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Der Israelit · 1904-08-25 · Heft 68 (25.8.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 68 (25.8.1904)
Date
1904-08-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1440 Öriinten* — wie er sich in seinem Entschuldigungsschreiben ausdrückt. Auch die offizielle Preßburger Gemeinde glänzte durch ihre vollständige Abwesenheit. Bis auf 10—12 Preßburger Juden sah man keine nambaften Persönlichkeiten. Von den Bachurim der Rabbinerschule war kein einziger erschienen. Und von alldem hatte Rabbiner Reines keinen blauen Dunst, dtnn er begrüßte in einer hebräischen Ansprache den Misrachikongreß, der gerade in der hochwürdigen Gemeinde Preßburg abgehalten wird, in der drriva am *w, die seit Jahrhunderten ein hervorragender Sitz der Thora für ^ntr ba ist. Was Herr Rabbiner Reines sonst gesprochen hat. ist nichts als eine Wiederholung der bekannten orthodox klingenden Phrasen, die in allen möglichen und unmöglichen Circularen. Aufrufen. Broschüren wb'Lr ,D'-n2Tt und aneo der Misrachim für ewige Zeiten niedergelegt sind. Für mich wenigstens erschien nicht mehr als dieser einzige Ausspruch als bisher unerhört. Herr Rabbiner Reines bat nämlich das große Prinzip als Aufgabe der Misrachim aufgestellt. ..dahin zu streben, daß auch die Orthodoxen, sämmtliche Orthodoxen Zionisten werden sollen." (Fortsetzung folgt.) Holland. Amsterdam. Auf dem internationalen sozialistischen Arbeiterkongreß, der hier tagte, war von Bebel. Kautsky. Bernstein. Banting, Anseele, Hardie u. s. w. ein längerer Antrag eingegangen, in dem es heißt: ..Die russische Regierung setzt von Zeit zu Zeit Judenmassakres in Szene, wie das schreckliche Blutbad in Kischinew. Das geschieht, weil eine große Zahl russischer und polnischer jüdischer Arbeiter sich der sozialistischen Bewegung angeschlossen haben. Der internationale Kongreß spricht über dies aller Kultur und aller Menschlichkeit hohnsprechende Vorgehen der russischen Regierung seinen tiefsten Abscheu und den jüdischen Arbeitern in Rußland seine volle Anerkennung aus, daß sie trotz der grausamsten Verfolgungen die Fahne des Sozialismus hoch halten." Dieser Antrag gelangte sogleich unter stürmischem Beifall einstimmig zur Annahme Rußland. Petersburg, 24. Aug. Ein heute vom Kaiser aus Anlaß der Geburt des Thronfolgers erlassenes Gnadenmanifest enthält n. a. auch die Bestimmung, daß im Reiche die Familien von Juden, die sich ihrer Militärpflicht entzogen haben, von der ihnen auferlegten Geldstrafe befreit werden. — Plehwes Mörder wurde durch die Amnestie zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. FEutlleia«. Wahrheit und Wichtung. Von Friedrich Rott. <58 Und wie war es jetzt mit ihm? — sie wußte es nicht — War er alljährlich am Sterbetag seiner Eltern hergekommen? — auch das wußte sie nicht. Sie war noch nie in den Morgenstunden auf dem Friedhof gewesen. sonst pflegte sie erst Nachmittags dorthin zu gehen, heute aber war sie Nachmittags anderweitig in Anspruch genommen, darum war sie früh gegangen; sie hatte kaum das Gebet, das sie an den Gräbern ihrer Verwandten zu sprechen pflegte, beendet, als sie ihren Vetter kommen sah. Eiligst hatte sie sich zurückgezogen, denn sie wollte nicht mit ihm Zusammentreffen, doch den Friedhof hatte sie nicht verlassen. — Der getaufte Sohn am Grabe seiner frommen Eltern! — sie konnte sich das kaum denken. — War es Frechheit? — ober — was war es sonst? — Sie wußte es noch nicht. — Denn das Gebetbuch In seiner Hand bekundete doch vermuthlich nur, daß er das am Grabe der Eltern übliche Gebet hatte sprechen wollen. — Daß er einen Selbstmord beabsichtigt hatte, glaubte sie nicht, aber sie hoffte, daß er durch diesen Unglücksfall vielleicht zur Erkenntniß seines Frevels, vielleicht zur Rückkehr gebracht werden könnte. Sie hatte ihre Wohnung erreicht und lehnte nun aus einem Fenster des ebenerdigen Zimmers, im Hause einer anständigen Familie, bei der sie schon seit Jahren Kost und Logis hatte. Bon hier aus konnte sie die ganze Straßhinunter sehen, die zu dem sog. Spitalswez fühlte. Aber sie mußte lange warten, bevor sie den Arzt in ihre Straße einbiegen sah. Er hatte sie auch gesehen und grüßte sie schon von weitem, und schon an seinem Gruß glaubte sie zu erkennen, daß er ihr verhältnißmäßig gute Nachricht brachte. Sie hatte sich nicht geirrt, als er wenige Minuten darauf in ihr Zimmer trat, bestätigte er ihre Vermuthung. ..Wenn nichts dazwischen kommt, bringen wir ihn durch." „Mit Gottes Hilfe," schaltete sie ein. „Na selbstverständlich mit Gottes Hilfe." stimmte er lachend zu. „Und Sie haben ganz recht. Fräulein Keßler, wenn irgend möglich muß sein Name hier nicht genannt werden, der Getaufte im israelitischen Hospital.. — Stehen Sie denn noch mit ihm im Verkehr?" „Seit seiner Taufe nicht. Aber er ist ja doch mein Verwandter und seinen Eltern schulde ich so vielen Dank —"

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