Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1904)
- Date
- 1904-08-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Dokh wenn des Lebens tausend und abertausend laute Stimmen den göttlichen Mahnruf des Lebens übertöncn, wenn vas ungestüme Heer von Wünschen, wenn des Genußsüchtigen laute Forderungen uns die himmlische Gabe des Lebens gering erscheinen lassen — wenn wir vergessen, daß wir zunächst für unser Leben, für das Leben unserer Theuren zu danken, um diese theuren Leben zu beten, ja unser Leben als ein Lob- und Danleslied dem Herrn zu weihen haben — wenn wir im Taumel der Sinnlichkeit dies vergessen sollten, dann sollen wir uns beute, am pm cv am Tage der Erinnerung. njna prr da wir des Po-' saunenrufes, der die Herzen zu durchdringen bestimmt »st, gedenken sollen, dessen bewußt werden. Mit dem Gedenken der P o s a u n e zieht das Bild des großen Stammvaters Abraham an uns vorüber. Wir sehen den gläubigen Baker das geliebte Kind unlfassen. Noch liegt das zarte, jugendlichsonnige Leben des geliebten Kindes, wie ein junger Morgen vor ihm und schon umrauschen es des Todes schwarze Fittige. Wir fühlen das Weh. das die Vaterbrust erfaßt haben mochtewir fühlen es. wie mit dem Kindes herzen auch das Vater herz zu brechen drohte — da gibt des Himmels Wort es dem Leben zurück. Der liebende Vater umarmt das von neuem Lebenslichte umflossene Kind! Da umfassen auch wir im Geiste der theuren Kinder Häupter, da klammern auch mir uns mit neuer Lust, mit neuer Wonne an das uns aus Gottes gütiger Vaterhand geschenkte Leben und sprechen mit Inbrunst: „Gelobt seist Du, o Gott, „der Du uns diesen neuen Jahresanbeginn erleben ließest, uns die weckende und mahnende Schofarstimme im Kreise der Unsriqen wieder heute in Erinnerung bringst. (Schluß folgt.) ZettungSrrachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Der langjährige Streit zwischen der Stadt Berlin und dem Snnagogenvcrein Westen uni die Entschädigung für die bei der Anrampung entstandene Werthverminderung des Eckhauses Lätzow- Ufer und Potsdamerstraße ist beendet. Den Klägern ist zwar nicht die volle von ihnen verlangte Summe zugesprochen worden, immerhin hat man ihnen aber 05,000 Mk. zuerkannt, und außerdem mußte sich die Stadt verpflichten, sämmtliche durch den Umbau entstehenden Kosten zu tragen. Seit einigen Tagen ist man denn auch daran gegangen, zu den verschiedenen dort befindlichen Geschäften neue Zugänge zu schaffen, die Fußgängerbrücken ähneln, aber schon stellen sich der endgültigen Beendigung des unschönen Provisoriums neue Schwierigkeiten entgegen. Der Umbau wird nämlich zur Folge haben, daß die dort befindlichen Kellerräume ihren Zwecken nicht weiter dienstbar gemacht werden können, während einige der dort befindlichen Geschäfte nicht olme ihre zugehörigen Kellerräumlichkeiten auskommen zu können glauben. Ganz besonders trifft dies für den Inhaber einer Gastwirthschaft zu. und es erscheint nicht ausgeschlossen, daß rveitere Entschädigungsprozesse dem eben erst beendeten folgen. Berlin, 25. Aug. In Ebarlottenburg starb dieser Tage nach langem schweren Leiden Sanitätsrath Dr. Alexander Auerbach im 52. Lebensjahre. Der Verstorbene war vor seiner Uebersiedelung nach Charlottenburg viele Jahre im Südosten und später im Eentrum Berlins als praktischer Arzt thätig. Er übte die ärztliche Praxis seit 1S75 aus. .Neben dieser betrieb er wissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiete der medizinischen Chemie. Der Ertrag davon ist in einer längeren Reihe von Einzelstudien und Berichten, die sich zumeist in der „Deutschen Medizinal-Zeitung* finden, niedergelegt. Eine Reihe von Jahren hindurch leitete Auerbach die medizinisch-chemischen Arbeiten in der Prof. Nide'schen Heilanstalt für Harnkrankbeiten. Er hielt dort auch medizinisch-chemische Kurse für Studireude und Aerzte ab. Ehre seinem Andenken! Berlin. Hier tritt seit kurzem eine jüdische Truppe auf. die Stücke jüdisck)en Inhalts spielt. Ueber die Truppe spricht sich das „B. T." folgendermaßen aus: Tie Dilettantengesellschaft, in deren Reihen die deutsche Sprache in mannigfaltiger dialektischer Färbung klingt, spielte das Schauspiel ..Die Hexe Wainucha aus Kischinew*. aus der Feder des jüdischen Volksschriftstellers A. Goldfaden. Das Schauspiel bezeichnet sich als „Szenen aus dem jüdischen Volksleben in Bessarabien.* Doch diese Marke ist nicht ganz echt, und besonders die Namen Bessarabien und Kischinew stehen nur als Lockmittel da. Denn im Wesentlichen ist „Die Hexe Wainucha* wirklich ein ganz primiiivcs. auf den einfachsten theatralischen Geschmack zuaeschnittenes Schauspiel, das stark mit Märchenclcmenten durchsetzt ist. und in das der Athem unserer Zeit, und gar der der harten Tage von Kischinew kaum ein leises Lüftchen entsendet. Zwei Märchenfiguren stehen sogar direkt im Mittelpunkt des Schauspiels: die Hexe und die böse Stiefmutter. Sie zusammen bemühen sich, die Familie des ehrsamen Kischinewer Kaufmanns Abromzow zu verderben. Der Vater wird.schuldlos ins Gefängniß gebracht, die Tochter dem Bräutigam entrissen, der Bräutigam.betrogen und so fort. Aber zwischen diese bitteren Thatsachen sind sentimentale Vollsgesänge, Tänze, Reigen und phantastische Hexenszenen gestreut. Und einem durch keinerlei tultivicte Buhnenkunst verwöhnten Geschmack entspricht auch die technische und sprachliche Gestaltung dieses Schauspiels, das nicht nach Motivirung der