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Der Israelit · 1904-08-22 · Heft 67 (22.8.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 67 (22.8.1904)
Date
1904-08-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Petersburg. In der amerikanischen Presse war behauptet worden, in 2strowez (Gouvernement Radom) und in Partschew (Gouvernement Siedler) seien Judcnmaffakres vorgekommen. In Ostrowez seien am 13. August 20 Personen getödtet. in Partschew am 12. August 100 Personen verwundet worden; die Zahl der in Partschew Umgebrachten sei nicht bekannt. Eingezogene Erkundigungen ergaben folgendes: Am 4. August ereigneten sich in Ostrowez antisemitische Unruhen^ die vier Stunden dauerten. Ein Jude wurde schwer verwundet und starb am folgenden Tag»; 22 wurden leicht verwundet. Die Unruhen sind dadurch entstunden. dass ein jüdischer Knabe einen strenggläubigen Katholiken geschlagen hatte, was das Gerücht hervorrief, ein Christ sei durch einen Juden ermordet worden. Nun wollten die Arbeiter an den Juden Rache nehmen. Was die Vorgänge in Partschew betrifft, so hatte die Polizei am 5. August einen Haufen Juden ohne Gewaltmaßregeln auscinandergetrieben. Der Grund des Auflaufs war die Absicht der Juden, einen in Ljublin getauften Juden zu verbergen. Bei dem Zusammenstöße mit der Polizei wurden 20 Personen leicht, aber niemand schwer oder tödtlich verletzt. Sprechsaal. London, 14. Aug. In Ihrem schätzbaren Blatte (Sprechsaal vom 25. Juli) constatirte der Herr Rabbiner Berisch Winter im Namen des -srn r>'2 nntrrv daß id:d 2td der Sohn des sel. Rabbi Moses Sopher im Trauerjahre 11 Monate und 12 Tage lang das v'^p-Gebet gesagt hatte.. Der Grund dieses Verfahrens wird nicht angegeben. Ich besitze w2 'n nicht, glaube aber, die Begründung liege in der Auffassung, daß die in der Mischna "rr n:ro mron 2 0 angegebenen 12 Monate bedeuten, nicht die gewöhnlichen Mondmonate, sondern 12 Monate eines Sonnenjahres von 365 Tagen, folglich 12 n'trin Plus 11 (oder im mangelhaften Mondjahre 12) Tagen seien. Ein Beweis hierfür liegt in den ms *dö angegebenen 12 Monaten des Geschlechtes der Sintsluth. Wie schon Raschi zu Genesis VIII, 14 erklärt, währte die Fluth 12 Mondmonate und 11 Tage, und es heißt im Sohar to rcne (§ 205), daß die Strafe in ihrer Länge gleich dem 2'» crn« dwi ccca cnn war, folglich bedeutet letzteres ebenfalls ein volles Sonnenjahr. Dies scheint auch in der von Raschi Schabos (331») und Jalkut Ende Jsaias angeführten «»"">2 angedeutet zu sein. Jndeß sollte der allgemeine Minhag. nur 11 Monate wnp zu sagen, nicht geändert werdendes wird sogar i'o ''v brrpim non rwem (Seite 521»,'i's/'s) angeordnet, einen Tag vor dem Beginne des elften Monates das «vip einzustellen. I 0 s e p h L e v y. Vermischtes. Berlin. Bon einer jüdischen Berliner Hofsängerin auS den» 17. Jahrhundert erzählt folgender Briefwechsel: Der Kurfürst Friedrich III. schrieb am 16. Juli 1690 aus Wesel an den Fürsten von Anhalt und die Geheimen Räte in Berlin: .Marcus Jsaac Juden sambt Seiner bey sich habenden Tochter Brentgen Marcus von hier nach Berlin gehen zu lassrn, damit gedachte Brentgen bey Unsrer hochgeliebten Gemahlin mit singen auswarten und nach derselben gutsindcn sich weiter in der Music üben und perfectioniren, auch Ihre habende ungemeine stimnie nach der Kunst und Methode einrichlen und employren lerne.' Die Antwort des Fürsten von Anhalt lautet wörtlich: .Der Jud ist angekommen, weil aber E. h. d. Gemahlin sich anitzo nicht hier, sondern zu Hannover befindet, so werde deroselben Ich von dieses Juden Tochter Brentgen Marcus und ihrer ungemeinen Stiinme, die Ich sclbsten gehöret und admiriret habe, alsoforth Nachricht geben und dcro gnädigsten Befehl erwarten, ob sich diese Jüdinn dorthin begeben oder bis zu dero Gott gebe! glücklicher Zurückkunfft sich allhier aufhalten soll' . . . Bon den weiteren Schicksalen der jüdischen Hofsängerin Brentgen Marcus ist nichts bekannt. Göttiugen. Vor einigen Tagen wurde eine junge Dame aus Rußland, die an hiesiger Universität Psychologie studiert, zum Doktor promoviert. Frl. P. E p h r u l s i aus K i s ch i n e w erwarb deu philosophischen Doktorgrad magna emo laude. Ihre Dissertation ist betitelt: „Experimentelle Beiträge zur Lehre von Gedächtniß.' Petersburg. (Neue Judenkolonie). Der Zar hat die Bewilligung zu der fett langem angestrebten Anlage einer neuen Judenkolonie in Bessarabien ertheilt. Feuilleton. Mine vereitelte Hochzeit. von W. Maynev. ,14 Als sie die Werkstätte verließen war es inzwischen dunkel geworden und Pappenheim ’ führte nun den Grafen auf Umwegen in die Wohnung von Rabbi Scheftel Tusmenitz. Der würdige Greis saß in seinem Lehnsessel, den er wegen eines Gichtleidens nur schwer verlassen konnte; als aber Pappenheim, vom Grafen gefolgt, eintrat, schnellte der schwache Greis wie ein Jüngling in die Höhe, reichte dem Grafen die Hand und sprach in heiliger Sprache die Worte, in welche Jakob beim Anblick seines wiedergefundenen Joseph ausgebrochen war: „Nun mag ich sterben, nachdem ich Dein Angesicht geschaut, daß Du noch lebst." Tusmenitz erzählte nun dem Jüngling die Ereignisse jener Nacht, in der feine Eltern entführt und er im Thnrme zurückgelaffen wurde, wie er ihn dann Tags darauf in der Wohnung seiner Pflegeeltern sah. auch zehn Jahre später habe er ihn einmal im Kloster der Benediktiner bemerkt, aber seitdem habe jede Beziehung ztvischen ihnen aufgehört.

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