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Der Israelit · 1903-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1903) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1903)
Date
1903-12-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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uns zu finden, aber nicht bei Dir. Allgütiger, der Du unser Leid und auch unsere einstige Größe kennst und im Gedächtniß bewahrt hast. Teßhalb ict nrx gedenke Du unserer einstigen Größe und unserer heutigen gedrückten Lage und helfe uns. Derselbe Gedanke scheint dem sonst unverständlichen Midrasch zu Grunde zu liegen, laut welchem i;'2i npc zu Gott folgendes Gebet emporgesendet: 'S px: nis: 7:2 nxn nnxiva c~x r.*s an'dr zrzr\ „Wenn Du. 0 Gott, Deine Kinder in Noth stehst und Niemand da ist. der für sie um Erbarmen fleht, so erhöre sie." Warum heißt es hier mx2 7:2 hx*.i nnxtjo und nicht vrrco 7:2, wenn Deine Kinder sich in Noth befinden, ferner sind die Worte Li'bp c’cm pp'ap ’S schwer erklärlich. Warum sollte Israel nicht selbst zu Gott um Seine Hilfe flehen? da es in der Bibel doch heißt: tjq "p^x 'i -,y nasfl V31 7x1,21 Doch nach obiger Erklärung hat unser großer Lehrer Mosche in seiner Voraussicht gesehen, daß im Laufe der Zeiten Israel durch die vielen Leiden und Demüthigungen, die es zu erdulden hatte, an diese bereits gewöhnt, so daß sein Auge sie nicht mehr sehen und sein Herz sie nicht mehr fühlen und deßhalb seiner Schmach, die ihm von den anderen Völkern zugefügt, nicht mehr bewußt sein wird, als daß es zu Gott um Erlösung von seinem Elend beten sollte. Deßhalb betete Moses nxn nrixeo mi'2 7:2 „Wenn Du 0 Gott allein Deine Kinder in Nöthen siehst, und Israel selbst dies nicht sehen und fühlen will, und es Seine Barmherzigkeit nicht anflehet, da helfe Du ihm und erlöse es von seiner Pein." Dieses ist auch der Sinn der Psalmworte: 1-1 irxi nw mtra ww „Erfreue uns wie zur Zeit, als Du uns quältest." Köng David betete zu Gott, daß nämlich die glücklichen Tage, mit welchen uns Gott einst erfreuen wirss, solche sein mögen, als wären diese uns zur Zeit rivi wsn nw des Verlustes unserer Größe zu Theil geworden, dann würde auch die Freude eine größere sein, während in späterer Zeit, wenn die Wunde ein wenig vernarbt sein wird, auch unsere Freude im Verhältniß zu unseren Leiden keine so große sein würde. Durch diesen Gedankengang kommen wir nun zum Ausgangspunkte unserer Betrachtung, nämlich zur Erklärung Eingangs zitirter Midraschstelle: pw nwno n ncno nvb ’r-zsvn nsa i>x^rr" bv 22^1 n'2'S nana: wax apy t2d:b? Auch Jakob war an ein Leben voll Kummer und Unannehmlichkeiten gewöhnt, wie auch der Midrasch ihn den Klageruf ausstoßen läßt, v-vp«» xbi iL'pa'-.'rnbV xb?,2' bv 'wi psp w*.i X2'1 runa w? xb\ s2ba „Ich hatte keinen, Frieden von Esau, keine Ruhe von Laban und keine Rast durch Dina." Da kam noch der Schrecken über Josef. Diese Kümmernisse hatten natürlich seine Söhne mit zu ertragen und zu erleiden. Wenn nun diele also gleich bei ihrer Ankunft in Egypten unter die Tyrannenherrschaft Pharaos und dessen Bedrückungen ansgesetzt worden wären, so hatten sie den Schibud nicht gefühlt, umsoweniger, da diese ne>p 71 iim Anfänge leicht und erst später strenge und schwer sich fühlbar machte, und es wäre gewiß nicht -rzy&n rrxa czrcrrjry rcrsi gewesen. Doch war dies bekanntlich nicht der Fall. Jakob und dessen Söhne war das Glück zu Theil geworden, in Mizraim sich eines angenehmen Lebens erfreuen zu diirfen, indem sie siebzehn Jahre von dem Besten des Landes genießen konnten. Nachdem sich die Söhne Jakobs wie deren Nachkommen eine länge Reihe von Jahren der Ruhe und des Friedens erfreuten, da mußten sie es umso schmerzlicher empfinden, als gleich nach dem Tode ihres Vaters Jakob die Bedrückung und das strenge Regime Pharao's sich fühlbar zu machen begann, da fühlten sie gleich so schmerzlich die geringste Bedrückung Seitens Pharao's. so daß sich ihre Augen schlossen und der Pulsschlag ihres Herzens in Stockung gerieth von den über sie hereinbrechenden Leiden der Knechtschaft. Doch Gottes Wege sind wunderbar. So wie Jakob und seinen Söhnen durch Joses, den sie verderben wollten, später ein Retter erstanden, dem sie ihr Leben zur Zeit der Hungersnoth in Egypten zu verdanken halten, so mußte durch die Fügung Gottes gerade Pharao seine Hand dazu bieten, daß Moses, der Sklavensohn, nicht Sklavendienste leisten mußte, und der Retter seines Volkes wurde, der es vom Lande der Knechtschaft zur Freiheit wurde. Zctturigsnachrichten und Correspondeuzerr. Deutschland. (füllt, 21. Dez. Die in der vorigen Woche stattgehabten Wahlen zum Repräsentanten-Kollegium ergaben. wie bereits berichtet, gegen die letzte Wahl eine Zunahme der konservativen, dagegen eine Abnahme der liberalen Stimmen. Es wurden im Ganzen abgegeben: 715 konservative und 440 liberale Stimmen, gegen 610 konservative und 615 liberale Stimmen im Jahre 1900. Trotz der gewaltigen Majorität der konservativen Wähler, die ihre Kandidaten nur in der dritten Wählerklasse durchbringen konnten, wird die Verwaltung der Gemeinde, in Folge des hier noch geltenden Dreiklassen-Wahlsystems, nach wie vor in Händen der liberalen Partei verbleiben. Ahlem, 25. Dez. Die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover feierte am Sonntag, den 20. d. Mts., dem letzten Chanukah-Abende, mit ihren Freunden und ihren Zöglingen ein wunderschönes Fest in den Räumen des neuerbauten Mädchenhauses. Schon lange vor der zum Beginn angesetzten Zeit

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