Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1904)
- Date
- 1904-08-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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die nSen. Andere meinen wieder, der Orgelklang bringt das „destruktive" Elementunserer Andächtigen in die gewünschte Ordnung; es braucht dann — wie ein orgelbegeisterter Rabbi in der Reichshauptstadt meinte — der Svnagogendiener nicht so oft das warnende «Pst" oder «St" ertönen zu lassen. Wieder andere laboriren am Tallis, an den T'fillin herum, sie wirken störend im geordneten Andachtswescn; darum weg damit! Vielen hat's auch der altjüdische «Trov" bei der Thoravorlesung angethan. Zuweilen trifft man auch einen Gemeindevorsteher, der strengen Blicks auf die Gläubigen herniederschaut, damit ja keiner beim Königsgebet sitzen bleibt. Das fordert gebieterisch die Opportunität, das Gefühl der Verantwortlichkeit der «Welt" gegenüber. Dagegen erhebt sich keine mahnende Stimme, wenn die Beter bei »np und rw.-p sitzen und theilnahmslos bleiben, loenn noch so viele J7.ro recitirt werden. Ist da nicht die alte Verordnung vom überhasteten und verwaisten px einfacher, natürlicher und radikaler? Sie faßt das Uebel an der Wurzel und verlangt wahre Andacht und Aufmerksamkeit, äußere und innere Harmonie zwischen dem Vortragenden pn und der Gemeinde. Da gilt der Ausspruch uw nnvn Vro Tocra , das ,,Nachsagen" ist bedeutungsvoller als der Vortrag des Vorbeters. Ein Brief, ein Schriftstück, eine Erklärung erhält erst Werth durch die Unterschrift. Da zeigt es sich wieder, daß jene Synagogenordnung die beste ist, welche ihre Paragraphen aus dem einzigen Grundsatz herleitet: »ab jn nxiK v, wisse vor wem du stehest. Eine solche Synagogenordnung bietet die Anweisung mit dem px weder voreilig noch saumselig zu sein; eine derartige Gottesdienstordnung bleibt stets zeitgemäß, sie kann durch keine bessere Lbertroffen werden. Viele unter uns halten es im Leben mit dem nrert px, dem Amen der Ueberhastung. Jede Errungenschaft des menschlichen Geistes, die sich gegen die Grundwahrheiten unseres hl. Glaubens richtet, die sich anmaßt, das Fundament unserer hl. Thora erschüttern zu können, jede noch so waghalsige Theorie, die eine ihre Grenzen verkennende Wissenschaft in die Welt setzt, begleiten die Sensationslüsternen mit ihrem nrtn px. Einem Delitzsch, einem Wellhausen ruft man eilig ein begeiskrtes px zu, wenngleich beim vorsichtigen nüchternen Erwägen sich die Hypothesen in ein Nichts verflüchtigen. Nichtjüdische Sitten, nichtjüdische Bräuche und Mißbräuche werden unbesehen gutgeheißen von einer urthcilslosen Menge, man sanktionirt sie mit einem voreiligen px. Die Propheten im eigenen Lager wurden nie mit freudig schneller Zustimmung begrüßt und erquickt; ihnen galt das new» px, die oft sehr spate Erkenntniß der Wahrheit ihrer Worte und Lehren. Ihnen glaubte man erst, nachdem der furchtbare Ernst erschütternder Ereignisse seine wuchtige Stimme erhoben; als Blut und ThrLnen geflossen, vernahm man das nom* px — zu spat. So war es in alter Zeit, so ist's heute, wo gar mancher unserer Brüder erst nach Leid und Unheil den Weg zu seinem Gotte findet, etwa als Trauernder das Gotteshaus aufsucht, um ein «verwaistes" px hören zu lassen. Wie mancher hat erst durch den Antisemitismus der Gegenwart sein jüdisches Herz und Gefühl wieder entdeckt. Sir stimmen wieder dem jüdischen Volke und seiner ewigen Tradition zu, wenn auch spät. Wir aber wollen bestrebt sein, uns vor beiden Fehlern zu hüten, sowohl vor dem neun px als dem nvvn px. Wir wollen weiter kämpfen, weiter ringen und dulden, weiter arbeiten und streben bis die Allmenschheit uns gerecht wird mit ihrem px, freilich einem ntrjp px, das wir längst erwartet und ersehnt, erhofft und erfleht. Es bildet unsere feste Hoffnung und Zuversicht, unsere Stärke und Ausdauer durch alle Zeiten, die Gott uns in seinem unerforschlichen Rathschlusse erleben ließ und erleben läßt. Zeitungsnachrichten und Correspsudenre«. Deutschland. Frankfurt a. M., 22. Aug. Anknüpfend an die Ausführungen des Herrn A. Mannheimer in der vorigen Nummer dss. Bl. wird uns mitgetheilt, dass die ..Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" im Jahre 1903 zur Erhaltung von Lehrern und Schulen 17 Subventionen mit 955 Mk. Beihilfe, zur Ausbildung von Lehrern 15 Subventionen mit 610 Mk. Beihilfe gewährt hat. Jn den letzten fünf Jahren betrugen die Subventionen für ersteren Zweck 80 mit 4565 Mk. Beihilfe, für letztere Art 47 mit 2382 Mk. Beihilfe. Aus Sübdcutsrhland. In den jüngsten Nummern des „Israelit" sucht eine — «Taktische Fehler — oder Symptome?" — überschriebene Artikelserie weiteren Kreisen Klarheit über die durch die letzte Veröffentlichung der «freien Bereinigung" wieder einmal brennend gewordene Lehrerfraae zu verschaffen. Der ruhige, sachliche, gegen die giftigen Auslassungen deS Lehrers Steinhardt wohlthuend abstechende Ton dieser Serie erscheint durchaus geeignet, den genannten Zweck zu unterstützen. Gerade deßhalb ist es wohl dringend nothwendig, einigen bei aller Gründlichkeit und Sachkenntniß unterlaufenen Jrrthümern aufklärend entgegenzutreten. Da ist es nun vor allem merkwürdig, wie schwer ein Institut wie die «freie Vereinigung", die nun doch schon eine lange Reihe von Jahren Üjfw segensreiche Wirksamkeit entfaltet, sich die Anerkennung der am meisten betheiligten Kreise erwerben kann. Nicht genug kann hervorgehoben werden, daß die «freie Vereinigung in ihrer Eigenart eia in der ganze« Diaspora einzig dastehender Verein ist. Oder gibt eS