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Der Israelit · 1904-08-22 · Heft 67 (22.8.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 67 (22.8.1904)
Date
1904-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1418 Stellen. Zarte Rücksichtnahme auf die konfessionellen Aversionen der „Gemeinen" des preußischen Heeres im preußischen Kriegs-Ministerium — das ist eine Vor stcllung von so unbezwinglichcr Komik, daß es schlecht, sehr schlecht um eine Sache stehen muß. die mit der artigen Argumenten vertheidigt wird. (5s wäre für nähr überaus traurig um eine Staatsraison bestellt, die auf derartiger Grundlage sich aufbaut. Von Raison wäre darin kaum eine Spur ju finden und Staat damit noch weniger zu machen. Frankfurt a. M. (Ignoranz oder Perfid i e?) Die „Mittheilungen aus dem Verein zur Abtvehr des Antisemitismus" schreiben: Die ..Kölnische Ztg." bringt in ihrer Rr. r»Rl nach der „Schlesischen Ztg." den Bericht eines schlesischen Landsmannes, der dem Blatte aus Vryheid in Trans vual nutdem 7 Mai schreibt: „Am 3. d. M. wurde am Orte eine jüdische Synagoge eingeweiht. Zu dieser freier kam der erste Rabbiner von Johannesburg Dr. Landau hierher. u>:>. den feierlichen Akt \\\ vollziehen. In seiner Rede bob er ii. a. die „Ireibeit" bervor, welcher sich die Juden in englischen Ländern im Gegensatz zu andern Staaten erfreuten und erwähnte dabei, daß in Deutschland taufende Juden, grauen. Kinder und Männer durch Deutsche bingemordet wurden. Synagogen niederge brannt, ihre Häuser zerstört, ihr Hab und Gut genommen wurde. Er sagte diese Morte vor einer großen Anzahl eingeladener angesehener Engländer und Buren außer den ansässigen, meist russischen Juden. Ich habe nachgedacht, aber kann mich nicht besinnen, daß sich dies je in Deutschland ereignet hätte. Ich vermutbe, dieser Herr, der. nebenbei bemerkt, in Deutschland oder Oesterreich erzogen ist. und. wie mir einige Juden versicherten, einer der berühmtesten Rabbiner in der jüdischen Melt ist. meint wohl Rußland: um aber mehr in, Gefallen der Engländer zu sprechen, läßt er es in Deutschland geschehen sein. Ich bin sicher, von den Antvesenden sind 90 Prozent, die den. Worten des Rabbiners Glauben schenken und sich so verkehrte Meinungen bilden. Run frage ich: könnte der Geistliche nicht veranlaßt werden, daß er diese Morte widerruft, sollten seine Aussagen nicht den Thatsachen entsprechen?" Dieser Artikel hat uns veranlaßt, einen authentischen Bericht einzuholen, aus dem wir die in Betracht kommend» Stelle wörtlich hier anführen: ..... This week happens to he the an ns versary of the crnel massaeres of the .Tewi whicli took place in Gennany during the first Crusade, when thousands of our people feil ander the blows of their imirderers crying: „The Lord our God is one . . ." when women killed their tender habes and our brethren with their own liands bnrned their synagognes over their heads. to prevent their d e s e c r a t i o n hy the furious mob . . .** *) Wir würden die Möglichkeit eines Mißverstand nisses, oder die Unfähigkeit des schlesischen Lands mannes. die englische Rede des Rabbiners Dr. Landau zu verstehen, der von dem ersten Kreuzzug sprach, für einen ausreichenden Grund halten, um uns auf die Richtigstellung des Irrthums zu beschränken, wenn nicht die „Schles. Ztg." der Zuschrift folgende Be merkung anfügte, die die ...Köln. Ztg." ebenfalls ab drndt: „Es handelt sich um eine bewußte Unwahrheit, durch die der betreffende Rabbiner nach der Sitte seines Volkes den Engländern eine faustdicke Schmeichelei sagen wollte. Wie mag nur Dr. Landau über das neue englische Gcscb. gegen die Einwanderung vml Juden denken?" Einem angesehenen Manne in hervorragender Stellung, ohne jede Nachprüfung einer Behauptung, eine „beivußte Unwahrheit-" iu's Gesicht zu schleudern, ist echt antisemitischer Anstand, den die ..Schles. Ztg." und die ...Köln. Ztg." in diesem stalle offenbar nicht mißbilligen. Grciföwald, 1f>. Aug. In der letzten Sitzung des "r>. Anthropologen Kongresses am 6. d. M. kam es zu einer interessanten Debatte durch einen Antrag des Herrn Z n n z, des Schatzmeisters der frankfurter Anthropologischen Gesellschaft, der im Hinweis auf die Stiftung des vor einigen Jahren verstorbenen Kölner Nervenarztes Dr. Mies, der er antisemitische Tendenzen unterschiebt, beantragte: „Die Mies'sche „Stiftung;ur Forderung der anatomischen und physiologischen Anthropologie in Deutschland" enthält Bestimmungen, ivelche mit den Bestrebungen der deutschen Gesellschaft für Anthropologie nicht vereinbar sind. Da es sich überdies herausgestellt bat. daß das Legat vom Erblasser nicht der Gesellschaft vermacht, sondern ihr nur zur Verwaltung überwiesen worden ist. .so beantragt der Unterzeichnete, diese Verwaltung abzulehnen." Der Antragsteller sah in der Ausführung dieser Bestimmungen antisemitische Tendenzen, weil der Testator der . fügt hat. daß nur immer zum fünften Male die Stiftung einem Juden zu fallen dürfe. Zunz hob hervor, daß er an sich durchaus neutral sei, er sei aber fort schnitlich freisinnig, und deßhalb meinte er mit Recht, daß bei der Beurtheilung wissenschaftlicher Arbeiten nur die Dualität, nicht aber die frage entscheidend sein dürfte, ob der Verfasser Ehrist oder Jude sei (sehr richtig). Die Gesellschaft dürfe sich nicht dazu herg^ben. solchen Bestrebungen Vorschub zu leisten *).... In dieser Woche war der Jahrestag der blutigen Nirdermehclnng von Juden, ivelche sich in Deutschland während de» e r tt e n lkreuzzug es ereignete», wo Tausende unsere» BolkeS unter den Stre'chen ihrer Mörder fielen, indem s»e ankrirfen: .Der Herr unser (Mott ist ein einiger . .wo Wciber ibre zarten Uinder töteten, und wo unsere Stammesbrüder mit eigener Hand die Synagogen über ihren Kövren anziindeten. um ihre Entweihung durch den Pöbel zu verhindern." .

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