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Der Israelit · 1903-12-30 · Heft 103-104 (30.12.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 103-104 (30.12.1903)
Date
1903-12-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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-HfriVfaiifr h •i’v<fiTJr'rii ^ifiiVfiJrijd> 44. Jahrgang. rfxc Zseik. zn^kMt 104 des „Israelit lUf <<s< Schibudanfang. >d>> ginc Betrachtung zu TO 'S. Von Hermann Löwinger—F r ankfurt a. M. ivszp p.'2P 'tb hdtjid n npis nab ,a^i*o pxa apjr vn dvmnp nsypn irao t»xip' bv oaiji oruv cna: vax apjp (nai p-nzrai mw bv -*p-n) aiaypb Gottes Wege sind unerforschlich und wunderbar dessen Fügungen. In späterer Zukunft enthüllt sich oft erst, was früher unseremschwachen' Menschenverstände unbegreiflich erschienen. So wird denn das größte Leid oft zur Quelle des reichsten Segens, und dieser wieder zumeist die Ursache des größten Unheils und vieler Widerwärtigkeiten im menschlichen Leben. So war denn auch der von seinen Brüdern gehaßte und nach Egypten verkaufte Joseph später zum Wohlthäter des ganzen Landes Egypten und zum Lebensretter seines greisen Vaters und seiner Brüder. Jakob hingegen, dessen höchstes Glück das Wiedersehen mit seinem geliebten Sohne Josef gewesen, bewirkte mit seinen! Zuge nach Egypten" den Beginn des Schibud für seine Nachkommen. Dieser Gedanke ist, wie wir sehen werden, am deutlichsten in der oben zitirten Bemerkung Raschi's und unserer Midraschweisen ausgesprochen. „Warum," fragen diese, „ist dieser Abschnitt in der Thora verschlossen (d. h. daß derselbe nicht so wie die anderen Thoraabschnitte durch einen leeren Zwischenraum erkenntlich gemacht), weil seit dem Hinscheiden Jakob's die Augen und das Herz der Kinder Jsrael's sich schloffen und der Pulsschlag ihres Herzens gehemmt und stille gestanden durch die Leiden der Knechtschaft und des Druckes, mit welchen sie die Egypter zu bedrücken begannen." Beim ersten Lesen dieser Midraschworte scheinen diese recht dunkel, und es muß sich Jeder fragen, was den Midrasch veranlaßt hatte, in den Schriftworten apy das traurige Geschick der Nachkommen Jakob's, welches diese gleich nach dessen Tode ereilen werde, angedeutet zu sehen. Hatten doch die Söhne Jakob's während der Lebenszeit ihres Vaters ein angenehmes Leben geführt, wie es auch heißt: Sie erlangten Eigenthum, waren fruchtbar und vermehrten sich sehr. Ferner hat doch der eigentliche Schibud erst nach dem Tode Josef's begonnen? Ferner ist es auffallend, wenn sich der Schibut schon gleich nach dem Tode Jakob's ein wenig fühlbar gemacht hätte, wie kommt es, daß dieser in seiner anfänglichen milderen Art eine solche konsternirende Wirkung auf Israels Nachkommen hervorgebracht hatte, so daß sich deren Augen schloffen und der Pulsschlag ihres Herzens in Stockung gerieth. Diese Fragen hat mein unvergeßlicher großer Lehrer ztd mp bvz brunpxyi an reu -DD in geistvoller Weise beantwortet, indem er mit Zuhilfenahme des Psalmverses uap' cp bzz rvnnj bv p-x nx tmata t»a ca die Midraschstelle zu dem Echovers vb n»n no i 1121 erklärte, derselbe lautet folgendermaßen: nrcp pm 122 mxa nnap 12b rvn na Trat -tat nnx p1? *72 ni») „Gedenke, 0 Ewiger, was wir früher besaßen." Hierzu bemerkt der Midrasch: „Vergeßlichkeit findet sich bei uns, doch nicht bei Dir, deßhalb gedenke D u unser." Als nämlich Israel in Folge seiner Sünden und Treulosigkeit gegen Gott in's Exil wandern mußte, und sich dann seines einstigen Glückes und Glanzes erinnerte, als es noch seinen heiligen Tempel, seine Priester und Propheten besessen, und Alles in Hülle und Fülle hatte, als es der Zeit gedachte, in der Jeder 'unter seinem Weinstock und Eigenthum friedlich saß, und es bei allen übrigen Völkern im großen Ansehen gestanden, und hingegen jetzt wegen seiner Sünden von seinem Heimathslande vertrieben, alles verloren und in allen Enden der Erde zerstreut, als Fremdlinge und Geduldete in fremdem Lande zu leben verurtheilt ward, da entströmten seinen Augen Thränen vor Herzeleid und tiefem Schmerz über den herben Verlust und das Ungemach, die es betroffen, wie es heißt: „An den Strömen Babylons saßen wir und weinten, wenn wir Zions gedachten." Doch im Laufe der Zeiten, während der langen Nacht des Exils, war Israel an die vielfach auf es anstürmenden Leiden und Schicksalsschläge gewöhnt, die vielen Austreibungen von Land zu Land, die es zu erdulden, die Mord- und Raubzüge, die es während vieler Jahrhunderte zu bestehen hatte, hatten es mit der Zeit abgehärtet und abgestumpft, so daß es die tiefe Wunde, die ihm das Golus beigebracht, die Demüthigung und Bedrückung seitens der es beherrschenden Staaten und Völkern nicht mehr recht fühlte und als ganz natürlich gefunden, die unendliche Große seines Verlustes nicht mehr empfunden. Dieser Stumpfsinn ist aber ein schlechtes Zeichen bei einem Volke, ebenso wie die Agonie, in der der Kranke für jeden Schmerz unempfindlich, ein Vorbote der Auflösung des Menschen ist. Eine solche traurige Zeit gab es auch für Israel, in welcher das jüdische Volk itf Folge der vielen auf es anstürmenden Leiden und Kümmernisse, an diese gewöhnt, ganz apathisch gewor- - den und sich seiner traurigen, politischen und sozialen Lage gar nicht mehr bewußt war. Diese Zeitperiode kennzeichnet Raschi und unsere Midraschweisen in den. Versen rat 1» mxc nrrap Die Vergeßlichkeit ist bei 1

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