Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1904)
- Date
- 1904-08-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. Anlage zu 88 des .Zsraekit." Dir Misrachiconftren; in Preßburg. tvertcht unsere» Spectalberichlerftattee».») Preßburg. 21. Elul. Der erste Misrachi-Kongreß hat heute, 10 Uhr Vormittags. zu tagen begonnen. Einige Führer und Kongreßtheilnehmer waren Ende der vorigen Woche erschienen. Samstag Nachts gab es einen gemüthlichen Abend. Der Abend war einigen Fragen taktischer Art gewidmet. Hauptsächlich wurde aber von den russischen Rabbinen und Gästen mit rra w aufgewartet. Die Stadt Preßburg. wenn wir von der Stadt Preßburg sprechen, so meinen wir das jüdische Viertel, hat zur Begrüßung der Gäste einige blau-weiße Fahnen ausgehängt. Es sind Vertreter der Misrachisten aus Ungarn. Oesterreich, Rußland. Deutschland. Amerika. Südafrika erschienen. Auch viele nichtmisrachische Zionisten sind als Gäste erschienen: Wir nennen nur Dr. Hantte-Berlin. Dr. Kahn-Wien.**) Die Bcr-ithungen werden im großen Saale des Hotel Bellevue (Dabsky) abgehalten. Man hätte in der Stadt Preßburg lein geeigneteres Lokal für einen solchen Zweck finden können. Es ist also verzeihlich, wenn die Derathnngen nicht in einem jüdischen Hotel stattfanden. In dem für die Gäste reseroirten Raume sehen wir auch viele Herren, die sich eigentlich eine Reserve auferlegen hätten muffen. Ferner müssen wir objektiv gestehen, daß das Arrangement in den besten Händen liegt. Ein Emvfangskomitee arbeitete unermüdlich. Zu jedem Zuge begaben sich Herren auf den Bahnhof, um etwa kommende Gäste zu empfangen. Ein weiteres Moment ist nicht außer Acht zu lassen: die Misrachisten sind in ihren Aeußcrungen sehr vorsichtig. Man merkt es ihnen an, daß die jüngste Agitation gegen den Beitritt zum Zionismus und sogar zum Misrachi ihnen schmerzvoll ist. daß sie nunmehr die Taktik verfolgen, kein Wort des Tadels gegen die Rabbinen, die an der Agitation gearbeitet oder durch ibre Unterschrift der Sache Vorschub geleistet haben, um so in der Rolle der unschuldig Gekränkten Sympathien zu erwerben. Es ist nicht zu verkennen, daß die Agitation Erfolge aufzuweisen. Von den Rabbinen Ungarns sind alle fern geblieben. Als Gast erschien Herr Rabbiner Frantl- Czeszte (Schattmannsdorf). Wir sahen euch Herrn Rabbiner Horovitz-Also Kubin. einen Gegner des Misrachi. Dessen ungeachtet haben die Misrachisten in aller *) Vgl. auch Hauptblott. Corrclvonben- »Preßburg*. **) Trotz seiner so oft betonten Orthodoxie Nicht,niSrachist? Red. Ruhe in Preßburg zu tagen begonnen. Die Preßburger Juden haben sich, wie sie es immer waren, sehr gastfreundlich gezeigt. Wie schon erwähnt, begann die Konferenz, so der offizielle Theil dieses Zionisten- Kongresses in unce ihre Thätigkeit 10 Uhr Vormittags. Die Konferenz wird von Rabbiner Reines- Lida eröffnet. Er spricht hebräisch. Er begrüßt die in großer Anzahl erschienenen Gäste. In seiner Rede fortfahrend seht er die Tendenzen des „'To " auseinander. Er will in seinen Ausführungen darlegen. daß nur auf Grund orthodoxer Anschauungen eine jüdische Bewegung von Belang und Erfolg sein kann. Er schildert. — ausführlich zu gebey^. würde zu »oxit gehen — wie eine Idee von weittragender Bedeutung nothwendiger Meise zu verschiedenen Auslegungen führen muß. so daß dann sich unter den Anhängern der Idee entgegengesetzte Anschauungen in Bezug auf Praxis etc. erntreten müssen. Dagegen sei der Misrachismus diejenige Bewegung, welche gewissermaßen die richtige Interpretation des zionistischen Ideals vorzunehmen beabsichtigt. Man möge aber nicht wegen der Befürchtung, weil eine gegentheilige Leöensanschauung das Zionsideal in sich ausgenommen und diese vielleicht die anderen mit sich ziehen tverden, der Sache sich fernhalten. Denn, indem wir aus diesen Gründen fernhalten, werden die Leute noch entfremdeter als sie es waren. Einen russischen Maskil fragte ein russischer Rabbiner, wieso er dazu gekommen sei. sich in seiner Lebensweise so radikal zu ändern. Der Maskil betonte, daß er nicht aus wirklicher lleberzeugung so geworden. sondern nur aus dem Grunde, daß man ihn für einen Abtrünnigen hielt, wienwhl er kein Abtrünniger war. (Man hätte sich also auch den Maslilim, die einen großen Theil der russisch-jüdischen Jugend verführt haben, anschließen sollen. Herr Rabb. Reines ist wenigstens offen. Red. d. I.) Oder sollten wir das zionistische Ideal deßhalb perhorresciren. weil es von modern gesinnten Juden aufgegrisfen wurde? Sollten wir vielleicht die Eisenbahn nicht benützen, weil der Erfinder Stephenlon ein Nichtjude war.*) Eingangs seiner Rede begründete Reines die Wahl des Ortes Preßburg mit der Motivirung, daß Preßburg die ehrw. Stadt ist. in der c'Xkt, gewirkt haben, und die heute noch eine echt religiöse Stadt ist. in der gelernt wird, und darum die Wahl des Ortes geeignet ist am besten zu dokumenliren, wie sehr alle Mitglieder der Misrochigruppe den alten großen Männem :*lut Verkündung einer solch genialen ydee. bedurfte es allerdings der Reise de« Rabbi Reine» von Rußland nach Ungarn: glaubte denn der Lidaer „Waon“ thalsächlich, daß durch eine derartige Äcweisiübruna die Orthodoxen nunmehc in Hellen Hausen zu», .Uoiusmutz überlaufen »verdenk Red. d. .Isr."