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Der Israelit · 1904-08-25 · Heft 68 (25.8.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 68 (25.8.1904)
Date
1904-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1436 und erhebendes Bild muß so das große Gotteshaus, die öffentliche Synagoge bieten, wo Alt und Jung, Groß und Klein, Hoch und Niedrig mit einem gemeinsamen pt die Lobeskundgebungen des Vorbeters zu den ihrigen machen! Spricht daraus nicht der gemeinsarne Sinn, die gleiche Freude aller, des Schöpfers Lob emporrufcn zu dürfen? Ist das allseitige pt nicht ein schönt Spiegelbild des Gemeindelebens? Wenn die Harmonie der Geister den Gemeindefrieden bedeutet, so ist das der gleiche Boden, aus dem das gemeiiffame fett sprießt. Und wenn unser ncen rv2 die .Synagoge". alle ohne Unterschied umfassen soll, und nur ein „böser Nachbar" — wie die Weisen sich ausdrücken — nicht dort erscheinen mag. so ist auch ein öffentlicher Gottesdienst im jüdischen Kreise nicht denkbar ohne das jv« der Gemeinde. Wie schön und sinnig lehnen die Weisen die Verordnung des px-Sagen» an den Schriftvers an: C'Jtck *w pmx U2v nnyc* mro „öffnet die Thore, daß das gerechte Volk entziehe, welches den Glauben hütet", roiox tbp, lies dafür V3®i vmvmr», ein Volk, das auf das „Amen" acht hat. Das feit der Gemeinde ist die sprachlich .kürzeste Fassung des jüdischen Glaubensbekenntnisses aller Versammelten! Und nun denke man sich hingegen das häßliche Beispiel, wenn auf die mancherlei M212 des Vorbeters nur selten im Gotteshaus sich ein „Amen" vernehmen läßt. Abgesehen davon, daß sämmtliche Segenssprüche solcher Art rrfrsn1? "12 heißen und eine sträfliche Entweihung des heiligen Gottesnamens involviren*), zeugt dies ebensowenig von einer Andacht, wie von einem Gemeinsinne, der sich doch freudig laut äußern sollte. Was würde man dazu sagen, wenn sich eine Deputation, ein Verein, eine Gemeindevertretung dem Könige Vorsteven läßt, einen Sprecher aus ihrer Mitte vorschickt, um zu huldigen und Bitten und Wünsche darzulegen, aber eisig kalt und stumm bleibt, wenn der Redner die Anwesenden auffordert, in das Hoch auf den Fürsten kräftig einzustimm e n? Wie peinlich müßte das für den Führer der Deputation sein, und welch' üblen Eindruck muß das auf den König machen! Ganz dasselbe Gefühl müßte uns beschleichen, wenn auf die.Segensformeln, die der D 0 rbeter laut vorträgt, die Anwesenden nicht reagiren.- Das Amen bedeutet aber noch mehr! Es ist die Fortsetzung der jüdischen Tradition. Und so meinen die Weisen: thsh pkn * vr fw mms pt w pro, «2N „wenn ein Kind fvn spricht, erringt es seinen Antheil am künftigen Leben." Das kleine Wörtchen — solch' großen Gewinn! Das kleine Wörtchen — solch' •) Bei der lauten Wiederholung der Schmono E»rei durch den Borbeter, sind unbedingt und mindesten» sogar neun .Nachsagende" erforderlich. unermeßlichen Lohn! Das Wort der Weisen denkt sich naturgemäß zum Kinde den pflichteifrigen Dater. der gewissenhaft den rwrv2 vollzieht, und schon die Kleinen anspornt, auf die religiöse Führung der Erwachsenen zu achten. Der Vater benedeiet den Ewigen und Allgütigen, das unmündige Kind sekundirt mit Amen. Gibt es ein erhebenderes Bild der unverbrüchlichen Gesetzestreue Israels? Könnte sich der traditio, nelle Geist besser und schöner und kürzer bekunden, als in einem solchen pt? Die Lehre, die uns nro gebot, ist ein „Erbtheil der Gemeinde Jakobs." Ein Geschlecht ruht mit seinen Erungenschäften und Ueberlieferüngcn immer auf den Schultern des vorangegangenen. Jedes neue Geschlecht hat die treue Fortpflege der altgeheiligten Traditionen zu übernehmen, es hat — mit anderen Worten gesagt — nicht anderes zu bilden als das „zustimmende pt" zum abtretenden Geschlechte. Im zustimmenden pt manifestirt sich die ununterbrochene Kette der Tradition. In ihm liegt die Bedeutung, welche man dem Worte als Abbeviatur gibt: Gott ist der beglaubte König. Dem Vater licgt es ob. sein Erziehungswerk dahin zu leiten, daß ihm aus Kindes Mund das beglückende pt ent geaentönt. dann erst kann er im innersten Busen die Stimme der Befriedigung vernehmen, dann erst mar seine irdische Aufgabe als jüdischer Vater von Erfolg gekrönt. Es wird uns aber auch gelehrt, in welcher Art und Weise das pt zu sprechen sei. ivenn es den guten Zweck voll erreichen soll. Sobald der Segensspruch von dem Glaubensgenossen geschloffen wird, soll das pt „nachgesagt" werden, nicht früher und nicht später. Im ersteren Falle bildet das Amen ein noim pt ein voreiliges, überhastetes Amen, im letzteren ein nvm' pt ein alleinstehendes, verwaistes. Beides gleich vertverflich. Die Anordnung setzt also die größte Aufmerksamkeit und den Sinn für Pünktlichkeit voraus, den man nicht selten dem jüdischen Stamme abfpricht. Denken wir uns eine große Synagoge, gefüllt mit wahrhaft Andächtigen. beseelt vom a l t jüdischen Geiste: der pn trägt die laute rr vor. und alle Anwesenden vom ersten bis zum letzten Mann verfolgen den Vortrag des nHv, um pünktlich und exakt beim Schluffe einer jeden Segensformel ihr pt erschallen zu lassen. Wie mit einem Schlage erfolgt die zustimmende Aeußerung der Gemeinde, keiner fehlt, keiner ist voreilig, keiner säumig spät: das ist jüdische Art, das ist jüdische Ordnung, jüdische Aufmerksamkeit und Pünktlichkeit! Eine solche Synagogenordnung kann mpn sich gefallen lassen! Wie verächtlich klein erscheinen gegen sie alle Versuche der Neuzeit, einer durchgreifenden Synagogenordnuvg, die auch dem Nichtisraeliten zu imponiren vermag, auf die Beine zu helfen. In erster Linie ist es die überrede Fülle des Gebetsstoffes, die störend wirkt. und man „beschneidet"

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