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Der Israelit · 1903-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1903)
Date
1903-12-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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2393 drängten sich Menschen auf Menschen, Platz zu finden in dem zum Theatersaal umgewandelten Speisesaal; doch die Fülle der herbeigeeilten großen und kleinen Gaste vermochte er nicht zu fassen. Um 4 Uhr begannen die Aufführungen. Die Zöglinge, Knaben und Mädchen — die Großen wie die Kleinen — ste alle gaben in den von den Lehrern und Leitern der Anstalt einstudirten sehr hübschen kleinen Szenen so vorzügliche schauspielerische und gesangliche Leistungen, daß großer Beifall sie lohnte. Besonders war es der herrliche Chorgesang der Kinder, der das Herz Aller erfreute, und als dann gar zum glänzenden Abschluß der Vorstellungen sich eine Anzahl großer und kleiner Knaben in Turnübungen am Barren producirte, wollte Beifall und Jubel im Publikum kein Ende nehmen. Und wirklich — es war eine Lust, zu sehen, mit welcher Geschmeidigkeit des Körpers und mit welcher Freude an der eigenen Kraft, diese starken und frischen Knaben ihre künstlerisch zu nennenden Leistungen darboten, — ein schöner Beweis war es, wie kräftig sich selbst körperlich vernachlässigte Knaben bei richtiger Erziehung und muskelstärkender Arbeit noch entwickeln. Dann begaben sich Gäste und Gastgeber hinauf in den ersten Stock, wo einer der geräumigen Schlafsäle ausgeräumt war und den Eintretenden einen herrlichen Anblick bot. Lange weißgedeckte Tafeln, darauf Teller neben Teller — mit Nüssen, farbenprächtigen Aepfeln und Pfefferkuchen Palleten und rings um jeden Teller die schönsten Geschenke! — Mit aufopferndem Eifer hatten die Damen des Komitees schon lange, lange vorher die Mittel gesammelt, um die Kinder beschenken zu können, und wie liebende Mütter haben sie dann „ihren Kindern" die Geschenke dargereicht, und Wohl der beste Dank für all' ihre Mühe ward ihnen zu Theil in der reinen Freude, die sie den Kleinen bereitet. Als dann unter Gebet und Gesang die Chanukahlichter entzündet waren, da fanden sie hundertfachen Widerschein in den freudestrahlenden Augen aller Beschenkten und aller Zuschauenden. In einer Ansprache dankte dann noch Herr Inspektor Silberberg den Gälten für ihr Erscheinen, den edlen Wohlthätern der Anstalt im Allgemeinen und den Damen, durch deren gütiges Wirken allein dieses Fest zu Stande gekommen, besonders. Mit einer Ermahnung an die Zöglinge, sich ihrerseits durch Fleiß und tüchtiges Streben dankbar zu erzeigen, schloß er dann die schöne und erhebende Feier, die allen Theilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nachdem die Gäste noch die Geschenke der Kinder bewundert und sich an ihrem Glück noch mitgesreut hatten, trennte man sich zwar unter einstimmiger Befriedigung, jedoch allgemein bedauernd, daß nicht eine große Turnhalle hier vorhanden sei. in welcher die Zöglinge ihre Leistungen noch besser hätten produciren können. Leider hat die Anstalt bisher noch immer nicht die Mittel ausbringen können, die zum Bau des schon lange geplanten Schulhauses mit Betsaal und großer Turnhalle erforderlich sind. Wir möchten auch an dieser Stelle nicht verfehlen, dem Wunsch und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß sich doch recht bald gute Freunde finden möchten, die der Anstalt für diesen guten Zweck die Mittel zur Verfügung stellen. München. Der älteste Israelit in München, Herr Model, 92 Jahre alt, wurde dieser Tage zur letzten Ruhe bestattet. Auch diesmal wurde die Chanukah-Beschenkung am Vormittag, die Chanukahfeier aber am ersten Chanukahabend im Saale des Bayrischen Hofes abgehalten. Herr Rabb. Dr. Werner hielt an die zahlreichen anwesenden Kinder eine Ansprache. Ein Sohn des Herrn Hofmusikus Ziegler zündete das Chanukahlicht an und sprach die W212; dann wurde nvv W' to gesungen. Der jüngste Ziegler, auch ein vielversprechender Musik- und Gesangschüler, trug mehrere Lieder mit Violinbegleitung vor und erntete großen Beifall. Auch andere Kinder leisteten Vorzügliches in Gesang mit Klavierbegleitung. Briefkasten der Redaetiorr. I. in Darmstadtr Der „Cbelmer Maggid* ist bei den russisckien Juden eine legendäre Figur, der allerhand dumme und kluge Streiche machte ä, la Münchhausen oder eher noch Till Eulenspiegel. L. M. in Z.: Die jüdisch-deutsche Redensart: „Was ist b'rMehr?" soll soviel beiß-'», wie: „Was ist die Märe?" d. h. „WaS ist geschehen?" Nach anderer Erklärung käme sie von "DTI “p „Was ist dir Meer?" (Ps. 114). Briefkasten der Expedition. H. B. in L.: Mk. 14.— empfangen. Berichtigung. Frankfurt <*. M. (Unlieb verspätet). Zu unserem Nachlas Zwi-Fcier-Bericht fügen wir ergänzend hinzu, daß das zweite Gedicht von Frl. Martha S ch a m e s ebenfalls in einer Weise vorgetraaen wurde, welche die Zuhörer zu mehrfachem Applaus beaeisterte._T . . . i. Neu eingegangrne Bücher. (Besprechung v rbchalten ) Münz, Salomon. yuwb D’jruo. Handbuch für Canto r cn und Cu l tu s beamte. 62 S. 2. Aufl.. Mit musik. Beil, von Mor. Sonntag. Krakau, im Selbstverläge des Verfassers. Cronbach. Siegmund. Aus dem Notizbuch des Onkel Jonas. Jllustrirte Prachtausgabe. 126 S. Pr. M. 12.— Berlin, Siegfried Eronbach. Rimler, Dr. Julius. An seine königl. Majestät Franz' Josef I allcrunterthänigster offener Brief. 11 S.' Pr. 30 Heller. Budapest 1903. M. Pol'ak. Sch aper, Gertrud. Der Häßliche. Ein Tagebuch.' 110 S. Hannover, V ere n be rg' sche Druckerei (Schwedt. - und Wenzel). Bierbaumer, Rud. W. Raum dem Werde! Neve Gedichte. 46 S. Pr. M. 1.30. Neurode, Pr.-Schlcfien. Leusckner & Tesch. 1903. Hcnckell, Karl. Mein Liederbuch. 200 S. Ausgcwählte Gedichte I. Leipzig u. B rlin K. Henckell u. Co. Henckcll, Karl. Neuland. Ausg.wählte Gedichte H. 161 S. Leipzig und Berlin, K. Henckell, u. Co.

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