfuhre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.