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Der Israelit · 1904-08-22 · Heft 67 (22.8.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 67 (22.8.1904)
Date
1904-08-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1416 und Gesetze, die sich an ihn für die noch junge meteorologische Wissenschaft knüpfen? — wie er am Ende seiner scharfsinnigen Vorträge über die Gesetze der Luftströmungen und ihren Einfluß auf die Witterung bescheidener Weise mit dem Bekenntniß schloß, daß nach alledem kein redlicher, ernster Forscher sich getrauen würde, das Wetter 24 Stunden vorher mit Bestimmtheit anzugeben. Wer die Wetterprophezeihungen der Zeitungen aufmerksam mit der Wirklichkeit vergleicht, wird finden, daß dies noch heute seine Richtigkeit hat. Aber wenn es mit der Zeit selbst gelingen sollte, mit Sicherheit das Wetter längere Zeit vorherzusagen, es zu machen, einen einzigen Tropfen Regen, einen einzigen Sonnenstrahl zu bringen oder zurückzuhalten, das wäre eine Errungenschaft. die keine Wissenschaft erreichte und erreichen wird. Vom Schlüssel zur Regenspende sagen unsere Weisen, daß ihn der Allmächtige keinem Boten und also auch keiner Wissenschaft überlassen bat. Run soll es ja nicht bestritten werden, daß das Niederfallen des Regens nach bestimmten Naturgesetzen erfolgt, wenn sie uns allch nur sehr unvollkommen be kannt sind. Aber, daß Gott der Schöpfer und Lenker der ganzen Natur und ihrer Gesetze, sie auch aufzuheben vermag, daß er den Gang der kreisenden Himmelskörper ändern, daß er dem wogenden Meere Stillstand gebieten, daß er in mannigfachster Art in das Getriebe des ganzen Universums eingreifen kann und unzählige Male schon einbegriffen hat. das ist doch aus der Geschichte des jüdischen Volkes und seinen heiligen Urkunden aller Welt bekannt. Der ganze Bestand des jüdischen Volkes vollzieht sich gegen alle natürlichen Voraussetzungen und Berechnungen. Warum sollte die Allmacht Gottes gerade vor der Regenbilduna Halt machen, in der unsere Weisen das wundxrmäcktige Gotteswalten srzvi r>HC3 handgreiflicher als irgendwo sonst erblicken? Wo zum ersten Male in Gottes Wort der Regen erwähnt wird (k. B. M. Cap. kl. V. 5. 6.), wird uns sofort berichtet, daß der Boden ursprünglich nicht durch Regen-Niederschläge getränkt wurde. Solange es noch keine Menschen gab. gab es auch keinen Regen. Tie durch das rechtzeitige Eintreffen oder Ausbleiben des Regens bedingte Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit des Bodens ist uns somit als ein mächtiges Erziehungsmittel der Menschheit nahe gelegt. An vielen Steven der Thora und der Propheten wird das rechtzeitige Eintreten des Regens von unserem Gehorsam gegen die Gesetze Gottes abhängig gemacht, und das Ausbleiben des Regens als Folge der Auflehnung gegen den Gotteswillen bezeichnet. Aus dem Talmud wissen wir, mit. welchem Ernst gerade diese Kalamität die ganze Gesammtheit zu allgemeinem Fasten. Beten und Rückkehr zur leichtsinnig verlassenen Pflicht bestimmt hat. Wir folgen daher nur den lichten Spuren unserer Väter, wenn wir bei gleicher Kalamität zu dem Mittel greifen, das sie uns für so ungewöhnlich schwere Zeiten hinterlassen haben, in welchen jede menschliche Kunst in ihrer ganzen Ohnmacht erscheint, und wir es inne werden, daß hier nur Gott allein helfen kann. Wenn alle unter diesem ungewöhnlichen Nothstand leiden, wir Juden leiden am schwersten darunter. Unfruchtbarkeit, Mißjahre. Mangel und Hunger sind der gewöhnliche Nährboden aus dem die allgemeine Unzufriedenheit und Verbitterung am ersten und üppigsten wuchert. Ihre ersten Opfer sind die Juden. Notlu jahrc werden immer Vorläufer des Rischus, vor dem uns Gottes Gnade schützen möge. Ob unsere Gebete Erhörung finden lverden? Wir wollen es hoffen, wenn sie getragen von Tschubo. begleitet von Fasten sich aus kindlichem Herzen zum himmlischen Vater wenden. Aber das redliche, innige und aufrichtige Gebet bleibt nie erfolglos, selbst wenn ihm nicht diejenige Erhörung wird, die wir ihm wünschen. — Was wäre doch für unsere Zeit, in welcher der Abfall von Gottes Gesetz, die Leugnung Gottes und seiner Vorsehung so weite, weite Kreise ergriffen bat. daß man eine Bitte um Regen erst rechtfertigen muß. was wäre doch für uns gewonnen, wenn wir aus dieser schweren Heimsuchung lernten, wieder den Aufblick zu Gott und seiner Allmacht zu finden? Wie würden wir alle Leiden und Wehen des Lebens leichter ertragen, wenn uns das Bewußtsein von Gottes erziehender, liebender Vaterhand wieder lebendig würde, die im Versagen noch größer als im Gewähren ist! Was wäre gewonnen, wenn uns der Ernst der Zeit aus unserer Befangenheit reißen, den Bann brechen würde, den eine falsche Aufklärung, eine seichte Bildung und eine oberflächliche Wissenschaft um uns gezogen, und wir wieder aus jüdischem, vertrauendem, aufrichtigem Herzen vor Gott, mit der Bitte um seine Hilfe, uns auswcincn könnten! Wir ließen die höhnenden Wetterpropheten mit ihrem Barometer und Thermometer ruhig weiter experimentiren und wüßten uns gegen alle diese Nadelstiche durch die unerschütterliche Zuversicht gefeit, mit der wir zum ehernen Himmel die Regenbitte hauchten und vertrauensvoll auch für uns die prophetische Vorkündung erhofften: caV ,‘iu « to rcen id'3 }vx '32 pmra rrm cv: c-!? tot np-^> rrrerr nx. Zeitungsnachrichten und Correspoudenze«. Deutschlaud. Berlin, 18. Auq. In einer der letzten Nummern der „Zukunft" gibt der als scharfer Kritiker militärischer Mißstände bekannte Oberstleutnant a. D. Carl von Wartenberg zu dem Thema: „Jüdische Unteroffiziere" folgende Ausführungen:

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