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Der Israelit · 1904-08-25 · Heft 68 (25.8.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 68 (25.8.1904)
Date
1904-08-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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schlafe wohl und träume Angenehmes. Auf Wieder- > sehn'.- „Auf Wiedersehen!“ wiederholte er. indem er sehnsuchtsvoll der anmuthigen Mädchengestalt nachschaute. Warum hatte sie damals feine Hand zurückgewiesen? wie wäre Alles so anders, so schön geworden. lind wie seltsam, er kannte doch ihre strenge Anschauungsweise und sie wußte doch nicht, konnte nicht wißen, daß er seinen Frevel bereut, daß er entschlossen war. zurückzukehren zum Judenthum und ein gesetzestrcues Leben zu führen, und dennoch war sie so freundlich zu ihm, so sanft, so milde — „Sie ist ein Engel," flüsterte er in sich hinein. Der folgende Nachmittag traf Erna wieder an dem Belte ihres Verwandten. Sie waren in traulicher Unterhaltung vertieft, wenn Erna ihn ansah. dann erschien es ihr geradezu unmöglich, daß er ein Abrrünniger war. den sie vor sich sah. Sie hätte so gern Genaues gewußt, doch wagte sie keine Frage zu stellen, stellen. Sie hatte wieder das Tageblatt mitgeüracht, las ihm Anekdoten vor, heiteren und ernsten Inhaltes und endlich hatte sie, ohne daß er es merkte, ein anderes Blatt untergeschoben und las: „In einer alten Chronik wird berichtet: Es ist schon lange her, schon viele hundert Jahre, da ward das Vorhandensein eines großen, wunderbar herrlichen Edelsteines bekannt. Alle Welt strebte nach seinem Besitz, wilde Kämpfe wurden seinetwegen gekämpft, blutige Schlachten seinetwegen geschlagen, denn das Volk, das jenen herrlichen Stein besitzt, ist das Ncichste und Glücklichste auf Erden. Da. in der Nacht, nach langem, wildem Kampfe, gelingt es einem Volksstamme sich des Kleinods zu bemächtigen. — Alles staunt, selbst Zweifler können es nicht in Abrede stellen, daß das Dunkel der Nacht durch die Strahlen des seltenen Steines gelichtet wird. Als aber die Sonne aufgeht, da werden die Strahlen deS in blutigem Kampfe errungenen Steines unsichtbar — Kenner erkennen ihn als Falsifikat, als schön geschliffenen Krystall.- Er hat zwar den blauen Strahl. — Blau ist die Farbe der Bescheidenheit — aber nicht jener Bescheidenheit, die unseren großen Lehrer Moscheh einst zierte, sondern jener, die da sagt: Außer mir kein Heil. Er hat auch den grünen Strahl'. — Grün ist die Farbe der Hoffnung — aber nicht die Hoffnung ans ein frohes, heiteres gottgefälliges Leben, sondern die Hoffnung auf einen Leichnam. Er hat auch den weißen Strahl. — Weiß ist die Farbe der Unschuld — aber nicht jener Unschuld, die sagt: mein Gott, die Seele, die Du mir gegeben hast, ist rein — sondern die sagt, jedes neugeborene Kind ist dem Teufel verfallen. Er hat auch den rothen Strahl. — Roth ist die Farbe der Liebe — aber nicht jener reinen, wahren Liebe, die alle Menschen als Gottesgeschöpfe umfaßt, sondern jener Liebe, die die Scheiterhaufen des Mittel alters entzündet hat. — Nicht jener Liebe, die mit der Stimme des Allbarmherzigen den reuigen Sünder zu rück ruft zu seinem Gott, sondern —" Sie ward unterbrochen, der Kranke batte ihre Hand ergriffen und schaute thränumflorten Blickes zu ihr empor. „Erna!" stammelte er. „liebe, liebe Erna," — ich muß es Dir sagen - längst habe ich den Kristall erkannt — und an den Gräbern meiner Eltern habe ich's gelobt, zurückzukehren zu den Lehren, die sie u.ich gelehrt und fortan zu leben, wie sie gelebt haben. - Glaubst Du. daß Gott mir verzeihen wird? — " Mit überströmenden Augen wandte sie sich zu ihm. doch zu sprechen war sie nicht sofort im Stande. Sie nahm seine Hände und drückte sie an ihre Brust. (Fortsetzung folgt.) Ter „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Slontags und Donnerstag;», jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. A S l ein ack rv, Leipxig, Notzplatz lv. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltcne Nonpareillezcile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclan,etheil 75 Pfennig. — Tirecte Francozusendung unter Streifband vro ^lahraank für Deutschland und Oesterreich ü Reichs-Mark oder 16 Kronen östcrr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franko einsendcn. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchcnde und sonstige Interessenten könr.en auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende ^Kleine AuSgade deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. 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