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Der Israelit · 1904-08-22 · Heft 67 (22.8.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 67 (22.8.1904)
Date
1904-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1421 bis der Himmel in Herrn Pappenheim einen Engel in Menschengestalt gesandt habe, der das Unmögliche möglich gemacht, indem dieser zum zweitenmal sein Leben gewagt habe. Gepriesen sei Gott, der mich diese Stunde hat erleben lassen, in der ich Ew. Durchlaucht hier begrüßen darf?" „Ich bitte Sie." bemerkte Ignatius, „mich nicht als Durchlaucht anzusprechen. Herr Pappenheim thut'S auch nicht, für Sie bin ich ja kein Graf." Tusmenih erwiederte: „Die größte Ehre, die man einem Menschen er weisen kann, lehren unsere Weisen, ist die Gewährung feines Willens. Wir wollen die theuere Zeit nicht mit Etiquettensragen verbringen, sondern direkt auf unser Ziel losgehen. Wenn Sie gestatten, rufe ich meinen Sohn herein, dainit Sie aus seinem Munde selber die Sie betreffende Botschaft hören können." Pappenheim rief den Sohn des Hauses Kalman Tusmenitz. ein Mann von nahezu vierzig Jahren, dem die Lebensklugheit und die Herzensgute aus den Augen leuchtete, und dem die feinen, höfischen Umgangssormen noch geläufiger waren, als dem greisen Vater. „Ew. Durchlaucht." begann Kalman Tusmenih. Aber sofort fiel ihm der Jüngling in die Rede und be merkte: „Ich kann Ihnen nur unter der Bedingung ge statten, mich Durchlaucht anzureden, wenn Sie mir erlauben, Sie in derselben Form anzusprechen. Wir haben beide einen und denselben Stammbaum, der bis auf Abraham zurückreicht und also mehr Jahrtausende zahlt, als der Efterha.zy'sckx Jahrhunderte. Ich denke wir lassen hier die Durchlaucht aus dem Spiel, sie wird ja ohne dies bald ihr Ende haben." ..Wie Sie wünschen. Herr Graf." fuhr Kalman Tusmenitz fort. „Ich bin also auf Geheiß meines Vaters iveit nach Galizien zum berühmten Rabbi Elimelcch gereist und habe ihm Ihre wunderbare Geschichte erzählt. Der große Mann hat mich mit gespannter Aufmerksamkeit angehört und hat mir. als ich zu Ende war. Ihre ganze Begebenheit mit allen Einzelheiten nacherzäblt. um sich oder mich zu überzeugen, daß ihm kein Zug davon entgangen ist. Sein Interesse steigerte sich noch, als er erfuhr, daß es sich um einen Enkel von Rabbi Elie Zülpich handelte, der ihm. wie er mir sagte, ein gar theuerer Freund gewesen sei. Seine Entscheidung theilte er mir erst am anderen Tage mit. sie war der Form nach kurz, aber dem Inhalt nach ungemein tief durchdacht. „Der junge Mann hat auf wunderbare Weise seine irdischen Eltern und seinen himmlischen Bater verloren. Wenn er letztere« aufrichtig sucht, wird er erstere ganz sicher wieder finden, sonst nicht. Er soll und braucht sich um das Wiederfinden seiner Eltern gar nicht zu kümmern, das wird sich ohne sein Zuthun machen. Umsomehr muß er, sobald als thunlich, seinen Glanz, seine Umgebung und Alles woran sonst sein Herz hängt, verlassen. Er soll von dem Gelde des Grafen nicht einen einzigen Kreuzer mitnehmen, nur das. was unzwciselho.fi sein Eigenthum ist, das mag er behalten. Wenn er in der reinen Absicht, unter die Fittiche der Schcchina iGottcsherrlichkcit) zu gelangen, seine glänzende Stellung verläßt, wird ihn keine Verfolgung erreichen. Ich bin gerne bereit, ihn bei mir aufzunehmen, ihn in das Bündniß Abrahams einzuführen, ihn zu unterrichten in Allem, was für. einen Juden erforderlich ist: ich erwarte ihn. Sagt dem Joseph bcn Mosche, daß er midi nicht allzulange warten lassen soll, denn rneine Tage sind gezählt und jede Stunde, die er versäumt, ist verloren. Hasche.n jazkiach Dartccho! Gott lasse Deine Wege gelingen!"' Schweigend hatten die drei Anwesenden diese Worte zu Ende gehört und verharrten auch nachher noch einige Minuten in tiefem Schweigen. Rabbi Scheftel Tusmenih brach es zuerst, indem er. zu dem Grafen gcwendet, diesen fragte: „Bevor wir ein Wort in dieser AngelegenlM sprechen, liegt es nun Ihnen ob. sich zu äußern, ob Sie diesem Rathe Folge leisten wollen oder nicht. In letz terem Falle haben w i r nichts weiter zu thun. Im ersten Falle müssen wir über die Schritte berathen. die einzuschlagen sind, daß die Weisung von Rabbi Elimelech erfüllt wird." „Mein Entschluß ist gefaßt," erwiederte der Jüngling leuchtenden Blickes. ..das wird Ihnen Herr Pappenheim bezeugen. Ich bin nur hierher gekommen, um die soeben vernonnnene Botschaft entgegen zu nehmen. Wenn Sie bamit einverstanden sind, gehe ick nickt mehr auf's Schloß zurück und reise noch heute Nacht zu dem Rabbi nach Galizien." Bei diesen Worten leuchteten die Mienen der drei Männer in verklärter Begeisterung auf. Der sieche Greis im Lehnsessel hatte seine Gicht vergessen, er erhob sich federleicht und drückte dem Jüngling beide Hände indem er sprach: „Ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Entschlüsse, o. wenn das Rabbi Mendel Troler erlebt hätte! Wie danke ich's dem Himmel, daß er mir noch dieses Glück zu erleben vergönnt hat!" Hier hielt der Greis einen Augenblick innc und fuhr dann mit ruhiger Ueberlegung fort: „Was Ihre Bereitwilligkeit betrifft, unter Umständen schon heute nicht mehr nach Hause zurück zu kehren, so möchte ich dem nicht beipftichten. Wenn Sie heute nicht mehr auf das Schloß zurückgingen, so würden Sie bald vermißt und hätten von Hhren Verfolgern nur einen Vorsprung von wenigen Stunden. Sie müssen Ihre Flucht aber so einrichten. daß.Me einen Vorsprung von mindestens einigen Tagen haben. Dann würde die Begleitung von Pappenheim vom Schloß nach Veßprim den Verdacht wieder auf die

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