Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1904)
- Date
- 1904-08-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1468 Worte und Handlungen fragt und in lustiger Naivität in den deutschen Dialog russische und hebräische Sätze hineinstellt und ganze Lieder in jüdischem Jargon. Primitiv wie das Schauspiel ist auch seine Wiedergabe. Deutsch-jüdische Dilettanten aus der verschiedensten Herren Lander spielen ohne alle falschen Präteustonen und mit ungezwungener Natürlichkeit und Wärme. München, 22. Aug. Im abgelaufenen Monat beschloss die „Bereinigung jüdischer Akademiker" das erste Semester ihres Bestehens. Den Grundsätzen getreu. die bei ihrer Entstehung massgebend waren, hat sie es sich zur Ausgabe gemacht, vor allem ihren Mitgliedern. dann aber auch den ihrer Gesinirung nach ihr nabe stehenden jüdischen Kreisen die Möglichkeit zu bieten, zur Pflege des traditionell jüdischen Geistes sich zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden. Es wurden eine Reihe geselliger und wissenschaftlicher Abende abgehalten, welch' letztere zum Theil schwebenden Fragen von allgemeinen oder traditionell jüdischen Interessen gewidmet waren und den einzelnen Gelegenheit boten, durch freie Aussprache ihr Urtheil und die Kenntniß des Gegenstandes zu erweitern und zu vertiefen. Ausserdem wurde eine Reihe von tww eingerichtet, die auf Wunsch auch Nichtmitgliedern zugänglich gemacht wurden. Anfragen und Anmeldungen sind an Herrn Dr. R. Levi, Hochbrückenstrasse 3. zu richten. AnS Württemberg. 22. Aug. Nach der Statistik des Unterrichts- und Erziehungswesens in Württemberg ^'suchten in gelehrten Schulen 51 Israeliten die Oberklassen und 227 die Mittel- und Unterklassen, zus. 27* 3 Prozent, die realistischen Schulen 308 2.4 Proz.. höhere Mädchenschulen 290 - 8 Proz. Israel. Volksschulen, alle einllassig. zahlt Württemberg 17 unter evangelischer und IE unter katholischer Oberaufsicht. in denen 199 Knaben und 240 Mädchen, zus. 439 Schüler — 0.14 Proz. unterrichtet werden.. Von den Schulsiellen sind 22 mit ständigen Lehrern und 5 mit Amtsverwelern besetzt. Württemberg zählt 14.800 Israeliten - - 0,57 Pro?,, der Bevölkerung. Affelbach, 25. Aug. Seit mehreren Jahren war die hiesige Gemeinde gezwungen, allsabbatlich dem Gottesdienst in dem benachbarten Holzappel beizuwobnen. da sie kein eigenes "!BB befass. Vor Jahresfrist iedoch ward der Gemeinde ein gebrauchtes ivv zum Geschenk gemacht, worauf dieselbe nun in einem eigenen Lokale einen separaten Gottesdienst abhalten konnte. Als iedoch vor kurzem der Dezirksrabbiner. Herr Dr. Weingarten-Ems. dieses "wo für erklärte. scheute die «Gemeinde kein Ovfer und ließ bei der Firma A. Rothschild-Frankfurt a. M. ein neues Sepher anfertigen. Die Einweihung ging am vergangenen Freitag-Nachmittag in Gegenwart aller Mitglieder der hiesigen, sowie der Holzappeler Gemeinde vor sich. Die Gemeinde Jffelbach kann bei der geringen Anzahl ihrer Mitglieder stolz auf die Erwerbung dieses Sepher sein. Jedenfalls liefert es den Beweis von ihrer Opferwilligkeit in religiösen Dingen. 5kantor Israel Tuch, Holzappel. Oesterreich. Marienbad, 23. Aug. Kaiser Franz Josef hat hier den König von England besucht. Im Kurfoal fand grosser Empfang statt. Als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde waren Rabbiner und Vorsteher geladen. Den Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Emil B a r u ch fragte der Monarch, wie gross die Gemeinde sei und sagte: „Sie haben hier eine schöne Synagoge. Ich habe sie im Vorübergehen gesehen." Der Vorsteher erwiderte: „Wir haben uns glücklich gefühlt, Eurer Majestät huldigen zu können." Ter Monarch fragte, wie lange der Tempel stehe, und erfuhr, dass das Haus vor zwanzig Jahren gebaut wurtx. Rabbiner Dr. Goldberger, der noch ein junger Mann ist. fragte der Kaiser: „Sie sind wohl erst kurze Zeit hier?" „Acht Jahre. Majestät," erwiderte der Rabbiner. ..Sie sind noch so jung und schon so lange im Amte?" fragte der Monarch, und dann auf die Jubiläumsmedaille an der Kutte blickend: „Sie waren beim Militär? Wohl als Seelsorger?" Dr. Goldberger erwiderte, er habe als Einjährig-Freiwilliger beim 21. Jägerbataillon gedient und in Bruck vor dem Kaiser defilirt. „J.-J. 3." Schweiz. Zürich. Es ist sehr interessant, die schweizerische Rechtsprechung mit der unserigen hinsichtlich einer in den letzten Jahren oft ventilirien Frage, nämlich der: Unter welchen Umständen liegt in der Bezeichnung eines Israeliten als „Juden" eine Beschimpfung? zu vergleichen. Die III. Appellaiionskammer des züricherischen Obergerichts sprach sich in einem Strafurtheil wie folgt aus: „Es ist der Vorinstanz (Bezirksgericht Zürich) darin beizupslichten. dass in der Bezeichnung eines Israeliten als „Juden" unter Umstanden eine gewollte Beleidigung liegen kann, je nachdem der Ausdruck gebraucht wird. Dagegen geht die Vorinstanz zu wert, wenn sie sagt, dass in dem Gesellschaftskreise, welchem der Angeklagte angehöre — gemeint ist die Nichtjüdische Gesellschaft — der „Juve" als ein „im Punkte der persönlichen Ehrenhaftigkeit nicht vollwerthiges Subjekt der menschlichen Gesellschaft gelte." Wenn man einen israelitischen Geschäftsmann kurzweg als Juden bezeichnet, wird in der Regel nicht angespielt auf dessen persönliche Ehrenhaftigkeit. auf seine inferiore Stellung in der menschlichen Gesellschaft, sondern auf dessen Gebühren, speziell im Geschäftsverkehr, auf die sprichwörtliche Schlauheit, die Gewinnsucht, den Mangel an Loyalität etr., Eigenschaften, die nach vulgarer