Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 67 (22.8.1904)
- Date
- 1904-08-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450048--61279-2524063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
OCR text
1424 machen und so in des Wories wahrster Bedeutung P71Ä pp ranb noch viel beizutragen. Mainz. 7. Ekuk. Dr. H. Klein. Zeitungsnachrichten und Correspondenzev. Deutschland. Frankfurt a. M. (Tolstoi über den Antisemitismus und die Dreysus- Affair e.) Herr Dr. Hugo Ganz gibt in der „Ar. 3." eine Unterhaltung mit Tolstoi wieder, die er anläßlich eines Besuches auf dessen Landgute mit dem berühmten Schriftsteller hatte. Darin äußerte sich der Graf über die Dreyfus-Affaire und den Antisemitismus folgendermaßen: „Während des Dreyfus-Prozesses," sagte er. „er hielt ich wohl tausend Briefe aus allen Weltgegenden, die mich zu einer Kundgebung aufforderten. Wie hält: ich dem Folge leisten können. Ich bin hier in Rußland, die Verhandlung war in Frankreich. Es war absolut unmöglich, ein richtiges Bild von den Vorgängen zu erlangen, denn jede Zeitung berichtete anders. An und für sich: was war geschehen? Ein Offizier war unschuldig verurtheilt worden. Das ist eine unbedeutende Angelegenheit. Es waren ganz andere Verbrechen von denen verübt, die Gewalt haben. Aber es wurde die ganze Welt allarmirt. und jeder hatte eine unumstößliche Ueberzeugung von der Schuld oder Unschuld eines Mannes, den niemand kannte und dessen Richter niemand kannte. Das ist eine Seuche und kein Denken mehr." Man niuß schon ganz eigene und einsame Wege gehen, um zu verkennen, daß gerade in diesem Falle die Presse ein ungeheures Werk vollbrachte, indem sie die Menschheit aufrüttelie und ihr die vom Klerikalis mus und Militarismus drohende Gefahr zeigte. Die Dreyfus-Affare gehört der Geschichte an als epochale Begebenbeit. Und Graf Tolstoi, der die Bekämpfung des Militarismus als eine seiner Lebensaufgaben betrachtet, erlebt die Hauptschlacht in diesem Kampfe und 'ahnt es nicht! Freilich darf man nicht vergessen, daß er in Rußland lebt, wo die Einkerkerung ltnschuldiger ein alltägliches Borkommniß ist. und daß die russischen Zeitungen ibrer Alliirtenpflicht dadurch zu genügen glaubten, daß sie die. Affäre im Sinne der M/line und Mercier behandelten. Keinesfalls ist die Abneigung Tolstois gegen diese Affäre auf etwaigen Antisemitismus zurückzuführen. Tolstoi liebt die merkantilen Juden nicht, die am wenigsten vom christlichen Geiste erfüllt seien, aber er verurtheilt den Antisemitismus auf's entschiedenste. . „Der Antisemitismus/ sagt er. „ist nicht ein Un- ' glück für die Juden. Denn wer Unrecht erduldet, ist! nie zu beklagen, sondern wer Unrecht übt. Der Anti - semitismus demoralisirt. Er ist das ärgste Uebel! unserer Zeit, denn er vergiftet ganze Generationen. Er! macht sie blind gegen Recht :md Unr-cht und ertödtet jedes moralische Gefühl. Er verwandelt die Seele in eine Trümmerstätte, auf der alles Gute und Edle vernichtet ist.* Palästina. Jerusalem. (Eonsul Dickson über das Aufblühen Palästinas.) Der englische Consul in Palästina hat feiner Regierung einen Bericht über Handel und Verkehr in Palästina pro 1903 er stattet. Derselbe stellt die erfreuliche Thatsack>e fest, daß trotz aller türkischen Mißwirthschast das Heilige Land in unaufhaltscuuem Fortschreiten begriffen ist. Die fortwährende Entstehung neuer und dir beständige Ausbesserung der alten Landstraßen, der sich von Jahr zu Jahr bessernde Verkehr mit dem Ostjordangebiet, sowie endlich die ivachsende Bauthätigkeit in und um Jerusalem liefern für das steigende Gedeihen des Landes das beste Zeugniß. Die iiu Bau begriffene Mrccabahn hat die türkische Regierung veranlaßt, resv. hat es ihr ermöglicht, m den am Rande der syrischen Wüste gelegenen Ländern eine modernere Verwaltung einzuführen, was in erster Reihe dem transjordanischen Palästina, sorvie dem Gebiete um das Tote Meer zu Gute kommt. Eine Eoncession auf diesem Meere selbst .3—4 Dampfer verkehren zu lassen, dürfte in absehbarer Zeit ertheilt werden. Dann aber werde Jerusalem für den Süden Snriens dieselbe Bedeutung erlangen, wie sie Aleppo für den Norden besitzt. Eine mehr lokale Be deutung wird die geplante elektrische Bahn zwischen Jerusalem und Bethlehem besitzen, für die die erbetene Eoncession in Eonstantinopel noch nicht ausgefertigt ist. Eine große, allgemeine wie lokale Bedeutung für Palästina hat die Eisenbahn Jaffa-Jerusalem erlangt. Der gesammte Verkehr Palästinas mit dem Aus lande hat im Berichtsjahre die Summe von 15,547,000 Mark gegen 12,422,<>00 Mark im Vorjahre erreicht, uas einer Steigerung von mehr als 25 Proz. gleich kommt. An diesein Gesanimtbetrage participirt die Ausfuhr mit 0,575,000 Mk. gegen 4,076,090 Mk.. die Einfuhr mit 8,972/MO Mk. gegen 8,346,000 Mt. im Jahre 1902. Die Ursache dieser Steigerung erblickt der Bericht in der günstigen vorjährigen Ernte, die in Folge reichlich niedergegangenen Regens, sowohl in E!etreide wie in Wein und Orangen, stattfand. Namentlich haben Orangen weit über eine Durchschnittsernte ergeben. Der Eonsul kann erfahrenen Gärtnern mit einem Kavital von 10,000 Pfund nur rathen, sich in einem Bereiche von 15.20 englischen Meilen um Jaffa anznkaufen und eine Orangenplantage anz» legen.