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Der Israelit · 1904-08-29 · Heft 69 (29.8.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 69 (29.8.1904)
Date
1904-08-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1463 Auffassung dem Israeliten speziell als Geschäftsmann anhasten. Kränkend kann es nun für einen israelitischen Geschäftsmann sein, in diesem Sinne als Jude bezeichnet zu werden, wenn er. vulgär gesprochen, gar nichts von einem „Juden" an sich Hai. d. h. wenn er nn Geschäftsverkehr sich eines tadellosen Verhaltens befleißigt. Hai er sich aber in seinem Geschästsgebahren Inkorrektheiten zu Schulden kommen lassen, die nian geneigt sein kann, auf Rechnung seiner Abstammung zu schreiben, so kann er sich darüber nicht beklagen, wenn man ihm dies zu verstehen gibt. Eine solche Kritik seines Geschäftsgebahrens. wie sie eben landläufig ist. must er sich eben gefallen lassen." (Siehe „Blätter für Zürcherische Rechtsprechung"!I l. Band. Nr. 104). Dänemark. Kopenhagen, 22 August. Wie ich Jhn.en früher geschrieben, traten, nachdem unser beliebter und ver ehrter Rabbiner und freund Dr. H. Goitein vor einem Jahre durch einen allzufrühen Tod uns c .trisscn worden, einige Mitglieder zusammen, um ein Eomit,'- zu bilden, das zu seinem Angedenken ein Legat errichten und zugleich ein Denkmal auf sein Grab sehen wollte. Es zeigte sich schnell, dast dieser Gedanke ein glücklicher war. denn überall, in allen Kreisen, fühlte man üch diesem wackeren, selbstlosen Manne gegenüber verpflichtet, man enivfand es als eine Art Anerkennung seines kurzen, segensreichen Wirkens hier, seinen Namen in unserer Gemeinde bewahrt zu wissen und gleich nach dem Aufruf an die Gemeinde strömten die Beiträge von Hoch und Niedrig, von Armen und Reichen, zahlreich herein, so dast bereits im Frühjahr die Summe des Legats bestimmt werden konnte, dessen Zinsen alljährlich einem würdigen Lehrer der jüdischen Religion zufallen sollen. Gestirn, an dem Sterbetage von Dr. Goitein. fand die Enthüllung statt, die sich zu einer stimmungsvollen, erhebenden Feier gestaltete. Laut Bestimmung des Comiti-s und dem Wunsche der früh Verwittweten sollte diese Enthüllung ohne besondere Arranqements. einfach und vrunklos, vor sich gehen, ganz im Sinne des verewigten Lehrers und Führers. Und mit diesem Gefühl waren wir auch an seine Ruhestätte gekommen — gleich als ob uns ein gemeinsames Band des Friedens und der Wehmuth umsvannfe — hier beherrschte uns Alle e i n . Gedanke. ein Gefühl, indem wir ihm. dem Treuen, das letzte äußerliche Zeichen der weit übers Grab fortdauernden Liebe gaben, das Bewußtsein: hier ruht unser Bruder, unser unvergeßlicher Bruder, der milde und voller Liebe unter uns wandelte und dessen gute Eigenschaften wir. trotz der kurzen Spanne Zeit seiner Thätigkeit hier, doch zu schätzen und anerkennen Gelegenheit hatten. — Beim Schacharis-Gottesdienst wnrde anläßlich des Tages ..El mole Rachamim" gelesen und am Fried Hofe das — aus Sandstein errichtete — Grabmal enthüllt, und dem Repräsentantrn- Eollegium zum Schutze und zur Pflege übergeben. Der Wortführer des ComitL s. Herr Dr. E. Salomon (zugleich Mitglied der Repräsentanten und Religionsschul Verwaltung) hielt hierzu die Ansprache nnd zeichnete ein getreues Bild des uns entrissenen Rabbiners, schilderte dessen großen Vorzüge seiner Gerechtigkeit, Opferfreudigleit. seine Gelehrsamkeit und seine nie rastende Lust zum Wirken und Belehren, besonders hätte er verstanden, der Jugend begeistertes Interesse abzugewinnen für unsere Heiligthümer, Derständniß für das Judenthum, das er nicht nur Scbabbos um Schabbos in seiner meisterhaften Predigten, sondern auch in dem Privatunterricht voller Eifer und Milde, verkündete. An den Text mehrerer von dem Verewigten hier gehaltenen Predigten erinnernd, schloß Herr Salomon seine Rede, indem er auch der Wittwe einen besonderen Dank sagte, weil sie ihre Zustimmung zum Errichten dieses Denksteins gegeben und selbst darauf verzichtet hatte!! Die Repräsentanten nahmen den Denkstein dankend entgegen und versprachen, denselben zu aller. Zeiten pflegen und wahren zu wollen, daß der Name des Verstorbenen nie aus der Gemeinde entschwinden solle! Tief geröhrt nnd bewegt sprach darauf Herr Rabbiner Dr. B a n e t h - Gablonz, ein Onkel des sel. Dr. Goiteins. leinen Dank und auch den der Wittwe — für diesen Stein aus: er sehe darin ein Zeichen, daß die Gemeinde den Unvergeßlichen - seinen geliebten Neffen, zu schätzen nnd zu lieben gewußt hatte: er — sein Onkel — glaubte, hier am Grabe aussprechen zu dürfen, er sei solcher Liebe auch würdig gewesen. Aller Blicke bmoen an seinen Lippen und viele feuchte Augen folgten leinen zu Her'.en dringenden Worten, weil sie in treffender Form uns die herrlichen Eigenschaften des Entseelten nochmals vor den inneren Blick führten! PH. E. Rußland. Petersburg. 23. August. (Die „Nowoje W r t m { a" nnd b I e I u d e n p o l i t i l.) In den Perfonalverbältnillen der russischen Residenzpresse ist ein interessanter Vorgang zu verzeichnen. Herr A. Stolnvin. der bisherige Chefredakteur der „PeterSbürgskiia Wjedomosti". ist seit einigen Tagen zur ..Nowoje Wremja" übergegangen und zwar allem Anschein nach obne damit von den Prinzipien abzugehen, die er bisher in den ..Petersburaskija Wjedomosti* vertrat. Zu diesen Prinzipien gehört bekanntlich eine erfreuliche Duldsamkeit aegen die nicht nationalruffischen Bevölkcrungselemente des russischen Reiches, insbeson-. dere auch qeqen die Juden, während die „Notvoje Wremja" bisher auf dem Standpunkt des engherzigsten und verranntesten Antisemitismus beharrte. So kann man denn seit einigen Tagen die interessante und be-

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